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Nach Betrugsvorwürfen: So reagiert Influencer Fynn Kliemann

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So tickt Jan Böhmermann

So tickt Jan Böhmermann

Jan Böhmermann ist ein bekannter Satiriker in Deutschland. Seinen Durchbruch hat er vor allem Harald Schmidt zu verdanken. Wie es dazu kam und wofür er noch bekannt ist, sehen Sie im Video.

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Berlin  Nach Recherchen von Böhmermanns "Magazin Royale" steht Fynn Kliemann unter Druck. So entschuldigt und verteidigt sich der Influencer.

Influencer und Musiker Fynn Kliemann steht nach einem TV-Beitrag des Satirikers Jan Böhmermann über das Geschäft mit Schutzmasken in der Kritik. Böhmermann hatte am Freitag einen Beitrag in der Sendung "ZDF Magazin Royale" veröffentlicht, der am Abend auch in der Mediathek zu sehen war. Darin wurde der Verdacht geäußert, dass Kliemann in ein dubioses Geschäft verwickelt sein könnte.

Als Reaktion darauf verbreitete Kliemann in der Nacht von Freitag auf Samstag eine lange Stellungnahme auf seinem Instagram-Account. Dazu schrieb Kliemann: "Ich möchte mich für einiges entschuldigen und anderes dringend richtigstellen, da die Betrugsvorwürfe einfach nicht stimmen." Er sei offen für Transparenz und Aufklärung. Weiter entschuldigt er sich bei allen "Personen, Organisationen und Institutionen, die nun "auf den ersten Blick" enttäuscht und geschockt sind, "es tut mir leid!"

In einem "Spiegel"-Interview wieß Kliemann die Betrugsvorwürfe zurück: ""Betrogen habe ich nicht, hier geht es höchstens um Falschdarstellungen auf Webseiten. Da wurde ich vielleicht missbraucht, wie auch immer Sie das bezeichnen wollen." Er räumte mehrfach ein, in unangemessener Art über die Maskengeschäfte kommuniziert zu haben. Er sei überfordert gewesen, verteidigte er sich.

Kliemann: "Konnte Vorgang nicht mehr nachvollziehen"

Kliemann ist vor Jahren mit einem ungewöhnlichen Projekt berühmt geworden: Mit seinem "Kliemannsland", einem Bauernhof zu dem Menschen kommen um zu basteln, schrauben und Musik zu machen. Doch der bislang als Sympathieträger geltende Influencer hat anscheinend unter anderem im großen Stil Corona-Masken aus Ländern wie Bangladesch und Vietnam eingekauft und als "faire und in Europa hergestellte" Masken weiterverkauft. Außerdem sollen die Nähenden schlecht bezahlt worden sein. In seinem Video-Statement heißt es: "Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Vorgang nicht mehr nachvollziehen konnte."

Die Mails, in denen sein Geschäftspartner Tom Illbruck vom "Umlabeln" der Masken geschrieben hat, bezeichnet Kliemann in dem Video als "schlimm", die Formulierung stehe zu Recht in der Kritik. Die für ihn schlimmste Anschuldigung: Er habe defekte Masken an Flüchtlingslager geliefert. Kliemann stellt das so dar: "Diese Masken waren laut Produzenten nicht defekt, oder hatten eine schlechte Schutz-Wirkung. Sie waren einfach nur etwas größer als die ursprüngliche Vorgabe."

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Anders beschreibt es das "" ausführlich via Twitter. "Die Masken waren 'einlagig statt doppellagig', also viel zu dünn, selbst für niedrige Ansprüche an eine Infektionsschutzwirkung. Die Gummibänder der Masken waren von unterschiedlicher Länge und Farbe, die Nähte lösten sich viel zu leicht."

About You soll von der Masken-Herkunft gewusst haben

Der Verkauf der Masken lief über Kliemanns Onlineshop "Oderso", aber auch über den Bekleidungshändler About You. In seiner Stellungname spricht Kliemann davon, Global Tactics, die Firma, über die er die Maskendeals abwickelte, habe About You über den wahren Ursprung der Masken informiert. Demnach habe About You gewusst, dass die Masken aus Asien stammten.

Weiter heißt es: "So etwas darf nie passieren und deshalb übernehme ich, obwohl ich weder Produzent noch Verkäufer war, eine Verantwortung." Er fügte hinzu, dass er durch dieses Versäumnis, sich nicht eingehend mit den Prozessen beschäftigt zu haben, viele im Stich gelassen habe. Auf seinem Instagram-Profil zeigten sich viele enttäuscht und posteten Kommentare und seine Stellungnahme.

About-You-Chef weist Vorwürfe ab

So äußert sich auch About-You-Chef Tarek Müller: "Lieber Fynn, dass die Masken teilweise nicht in Europa produziert wurden, war uns bis heute nicht bekannt." Man habe den Fall unverzüglich intern geprüft. "Global Tactics hat uns gegenüber angegeben, dass die Masken aus Europa kommen." About You sei weder im Jahr 2020, noch danach informiert worden, dass die Masken außerhalb Europas hergestellt worden seien. Man habe die Masken "selbstverständlich" umgehend aus dem Sortiment genommen.

Bei Twitter schrieb Müller außerdem zum Kliemanns Darstellung, About You habe über den Ursprung der Lieferungen Bescheid gewusst: "Das stimmt nicht."

Bei dem betroffenen Unternehmen, das Böhmermann mit Kliemann in Verbindung bringt, handelt es sich um den Textilhersteller Global Tactics. Firmengründer Tom Illbruck äußerte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zum Vorwurf des Maskenproduktionsstandortes: Masken wurden im fraglichen Zeitraum 2020 auch in Bangladesch produziert, nicht nur in Europa. Wenn etwa ein Großkunde keinen Wert darauf lege, dass die Masken explizit aus einem bestimmten Land oder explizit aus Europa kommen, "haben wir Masken angeboten, ohne an jeder Stelle explizit zu sagen, woher die Masken kommen".

Zu About You befragt, sagte Illbruck: "Nach den uns vorliegenden Unterlagen gibt es keine Vereinbarung mit About You, dass die Masken explizit aus Portugal stammen und dies wurde auch zu keinem Zeitpunkt schriftlich zugesichert".

Fynn Kliemann: Nachhaltigkeitspreis aberkannt

Kliemann hatte damals viel Lob und Anerkennung für seine Masken erhalten. 2020 bekam der Influencer den Sonderpreis des Next Economy Awards für Nachhaltigkeit. Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis teilte nun mit, dass sie Kliemann die Auszeichnung aberkenne "weil er unlautere Methoden angewendet und uns mit Greenwashing hintergangen hat", heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. (fmg/ mit dpa)

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