Pandemie

Omikron: Das ist über die neue Corona-Variante bekannt

| Lesedauer: 5 Minuten
Neue Corona-Variante aus Südafrika löst weltweit Sorgen aus

Neue Corona-Variante aus Südafrika löst weltweit Sorgen aus

Die zuerst in Südafrika entdeckte neue Corona-Virusvariante sorgt international für erhebliche Unruhe: Aus Sorge vor den Folgen der Variante B.1.1.529 empfahl die EU-Kommission am Freitagnachmittag allen Mitgliedstaaten die vorübergehende Einstellung des Reiseverkehrs mit den Ländern im südlichen Afrika. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, haben entsprechende Maßnahmen bereits beschlossen.

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Berlin  In Südafrika wurde eine neue Corona-Variante entdeckt. Omikron gilt als hoch ansteckend und hat inzwischen wohl Deutschland erreicht.

  • Auch in Deutschland ist man wegen der Ausbreitung der neuen Corona-Variante Omikron besorgt
  • Wegen zahlreicher Mutationen könnte sie besonders ansteckend sein
  • Viel ist noch nicht über die neue Virus-Variante bekannt – die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick

"Nichts ist schlimmer als eine neue Variante in eine laufende Welle hinein", twittert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der Nacht zu Freitag. Nur etwas mehr als 24 Stunden später steht fest: Genau diese neue Variante ist offenbar bereits in Deutschland angekommen. Ein Reiserückkehrer aus Südafrika hat sich offenbar angesteckt.

Kurzer Rückblick: Zum Zeitpunkt von Lauterbachs Tweet ist die Bundesregierung längst alarmiert und willens, Flüge aus dem südlichen Afrika nach Deutschland einzuschränken.

Um zehn Uhr schalten sich die Experten beim Robert-Koch-Institut (RKI) per Video mit ihren südafrikanischen Kollegen kurz. Sie wollen alles wissen über die Coronavirus-Variante B. 1.1.529, die später den Namen "Omikron" erhält. Binnen Tagen war die Zahl der Infektionen in Johannesburg explodiert. Die Experten fragten sich, ob die Menschen unvorsichtiger oder das Virus ansteckender geworden ist. Genomanalysen zeigten in zunächst 22 Fällen eine neue Variante.

Omikron: Wie gefährlich ist die neue Corona-Variante?

Viren verändern sich, das ist nicht neu. B.1.1.529 weist aber ungewöhnlich viele Mutationen auf. Einige davon befinden sich an Stellen des Coronavirus, an denen vom Körper produzierte Antikörper ansetzen, um den Krankheitserreger zu bekämpfen. Die Mutationen könnten das erschweren – und damit sowohl die Wirksamkeit von Therapien als auch von Impfstoffen einschränken.

Lesen Sie auch: Omikron – Schützt die Corona-Impfung auch vor der neuen Variante?

Nach Ansicht von James Naismith, Professor für Strukturbiologie an der Universität Oxford, sind die derzeit verfügbaren Corona-Impfstoffe "fast sicher" weniger effektiv gegen die neue Variante. Der Frage geht auch der Impfstoffhersteller Biontech nach und rechnet spätestens in zwei Wochen mit Erkenntnissen.

Ist Omikron ansteckender als andere Corona-Varianten?

Einige Mutationen von B. 1.1.529 begünstigen eine Aufnahme des Virus in Zellen. Das spricht für eine höhere Ansteckungsgefahr, erläutert RKI-Präsident Lothar Wieler. "Wir sind tatsächlich in sehr großer Sorge." Für die Wissenschaftlerin Susan Hopkins vom Imperial College in London ist die Variante "die besorgniserregendste, die wir je gesehen haben". Die in Südafrika festgestellte Übertragungsrate liege bei zwei. Das bedeutet, dass jeder Infizierte im Schnitt zwei weitere Menschen ansteckt – eine Dynamik wie zu Beginn der Pandemie. Mehrere Mutationen von Omikron können die Wissenschaftler noch gar nicht einschätzen.

Eric Feigl-Ding, einer der führenden Epidemiologen in den USA, warnte auf Twitter, dass Omikron zu 500 Prozent ansteckender sein könnte als bisherige Varianten. Die Zahl der Mutationen, die das Spike-Protein aufweise, sei zwei Mal so hoch wie bei der Delta-Variante.

Was wird zum Schutz vor Omikron unternommen?

Ab Sonnabend dürfen aus Südafrika nur noch Bundesbürger oder in Deutschland lebende Ausländer nach Deutschland einreisen. Südafrika und mehrere Nachbarstaaten werden zu Virusvariantengebieten erklärt. Alle Reisende müssen nach Ankunft für 14 Tage in Quarantäne, auch Geimpfte. Jeden Tag um 5.30 Uhr landet in Frankfurt eine Maschine aus Johannesburg. Die Passagiere von Lufthansa-Flug 573 werden die ersten Betroffenen sein. Großbritannien, Belgien, Österreich, Italien, Malta, Tschechien, Israel Australien und Brasilien haben ähnliche Maßnahmen ergriffen. Weitere EU-Staaten dürften folgen.

Frankreich verhängte sogar ein Landeverbot für Flüge aus dem südlichem Afrika, zunächst für 48 Stunden. Es sind reine Vorsichtsmaßnahmen – und aus der Sicht der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht zwingend geboten.

Omikron: Reichen die Maßnahmen gegen die Verbreitung aus?

Das hängt davon ab, wie gefährlich die Variante wirklich ist und wie viele Menschen bereits in den vergangenen Tagen aus dem südlichen Afrika eingereist sind. Aus Israel wird ein Fall (eine Person aus Malawi) gemeldet, ebenso aus Hongkong – und aus Belgien. Das Virus ist bereits in Europa, höchstwahrscheinlich auch schon in Deutschland. Allein in Großbritannien kommen täglich etwa schätzungsweise 500 bis 700 Passagiere aus Südafrika an. Auch Portugal hat enge Beziehungen zum Land und im südlichen Afrika und zu den früheren Kolonien Angola und Mosambik.

Was droht schlimmstenfalls, wenn sich die neue Corona-Variante in Deutschland ausbreitet?

Die Frage ist, wie viele Infizierte über Drittstaaten nach Deutschland einreisen können. Es gilt zu vermeiden, dass sich die vierte Welle mit der Delta-Variante und die Ausbreitung von Omikron überlappen. Sollte sich eine leichtere Übertragbarkeit bestätigen, sei es unvermeidlich, dass die Variante nach Großbritannien gelange, sagte Naismith der BBC.

Neue Corona-Variante: Was sind die ökonomischen Folgen?

Allgemein ist die Sorge um das Wachstum und höhere US-Zinssätze gestiegen. Sowohl in Tokio als auch an den europäischen Börsen sind die Aktien zum Handelsstart eingebrochen, etwa in Frankfurt am Main und Paris. Vor allem der Reisebranche drohen Umsatzverluste. Fluglinien und Airports müssen einen Rückgang der Passagierzahlen befürchten, wenn sich B.1.1.529 in Europa ausbreitet. (mit jtb)

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