Verbrechen

Getötete Polizisten: Verdächtiger lagerte Tonnen Wildfleisch

| Lesedauer: 3 Minuten
Wilderei soll Motiv für Mord an Polizisten gewesen sein

Wilderei soll Motiv für Mord an Polizisten gewesen sein

Zwei Männer stehen wegen tödlicher Schüsse auf Polizisten unter Mordverdacht. Zuvor sollen sie als Wilderer unterwegs gewesen sein und wurden womöglich zufällig entdeckt. Noch sind die Ermittlungen zu dem Fall aber noch nicht abgeschlossen.

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Berlin  Nach dem mutmaßlichen Polizisten-Mord in Kusel werden Details bekannt. Einer der Tatverdächtigen handelte offenbar illegal mit Wild.

  • Am Montag sorgte der Mord an zwei jungen Polizisten bei einer Verkehrskontrolle für Entsetzen in Deutschland
  • Schnell nach der Tat gelang es der Polizei, zwei Tatverdächtige festzunehmen
  • Bei einem der beiden machte die Polizei eine merkwürdige Entdeckung

Nach den tödlichen Schüssen auf eine 24-jährige Polizeianwärterin und einen 29-jährigen Oberkommissar bei einer Verkehrskontrolle am Montagmorgen im Kreis Kusel herrscht weiterhin Bestürzung. In Rheinland-Pfalz ist am Freitag um 10 Uhr laut Polizei eine landesweite Schweigeminute geplant. Unterdessen kommen Details über die Tatverdächtigen Andreas S. und Florian V. ans Licht: Hinweise sprechen dafür, dass Wilderei im größeren Stil betrieben wurde und Vertuschung ein Motiv für die Tat gewesen sein könnte.

Getötete Polizisten: Betrieb Andreas S. einen illegalen Wildhandel?

Welches Ausmaß das illegale Erlegen von Wild offenbar annahm, hat nun ein Bericht von "Spiegel" unter Berufung auf Polizeikreise gezeigt: Demnach fanden Ermittler bei Andreas S., einem der beiden Tatverdächtigen, tonnenweise tiefgefrorenes Fleisch. In Lagerräumen im saarländischen Sulzbach sei zudem "eine Art Buchführung zu möglichen Kunden" gefunden worden. Unterlagen wiesen darauf hin, dass der Tatverdächtige in den vergangenen Monaten 40.000 Euro durch den Wildhandel eingenommen haben könnte.

S. soll schon länger finanzielle Probleme gehabt haben, wie "Spiegel" weiter schreibt. In einem internen System der saarländischen Polizei habe es seit 2017 mehrere Dutzend Einträge über ihn gegeben, von denen aber nur einer mit Wilderei im Zusammenhang gestanden habe. Vorrangig sei es um "mögliche Straftaten im Rahmen der Insolvenz seines Bäckereibetriebes" gegangen. 2021 sei gegen S. wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und der Veruntreuung von Arbeitsentgelt in Höhe von 100.000 Euro Anklage vor dem Amtsgericht Saarbrücken erhoben worden.

Florian V. bestreitet Schüsse auf Polizisten

Seit Dienstag sitzen die zwei Tatverdächtigen wegen Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord und Wilderei in Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen davon aus, dass beide Tatverdächtigen auf die Polizisten geschossen haben. Florian V. soll laut "Spiegel" in Vernehmungenallerdings eine andere Version geschildert haben: Er habe demnach bestritten, selbst geschossen zu haben. Er habe lediglich das von S. erlegte Wild zum Auto getragen und dafür einen Stundenlohn von S. bekommen. Zur Klärung soll sich V. einer Schmauchspurenanalyse unterzogen haben, deren Ergebnis noch ausstehe.

Für die weiteren Ermittlungen gründete die Polizei in der Pfalz die Sonderkommission "Veldenz". Unter Leitung des Kriminaldirektors Frank Gautsche sollen die Sicherheitskräfte in Kaiserslautern die Aufklärung der Tat vorantreiben. Die Ermittlungen konzentrieren sich auch auf das bei den beiden Tatverdächtigen gefundene Waffenarsenal. Bei Durchsuchungen in mehreren Häusern, Wohnungen, Betriebsstätten und einer Jagdhütte im Saarland waren mehr als ein Dutzend Schusswaffen gefunden worden - darunter wohl die Tatwaffen.

(raer/dpa/afp)

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