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Deutscher feiert Party und erlebt dann Tortur auf Mallorca

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Corona: Mallorca kämpft mit hohen Infektionszahlen

Corona: Mallorca kämpft mit hohen Infektionszahlen

Spanien trifft auf die fünfte Corona-Welle. Damit steht auch der Tourismus für die beliebte Urlaubsinsel Mallorca auf der Kippe. Die Insel kämpft mit rasant steigenden Infektionszahlen.

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Palma.  Adrian machte Party am Ballermann - dann wurde er positiv auf das Coronavirus getestet. So erlebt er seine Quarantäne auf Mallorca.

  • Ein deutscher Urlauber feierte erst am Ballermann und wurde dann positiv auf Corona getestet
  • Er musste ins Quarantäne-Hotel - die Zustände erinnerten alles andere als an einen Urlaub
  • So schildert er seinen Aufenthalt

Zehn Tage hat Adrian im Urlaub mit seinen Kumpels Vollgas gegeben. Party am Ballermann auf Mallorca in Spanien bedeutet bis in den Morgen Party. Zehn Tage lang. Am Tag der Abreise folgt dann die Quittung. In einem Testcenter in El Arenal wird Adrian positiv auf Corona getestet. Was dann passiert, ist wie ein Sinnbild für eine überforderte Bürokratie und eine Reise in die eigene Hilflosigkeit.

Es waren unzählige Küsse, Verbrüderungen, Umarmungen. Flaschen und Zigaretten wurden herumgereicht. Gemeinsam sangen sie am Strand. „Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“ und wurden anschließend von der Polizei von der Promenade vertrieben. Eigentlich waren sie jeden Abend betrunken und fühlten sich dementsprechend geschwächt, als sie aus dem Hotel „Playa Sol“ auschecken. „Meinen Freunden Nico und Wassili ging es viel schlechter als mir. Einer dachte sogar, er hätte Fieber“, erinnert sich Adrian später. „Aber wir haben das darauf zurückgeführt, dass der Alkohol unser Immunsystem geschwächt hat und weniger auf das Virus.“

Corona-Test ist positiv - doch das Gesundheitsamt auf Mallorca ist überlastet

Gemeinsam machen sie den obligatorischen Test. Kaum hat Adrian die Prozedur hinter sich gebracht, schlägt das Testzentrum Alarm. Positiv! Er wird ein zweites Mal getestet. Das selbe Ergebnis. Normalerweise wird jetzt ein bestimmtes Prozedere in Gang gesetzt. Das Testcenter informiert das Gesundheitsministerium. Das schickt einen Arzt für einen PCR-Test. Bis dahin und darüber hinaus ist der Patient zu isolieren. Wenn er das selber nicht kann, wird er mit der Ambulanz in das Corona-Hotel in Palma gebracht.

Soweit die Theorie, die in der Praxis bedeutet, dass die Leitungen des Gesundheitsamtes völlig überlastet sind. Vom Testcenter bekommt Adrian eine Telefonnummer, unter der er es selbst versuchen soll, jemanden zu erreichen, der weiterhelfen kann. Gemeinsam mit seinen geschwächten, aber negativ getesteten Freunden macht er sich auf den Rückweg zum Hotel. Besonders gute Erfahrungen hat er an dem Ort nicht gemacht. „Kein Gast trug im Hotel Maske, aber irgendwie wurde das auch nicht verlangt.“

Corona-infizierter Deutscher auf Mallorca: Chaos im Corona-Hotel

Seine Freunde dürfen den bunkerhaften Komplex nur kurz betreten, um das Gepäck aus dem Stauraum zu holen. Adrian versucht derweil vergeblich, die Sanidad, das Gesundheitsministerium, zu erreichen. Seine Freunde brechen auf zum Flughafen. Nachdem weiter alle Versuche über Stunden misslingen und sich der Akku dem Ende neigt, geht Adrian, der im übrigen auch kein Bargeld mehr hat, zum Testzentrum zurück.

Doch auch dort hat er kein Glück. Kein Durchkommen beim Amt. Schließlich erbarmt sich der Leiter des Testcenters und drückt einem Taxifahrer 20 Euro in die Hand, damit er Adrian ins Corona-Hotel fährt. „Es war das erste vollisolierte Taxi, das ich gesehen habe“, wundert sich Adrian später, „von oben bis unten mit Plexiglasscheibe zwischen Fahrer und mir“.

„Lasst alle Hoffnung fahren“ könnte über dem Eingang des Hotel Bellver an der prachtvollen Hafenpromenade stehen. Wer hier zu diesen Zeiten einkehrt, wird sein Hotelzimmer für geraume Zeit nicht mehr verlassen. Seit Anfang Juni ist das Hotel eine Herberge für Corona-Infizierte Touristen. Doch während niemand raus darf, darf Adrian erst einmal nicht hinein. Er gibt dem Sicherheitsmann seinen Personalausweis und den ausgedruckten Positivtest. Der Security verschwindet, nach 30 Minuten darf der Maurer aus Mainz endlich in das in ein Hospital verwandelte Hotel.

Quarantäne auf Mallorca: Zu wenig Wasser und Essen

Eine Stunde wartet er ohne Informationen in der Lobby. Als er auf Toilette muss, wird ihm das verboten. Immerhin darf er sein Handy an einer Steckdose aufladen. Nach einer weiteren Stunde ist Adrian am Ende. Er ruft nochmal im Testcenter an. Der Leiter des Centers spricht mit der Rezeption. Als die hart bleibt, droht er mit einem Anwalt.

Kurz danach darf Adrian ins Bad. In seinem eigenen Zimmer. Fünf Stunden nach dem positiven Befund. „Ich konnte endlich pinkeln!“, sagt er. Was ihm die Rezeption mit auf den Weg gab: Erst einmal müsse ein PCR-Test gemacht werden, aber egal was passiert, er habe mindestens zehn Tage zu bleiben.

Bis dahin steht Quarantäneleben an. Drei Mahlzeiten täglich, jeweils mit lauwarmem Kaffee, Tee und Wasser. „Das sind anderthalb Liter Wasser am Tag und weniger als 1.500 Kalorien am Tag“, diktiert der ehemalige Kraftsportler fachkundig durchs Telefon am dritten Tag seiner Isolation. „Bei der Hitze ist das viel zu wenig Flüssigkeit“.

Nach dem Mallorca-Urlaub: PCR-Test in Deutschland ist positiv

Alle Extras müssen mit Bargeld gekauft werden. Adrian hat nur noch ein paar Münzen. Davon bestellt er sich eine Tube Zahnpasta, die nach anderthalb Tagen geliefert wird. „War nicht ganz so schön, so lange ohne, aber ich war ja Gott sei dank ganz alleine“ scherzt er am Telefon. Mit dem Leiter des Testcenters habe er sich mittlerweile fast angefreundet, der bringt ihm morgen ein paar Sachen vorbei. „Besonders Zigaretten und ein paar Softdrinks“. Das Finanzelle regle man schon.

Dann klopft es an der Tür. Adrian legt das Telefon beiseite. Eine weibliche Stimme ist zu hören. Nach einer Minute ist er zurück. „Das war jetzt grade ernsthaft mein PCR-Test. Mein erster nach 48 Stunden. In zwei, drei Tagen weiß ich mehr“. Gerade eben habe er übrigens mit seinen Kumpels telefoniert, die sicher nach Deutschland zurückgekehrt sind. Einer habe sich sofort testen lassen. Das Fieber war nicht eingebildet. Der Test war positiv.

Seit Adrian am Sonntag den PCR-Test gemacht hat, hat er noch kein Ergebnis bekommen. „Ich bin selbst dran schuld, das weiß ich", sagt Adrian im Nachhinein. „Wir kamen negativ getestet an, da war die Inzidenz auf Mallorca noch bei 20. Deshalb haben wir uns keine Sorgen gemacht. Aber es feiert ja jeder hier. Wären die Leute hier gewesen, die sich jetzt über mein Verhalten beschweren, hätten sie selbst gesoffen. Ich meine, wir waren doch am Ballermann."

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