Extremwetter

Klima: Diese Naturkatastrophen bedrohen aktuell Lebensräume

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Sandsturm taucht Bagdad in orangefarbenen Dunst

Sandsturm taucht Bagdad in orangefarbenen Dunst

Ein Sandsturm hat Iraks Hauptstadt Bagdad in orangefarbenen Dunst gehüllt. Experten erwarten für die Zukunft mehr Sandstürme - Hintergrund ist der Klimawandel und beschleunigte Wüstenbildung.

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Berlin.  Wegen des Klimawandels sind immer mehr Regionen von Extremwettern betroffen. Indien, der Irak und Russland sind bereits im Krisenmodus.

Waldbrände, Sandstürme, Wasserknappheit – normalerweise suchen Naturkatastrophen den blauen Planeten erst in den späteren Sommermonaten heim. Wie sehr sich dich Klimakrise von Jahr zu Jahr verschärft, zeigen die Schlagzeilen der letzten Tage.

Der Mai hat gerade erst begonnen – und doch haben Extremwetter in Indien, dem Irak und Russland bereits Krisensituationen ausgelöst.

Klimawandel: Immer öfter Sandstürme im Irak

Sandstürme hüllen vor allem den Westen und das Zentrum des Iraks derzeit in orange Wolken. Das Phänomen hat bei Dutzenden Menschen zu Atembeschwerden geführt. Sowohl am Flughafen der Hauptstadt Bagdad sowie in Nadschaf im Süden wurden Flüge wegen der schlechten Sicht ausgesetzt wie die staatliche Nachrichtenagentur INA am Sonntag berichtete. "Die Flüge sind ausgesetzt, bis die Sichtverhältnisse sich verbessern", zitierte INA aus Flughafenkreisen in Nadschaf.

Vor allem im Sommer kommt es im Irak zu starken Nordwestwinden, die über die Auen der Flüsse Tigris und Euphrat wehen. Die Sandpartikel verschlechtern die Luftqualität erheblich.

Aufgrund von Dürre, Wüstenbildung und abnehmenden Niederschlägen werde das Wetterphänomen immer häufiger auftreten, sagen Meteorologen vorher. Erst kürzlich hatte ein Beamter des Umweltministeriums davor gewarnt, dass dem Irak in den kommenden Jahrzehnten "272 Tage Staub" pro Jahr bevorstehen könnten. Der Klimawandel dürfte das Leben der Menschen im Irak für einen Großteil des Jahres deutlich erschweren.

Hitzewelle in Indien früher als sonst – wegen Klimawandel

Die Folgen der Klimakrise schlagen auch in Indien in diesem Jahr deutlich früher zu als sonst: Hier leiden derzeit Millionen Bewohner unter einer frühen Hitzewelle mit Temperaturen von teils über 45 Grad Celsius. Nordwest- und Zentralindien hätten den heißesten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 122 Jahren erlebt, sagte der Leiter des Wetterdienstes, Mrutyunjay Mohapatra, am Samstag.

An mehr als zwei Dutzend Orten meldete die Behörde am Freitag Höchsttemperaturen von mehr als 45 Grad, wobei Banda im nördlichen Bundesstaat Pradesh mit 47,4 Grad der heißeste Ort des Landes war. Die Hitzewelle könnte sich in den kommenden Tagen noch verstärken, und die Temperaturen könnten im Norden die 50-Grad-Celsius-Marke überschreiten, warnen Metereologen.

Auch Pakistan leidet unter extremer Hitze

In Indiens Nachbarland Pakistan warnten Behörden wegen des schnell schmelzenden Schnees bei den nördlichen Hindukusch-Bergen vor Überschwemmungen und einer Gletscherwasser-Ausbruchsgefahr.

Shahzad Shigri von der Umweltschutzbehörde der Provinz Gilgit-Baltistan sagte, solche Ereignisse passierten oft rasch, wodurch Menschen in Gefahr seien. Die Provinzregierung habe die Katastrophenschutzbehörde in Alarmbereitschaft versetzt. Laut Pakistans Ministerin für Klimawandel, Sherry Rehman, fiel die Regenmenge in diesem Jahr um mehr als die Hälfte geringer aus als in vorherigen Jahren.

Die extreme Hitze in Indien tritt nach einer Analyse von Mariam Zachariah und Friederike Otto vom Imperial College London als Folge des Klimawandels häufiger auf als früher. "Vor dem Anstieg der globalen Temperaturen hätten wir die Hitze, die Indien in diesem Monat erlebt hat, etwa einmal in 50 Jahren erlebt", erläuterte Mariam Zachariah schon im April. "Jetzt kommt so ein Ereignis viel häufiger vor – etwa alle vier Jahre. Und solange der Ausstoß von Treibhausgasen nicht gestoppt wird, wird ein solches Ereignis noch häufiger auftreten."

Die Hitze hat auch die Landwirtschaft beeinträchtigt. In den indischen Bundesstaaten Punjab, Haryana und Uttar Pradesh gab es unter anderem wegen der frühen Hitzewelle 10 bis 35 Prozent weniger Weizenertrag, wie die Zeitung "The Economic Times" berichtete – und das während des globalen Getreidemangels den der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine verursacht.

Waldbrände in Sibirien: Russland muss schon wieder löschen

In Russland selbst spitzt sich die Lage ebenfalls zu: Hier haben sich nach dem Winterende wieder Waldbrände ausgebreitet: In Sibirien bedrohen die Flammen bereits erste Ortschaften. "Um 22 Uhr (17 Uhr MESZ) konnte der Waldbrand im Kreis Minusinsk auf einer Fläche von 500 Hektar eingedämmt werden", heißt es in einer Meldung des Katastrophenschutzes am Montag.

Insgesamt wüten im Süden der sibirischen Großregion Krasnojarsk derzeit zwölf Waldbrände. Besonders betroffen ist der Kreis Minusinsk. Dort wurde der Notstand verhängt. Die Löscharbeiten werden durch starke Winde erschwert. Zwischenzeitlich musste eine Fernverkehrsstraße gesperrt werden. Die Behörden bereiteten die Evakuierung der Ortschaften Snamenka und Lugawskoje vor, gaben am Abend aber vorläufige Entwarnung, nachdem die Ausbreitung des Feuers gestoppt werden konnte.

In Sibirien kommt es immer wieder zu riesigen Waldbränden. Im Vorjahr waren dabei rekordverdächtige 18,2 Millionen Hektar Wald und Steppe verbrannt. Für die Bekämpfung der Feuersbrünste wurden in der Vergangenheit oft auch Soldaten eingesetzt. Die sind allerdings derzeit im Krieg gegen die Ukraine gebunden. (bml mit dpa)

Dieser Artikel ist zuerst auf morgenpost.de erschienen.

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