Coronavirus

Impfung: Ist Biontech wirklich schlechter als Moderna?

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Studie: Wirkung von Biontech/Pfizer-Impfstoff lässt stetig nach

Studie- Wirkung von Biontech/Pfizer-Impfstoff lässt stetig nach

Daten haben gezeigt: Die Wirksamkeit des Impfstoffes von Biontech/Pfizer lässt mit der Zeit nach. Alle zwei Monate verliert die Impfung circa sechs Prozent an Wirksamkeit.

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Berlin.  Der Impfstoff vom Biontech gilt als sehr gut. Doch das Vakzin von Moderna scheint etwas besser und länger zu wirken. Das sind mögliche Gründe.

Rund 53 Millionen Menschen sind in Deutschland aktuell vollständig geimpft – um sich und andere vor einer Corona-Infektion zu schützen. Dass dies Wirkung zeigt, bestätigt der Blick auf die aktuell Infizierten: Im Vergleich zu den Ungeimpften ist der Anteil vollständig geimpfter Person mit einer „Sars-CoV-2-Infektion mit klinischer Symptomatik“ gering.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) betreffen diese sogenannten Impfdurchbrüche bislang knapp 48.000 Personen – also nur 0,09 Prozent der vollständig Geimpften. Das zeigt der jüngste Wochenbericht des Bundesinstituts von Donnerstag, in dem die Zahlen zum Infektionsgeschehen in Deutschland zusammengefasst sind.

Was bei genauerem Blick auffällt: Die Zahl der Impfdurchbrüche unterscheidet sich je nach Vakzin. Die meisten davon entfallen mit Abstand auf doppelt Biontech-Geimpfte: Insgesamt 31.408 von ihnen sind laut RKI betroffen. Bei Moderna gibt es dagegen nur 2159 Impfdurchbrüche. Allerdings muss man bedenken, dass das Vakzin von Biontech/Pfizer in Deutschland auch mit Abstand am häufigsten zum Einsatz kam.

Impfdurchbrüche: Prozentualer Anteil entscheidend

Hier lohnt die Betrachtung der relativen Häufigkeit: Zum Zeitpunkt des Wochenberichts waren rund 41 Millionen Menschen doppelt mit dem Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer geimpft. Die Impfdurchbrüche machen also einen Anteil von etwa 0,08 Prozent aus.

Den vollständigen Schutz mit Spikevax von Moderna haben dagegen nur rund fünf Millionen. Die Durchbrüche machen hier einen Anteil von rund 0,04 Prozent aus. Zum Vergleich: Beim Impfstoff von Johnson & Johnson liegt der Anteil der Durchbrüche bei 0,23 Prozent.

Beide mRNA-Impfstoffe schützen also sehr gut. Und doch sieht man kleine Unterschiede. Warum das so ist, dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Und auch das ist wichtig: Dass diese Feinheiten überhaupt auffallen, liegt nach Auffassung der Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk, an der Virusvariante Delta.

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Impfstoff: Welchen Einfluss hat die Dosierung?

Zum einen wird darüber diskutiert, welchen Einfluss die Dosierung der mRNA und die Auswahl der Nanopartikel haben könnten, die die mRNA in den Impfstoffen stabilisieren. So wird Comirnaty von Biontech/Pfizer in zwei Dosen mit je 30 Mikrogramm Covid-19-mRNA – eingebettet in Lipid-Nanopartikel – gespritzt, Spikevax von Moderna dagegen in zwei Dosen mit je 100 Mi­krogramm. Mit dieser höheren Dosierung – so zumindest die Theorie – könnte eine höhere Immunantwort einhergehen.

Dazu passen zumindest die Daten jüngerer Studien etwa aus den USA und Belgien. So haben zum Beispiel Beschäftigte in Gesundheitseinrichtungen, die untersucht wurden, nach einer doppelten Impfung mit Spikevax deutlich mehr Antikörper gebildet als die Comirnaty-Geimpften.

In einer anderen Studie nahm die Wirksamkeit des Biontech/Pfizer-Vakzins schneller ab als bei dem von Moderna. Ein Nachweis, dass dies an der Zusammensetzung der Impfstoffe liegt, ist das aber noch nicht.

Expertin: „Zusammensetzung nicht relevanter Punkt“

Das Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel zuständig ist, betont auf Nachfrage, dass bisher nicht gezeigt wurde, „welcher Bestandteil der Impfstoffe (Lipid-Nanopartikel, mRNA-Gehalt) zu einer möglicherweise länger anhaltenden Immunität führt“.

Fakt sei, dass beide Impfstoffe nach wie vor eine sehr gute Wirksamkeit im Hinblick auf die Verhinderung schwerer Verläufe hätten. „Daten, ob es Unterschiede bei den beiden Impfstoffen gibt, liegen dem Paul-Ehrlich-Institut nicht vor“, heißt es vom Bundesinstitut weiter.

Auch Immunologin Falk hält die Zusammensetzung der Impfstoffe nicht für den relevanten Punkt, auch wenn ein kleiner Einfluss nicht auszuschließen sei. Viel entscheidender – und wahrscheinlicher – ist für sie eine andere Erklärung für die Unterschiede: „Mit den Impfstoffen kamen Empfehlungen für Alters- und Risikogruppen“, erklärt Falk im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Zudem unterscheiden sich auch die Abstände, in denen die beiden Impfstoffe gespritzt wurden.“ Dies ist aus Sicht von Falk gerade mit Blick auf den Start der Impfkampagne entscheidend.

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Größerer Impfabstand offenbar besser

„Immunologisch ist ein größerer Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung im Rahmen der Zulassung sehr sinnvoll“, sagt Falk. Dadurch könne der Körper eine bessere Immunantwort ausbilden. Da anfangs jedoch bei Biontech mit einem Abstand von drei und nicht wie später mit sechs Wochen geimpft wurde, schließt Falk nicht aus, dass sich damit zumindest ein Teil der Impfdurchbrüche erklären lasse.

Am entscheidendsten ist laut Falk aber die individuelle Reaktion jedes Einzelnen auf die Impfung. „Die Impfantwort fällt bei jedem sehr unterschiedlich aus“, so die Immunologin. Insgesamt seien die Abläufe im Körper nach einer Impfung hochkomplex.

„Welche Antikörper und welche T-Zellen gebildet werden, entscheidet quasi die Person autonom über ihr Immunsystem selber und damit auch darüber, ob man trotz Impfung mit dem Spike-Protein des Wildtyps auch gut gegen die mutierte Delta-Variante geschützt ist“, erklärt die Expertin.

Auch Priorisierung könnte bei Impfdruchbrüche erklären

Gerade die Personen aus den ersten Priorisierungsgruppen hätten durch ihr Alter und ihre Vorerkrankungen „jedoch schon von Hause aus das Risiko für weniger tolle Impfantworten“, so Falk.

Bedenkt man, dass die Impfkampagne mit Biontech gestartet sei und Moderna erst später dazukam, könne auch dieser Faktor bei den Anteilen der Impfdurchbrüche eine Rolle spielen. Ebenso wie der allgemeine Zustand des Immunsystems jedes Einzelnen und dessen Exposition, also das Risiko, mit dem Coronavirus in Kontakt zu kommen.

Die Frage, welcher Impfstoff – gerade bei den mRNA-Impfstoffen – gewählt werden sollte, ist für Falk daher nicht ausschlaggebend: „Ich finde, diese kleinen Zahlen sollten nicht überbewertet werden.“ Entscheidend ist für Falk, dass man überhaupt geimpft ist.

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