Pandemie

Niedrigste Inzidenz: Wie Spanien die Corona-Wende gelang

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Foto: IMAGO / agefotostock

Madrid  Spanien war Hochrisikogebiet, jetzt lockt es mit der niedrigsten europäischen Corona-Inzidenz. So ist der Erfolg gelungen.

Spanien sei eine Oase, jubeln die nationalen Medien. Eine Oase der Sicherheit, denn das Urlaubsland mit den paradiesischen Inseln Mallorca und Kanaren verzeichne derzeit des geringste Ansteckungsrisiko ganz Europas. In der Tat ist die 7-Tage-Inzidenz auf der iberischen Halbinsel so niedrig wie sonst nirgendwo auf dem Kontinent. Momentan werden in Spanien wöchentlich nur annähernd 45 neue Coronafälle pro 100.000 Einwohner gemeldet – eine beneidenswerte Situation.

Diese entspannte Lage ist die beste touristische Werbung, um durch Corona gestresste Europäer aus Nord- und Zentraleuropa in das südeuropäische Land zu locken. Vor allem auf den Kanaren, wo auch mitten im Winter Frühlingswetter herrscht, steigen die Buchungen. In den Weihnachtsferien könnte dort an vielen Hotels das Schild „Wir haben keine Zimmer frei“ hängen. Und auch Mallorca dürfte von diesem touristischen Herbst- und Winterboom profitieren.

Spanien gehört zu den europäischen Impfchampions

Im Sommer war Spanien noch Hochrisikogebiet mit einer der höchsten Infektionsraten Europas. Während zum Beispiel in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Luxemburg sehr niedrige Ansteckungszahlen registriert wurden. Nun hat sich die Lage ins Gegenteil verkehrt. Spanien ist jetzt europäisches Vorbild. Und der Rest Europas fragt sich, wie die Spanier diese erstaunliche Covid-19-Wende geschafft haben.

Die Antwort der Virologen ist eindeutig: „Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Coronageschehen und der Impfquote“, sagte der spanische Epidemieforscher Daniel López-Codina der Zeitung „El Periódico“. Die Länder mit einem hohen Anteil geimpfter Bevölkerung seien besser für die neue Viruswelle gerüstet. In Spanien hat mittlerweile 80 Prozent der Gesamtbevölkerung den kompletten Virusschutz erhalten. Damit gehört das Land zu den europäischen Impfchampions.

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Die Neuansteckungen könnten zwar in Spanien in den kommenden Wochen trotzdem in die Höhe gehen, erklärt López-Codina. Doch die Zahl der schweren Covid-Erkrankungen und der Todesfälle werde sich vermutlich in Grenzen halten. Allerdings dürfe man sich auf diesem Erfolg nicht ausruhen. „Unsere Perspektiven sind zwar besser als in anderen Ländern, aber die Pandemie ist noch nicht verschwunden.“

Ohne Impfzertifikate in Restaurants, Hotels und Kulturstätten

Die bisherige Entwicklung scheint diese Prognose zu bestätigen. Die Ansteckungskurve in Spanien steigt mittlerweile zwar ebenfalls, aber nur sehr langsam. Laut der Statistik der Johns Hopkins Universität verzeichnete Spanien zuletzt eine wöchentliche Inzidenz von 45 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner. Auf den Kanarischen Inseln lag die Wocheninzidenz bei 47, auf Mallorca bei 50. In den spanischen Hospitälern geht es entsprechend ruhig zu: Nur 1,6 Prozent der Krankenhausbetten sind mit Covid-19-Patienten belegt.

Deswegen wird in Spanien nicht über 3G- oder 2G-Regeln für den Zutritt von Räumlichkeiten diskutiert. Hotels, Restaurants, Bars, Fitnessstudios, Friseure, Kulturstätten und Großveranstaltungen können ohne Gesundheitszeugnis besucht werden. Lediglich in Discos werden in einigen spanischen Regionen, wie etwa auf Mallorca, Impfzertifikate verlangt. Die Maskenpflicht in Innenräumen gilt jedoch überall in Spanien weiterhin.

Auch eine Impfplicht für Angehörige der Gesundheits- und Pflegeberufe steht nicht zur Debatte. Genauso wenig ein Lockdown für Nichtgeimpfte, wie er nun zum Beispiel in Österreich gilt. „Spanien ist ein Beispiel für Europa wie für den Rest der Welt“, lobte dieser Tage bei einem Besuch in Barcelona der Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Hans Kluge. Die Spanier würden der Impfung vertrauen. Die Regierung in Madrid habe es meisterhaft geschafft, auch die jungen Leute anzusprechen, indem sie in den sozialen Netzwerken bekannte Influencer in die Impfkampagne eingespannt habe.

Diese Regeln gelten bei der Einreise nach Spanien

So müsse es ganz Europa machen, meint Kluge: Fußball- und Popstars sollten mobilisiert werden, um die wichtige Botschaft zu verbreiten: „Impfungen retten Leben.“ Denn das größte Problem sei derzeit die Skepsis gegenüber den Impfstoffen. Und die vielen Fake News, die falschen Informationen, die vor allem im Internet die Runde machten.

Übrigens: Bei der Einreise nach Spanien sind weiterhin ein paar Regeln zu beachten. Alle Reisenden, die auf dem Luft- oder Seeweg ankommen, müssen ein Formular auf dem Spain Travel Health-Portal im Internet ausfüllen. Damit wird dann ein QR-Code erzeugt, der bei der Ankunft vorgezeigt werden muss. Zudem gilt für alle Grenzübertritte (auch auf dem Landweg), dass ein Gesundheitszeugnis erforderlich ist. Dieses muss bescheinigen, dass der Reisende geimpft, genesen oder getestet ist.

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