Alle wichtigen Informationen zur Astrazeneca-Impfung

Lesedauer: 8 Minuten

Sieben Tote nach 18 Millionen Astrazeneca-Impfungen in Großbritannien

Sieben Tote nach 18 Millionen Astrazeneca-Impfungen in Großbritannien

In Großbritannien sind laut Gesundheitsbehörden nach mehr als 18 Millionen Astrazeneca-Impfungen bisher sieben Menschen an Blutgerinnseln gestorben. Das Risiko solcher Nebenwirkungen sei damit insgesamt "sehr gering".

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Der Impfstoff von Astrazeneca wirft bei vielen Menschen Fragen auf. Wir liefern Ihnen die wichtigsten Informationen zum Corona-Vakzin.

  • Nachdem die Astrazeneca-Impfung für alle Menschen unter 60 Jahren ausgesetzt wurden, sind viele Menschen verunsichert
  • Wie sicher ist Astrazeneca? Sind auch Männer von einer Thrombose nach der Impfung gefährdet? Was muss ich beachten?
  • Hier finden Sie alle wichtigen Fragen und Antworten zur Impfung mit Astrazeneca

Kaum ein Corona-Vakzin steht so sehr in der Kritik wie der Impfstoff von Astrazeneca. Das Präparat ist in der EU seit Januar zugelassen – musste seither allerdings mehrmals nachuntersucht und neu bewertet werden. Wir liefern Ihnen die wichtigsten Informationen zu dem Mittel gegen das Coronavirus.

Lesen Sie hier: Alle wichtigen Fragen und Antworten zu den Corona-Impfstoffen und der Impfung.

Astrazeneca: Wie wirksam ist der Corona-Impfstoff?

Der Impfstoff von Astrazeneca hat eine Wirksamkeit von insgesamt 70 Prozent. Bei einer Studie hat das Vakzin vor allem bei älteren Patienten überraschend gut abgeschnitten. Bei den über 80-jährigen Menschen ging das Risiko, wegen Covid-19 ins Krankenhaus zu müssen, in der vierten Woche nach der ersten Dosis um 81 Prozent zurück. Lesen Sie dazu: Astrazeneca auch für Ältere – Studie sorgt für Überraschung

Corona: Astrazeneca bekommt neuen Namen
Corona: Astrazeneca bekommt neuen Namen

Wie ist der neue Name des Impfstoffs von Astrazeneca?

Während der Entwicklung wurde das Vakzin zunächst als "ChAdOx1", später als "AZD1222" bezeichnet. Ende Januar folgte dann die Zulassung in der EU – unter dem Namen "Covid-19 Vaccine AstraZeneca". Ende März erhielt der Impfstoff dann seinen Markennamen: "Vaxzevria".

Welche Nebenwirkungen sind nach einer Impfung mit Astrazeneca möglich?

Auf der Webseite des Paul Ehrlich-Instituts sind mögliche Impfreaktionen nach der Verabreichung einer Astrazeneca-Dosis aufgelistet. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen:

  • Druckempfindlichkeit an der Stelle der Injektion
  • Schmerzen an der Injektionsstelle
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Muskelschmerzen
  • Krankheits- oder Fiebrigkeitsgefühl
  • Schüttelfrost
  • Gelenkschmerzen und Übelkeit

Weitere Impfreaktionen finden Sie hier: Corona: Diese Astrazeneca-Nebenwirkungen können auftreten

Wie lange dauert es, bis die Nebenwirkungen nachlassen?

Bei den meisten Nebenwirkungen handelt es sich nur um kurzfristige Impfreaktionen, die nach wenigen Tagen wieder abklingen. Bei länger anhaltenden Beschwerden sollten sich Geimpfte an ihren Hausarzt wenden.

Löst Astrazeneca Thrombosen aus?

Vereinzelt sind in den vergangenen Wochen nach einer Impfung mit dem Corona-Vakzin von Astrazeneca Hirnvenenthrombosen aufgetreten. So kam es etwa in Großbritannien bei mehr als 18 Millionen Impfungen in 30 Fällen zu solchen Thrombosen.

Lesen Sie auch: Astrazeneca – Darum ist der Vergleich mit der Anti-Baby-Pille falsch

Wieso wurden die Astrazeneca-Impfungen zwischenzeitlich gestoppt?

Wegen der vereinzelt auftretenden Thrombose-Fällsen setzten im März rund 20 Länder die Impfungen mit Astrazeneca aus, darunter auch Deutschland. Da kein kausaler Zusammenhang festgestellt werden konnte, sprach die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) erneut eine Impf-Empfehlung aus - allerdings mit einem Warnhinweis.

Lesen Sie dazu: Astrazeneca – Für welche Personen der Warnhinweis gilt

Neue Regelung: An wen sollte der Impfstoff nicht verabreicht werden?

Nachdem mehrere Frauen unter 55 Jahren im Anschluss an eine Astrazeneca-Impfung Thrombosen entwickelt hatten, die vereinzelt auch zum Tod geführt haben, wurde in Deutshcland erneut über das Vakzin beraten. Fortan soll das Vakzin hierzulande nur noch bei Menschen über 60 Jahren eingesetzt werden.

Was ist mit der Zweitimpfung für Astrazeneca-Geimpfte?

Haben Patienten unter 60 Jahren bereits eine Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Impstoff erhalten, können sie nach dem benötigten Zeitabstand mit einer zweiten Corona-Impfung rechnen. Allerdings wird es sich bei der zweiten Dosis um ein anderes Vakzin, eventuell einer Kombination zweier Wirkstoffe handeln.

Was passiert mit Astrazeneca-Impfterminen von Personen unter 60?

Laut Deutschlandfunk versuchen die Bundesländer, bereits vereinbarte Impftermine trotzdem stattfinden zu lassen. Meist werden dann statt Astrazeneca die Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna zur Verfügung gestellt. Sollte das nicht möglich sein, müssen die Termine storniert und später nachgeholt werden.

Coronavirus – Die wichtigsten News im Überblick

Gab es nach Astrazeneca-Impfungen bereits Todesfälle?

Dem zuständigen Paul Ehrlich-Institut wurden bis zum 12. März vier Todesfälle in Verbindung mit einer Astrazeneca-Impfung gemeldet. Zwei Patientinnen verstarben laut Institut in der Folge einer Hirnvenenthrombose, ein Patient bei einer Hirnblutung. Bei einer weiteren Meldung wurde ein Herzinfarkt einen Tag nach Impfung gemeldet.

Insgesamt wurden bis zum 12. März 1.471.400 Impfungen mit Astrazeneca durchgeführt. Das bedeutet, dass es bei 100.000 Impfungen im Schnitt zu 0,27 Todesfällen kam.

Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V
Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V

Wie sicher ist Astrazeneca? Wie bewertet die EMA den Impfstoff heute?

Mittlerweile hat die EMA den Impfstoff von Astrazeneca erneut bewertet und sich dabei für einen uneingeschränkte Verwendung des Vakzins ausgesprochen. Zwar sieht die Behörde einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca und sehr selten auftretenden Thrombosen bei Geimpften. Doch der Nutzen einer Impfung übersteige das Risiko deutlich.

Lesen Sie hier: Was sind Symptome und Anzeichen einer Thrombose nach Astrazeneca-Impfung?

Spahn: Würde mich mit Astrazeneca impfen lassen
Spahn: Würde mich mit Astrazeneca impfen lassen

Astrazeneca: Haben auch Männer ein Risiko für eine Thrombose?

Auch Männer haben ein Risiko für eine Hirnvenenthrombose nach einer Impfung mit Astrazeneca. Deshalb hat die Sändige Impfkomission (Stiko) empfohlen, die Impfung geschlechtsunabhängig für alle Menschen unter 60 Jahren in Deutschland auszusetzen.

Es ging bei fast allen Verdachtsmeldungen um Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. Aber zwei Fälle betrafen auch Männer im Alter von 36 und 57 Jahren. In einem Beschlussentwurf der Stiko, der am Dienstag vor der neuen Impfempfehlung durchgesickert war, hatte es geheißen: „Obwohl deutlich mehr Frauen betroffen waren schränkt die Stiko vorsorglich ihre Empfehlung für beide Geschlechter ein.“

Hat sich der Bundespräsident mit Astrazeneca impfen lassen?

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich Anfang April mit dem Vakzin von Astrazeneca impfen lassen. Er betonte, dass er allen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen vertraue. "Das Impfen ist der entscheidende Schritt auf dem Weg aus der Pandemie", sagte Steinmeier nach seiner Impfung. Dessen Beispiel folgte unter anderem auch der SPD-Politiker und Virologe Karl Lauterbach.

Bundespräsident Steinmeier mit Astrazeneca geimpft
Bundespräsident Steinmeier mit Astrazeneca geimpft

Wirkt Astrazeneca gegen Mutationen?

Grundsätzlich bietet der Wirkstoff von Astrazeneca auch einen Schutz gegen Mutationen des Coronavirus – allerdings mit unterschiedlich hoher Wirksamkeit. Gegen die stark verbreitete britische Corona-Mutante B.1.1.7. wirkt Astrazeneca Experten zufolge gut, gegen die südafrikanische Virus-Mutante dagegen weniger. Laut Studien der Universitäten Oxford und Johannesburg bietet der Impfstoff hierbei nur einen Schutz von zehn Prozent vor leichten und mittelschweren Krankheitsverläufen. Der Hersteller Astrazeneca hat laut eigener Aussage vor, seinen Impfstoff entsprechend anzupassen.

Um was für einen Impfstoff handelt es sich bei Astrazeneca genau?

Anders als die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna handelt es sich bei dem Vakzin des britisch-schwedischen Konzerns um einen Vektorimpfstoff. Im Gegensatz zu mRNA-Impfstoffen enthalten Vektorimpfstoffe gegen Covid-19 genetische Information in Form von DNA. Eine Veränderung der DNA ist allerdings nicht zu befürchten.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder