Arbeitskampf

Mallorca: Große Streiks – Droht Chaos am Flughafen?

| Lesedauer: 6 Minuten
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Madrid  Am Flughafen von Palma de Mallorca wird derzeit immer wieder gestreikt. Kommt jetzt das große Reise-Chaos für Urlauber aus Deutschland?

  • Mallorca gehört zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen
  • Doch am Flughafen droht Chaos, weil unter anderem die Flugbegleiter streiken
  • Für Urlauber könnte das unangenehme Folgen haben

Der Inseltraum könnte so schön sein. Die lang ersehnten Sommerferien nahen und sind in manchen Bundesländern sogar schon da. Der Mallorca-Urlaub ist gebucht. Doch schon die Anreise im Flugzeug könnte zum Problem werden. Und das nicht nur an deutschen Flughäfen, wo es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Problemen gekommen ist.

Auch auf Mallorca könnte es zu Problemen kommen. Der Grund: Das Kabinenpersonal von gleich drei Billigfluglinien hat Streiks angekündigt – mitten in der Urlaubssaison. Es droht ein Sommer-Chaos auf Mallorcas Airport. Denn auch das Reinigungspersonal legt die Arbeit nieder.

Flughafen von Mallorca: Streik zeigt erste Auswirkungen

Am Wochenende hat der Streik erste Auswirkungen gezeigt. Wie das "Mallorca-Magazin" berichtet kam es zum Teil zu Verspätungen. Das große Chaos blieb bisher aus. In Einzelfällen mussten Reisende aber Verzögerungen von bis zu 2,5 Stunden in Kauf nehmen. Der Grund dafür war der Arbeitskampf der in Spanien stationierten Ryanair-Flugbegleiter und -begleiterinnen.

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Mallorca: Spaniens Regierung ordnet Mindestversorgung an

Zum Teil kam es wegen des Streiks auch zu Flugausfällen. Mallorca ist davon bisher aber verschont geblieben. Allerdings ist der Ryanair-Ausstand noch nicht beendet. Zudem trifft der Arbeitskampf bei der irischen Fluglinie nicht nur Tausende von Mallorca-Reisende, sondern stört auch den Betrieb mit anderen Ferienflughäfen wie Teneriffa, Alicante, Valencia, Barcelona oder Sevilla.

Spaniens Regierung ordnete zwar eine Mindestversorgung an, wonach 50 bis 80 Prozent der Ryanair-Flüge garantiert werden müssen. Doch ob diese Regelung auch eingehalten wird, ist erfahrungsgemäß unsicher. Reisende sollten sich daher informieren, ob ihr Flug tatsächlich stattfindet. Geplant sind derzeit Streiks für diese Tage (Stand: 27. Juni):

  • Ryanair: 24., 25., 26. und 30. Juni sowie 1. und 2. Juli
  • Lauda Air: 2., 3., 9., 10., 16., 17., 23., 24., 30. und 31. Juli
  • Easyjet: 1. bis 3., 15. bis 17. und 29. bis 31. Juli

Da zum Teil noch Tarifverhandlungen laufen ist aber denkbar, dass die Streiks noch abgesagt oder die Streiktage verschoben werden.

Auf Mallorca könnte sich die Situation allerdings noch weiter verschärfen. Am dortigen Flughafen von Juli an das Reinigungspersonal Besen und Putzlappen ruhen lassen. Von früheren Putzausständen weiß man, was das bedeuten kann: Der Flughafen in Palma, auf dem jetzt im Sommer täglich mehr als 100.000 Urlauber abgefertigt werden, könnte sich in eine einzige Müllhalde verwandeln. Auch die Toiletten werden dann üblicherweise nicht mehr geputzt.

Mallorca: Nun drohen auch die Fluglotsen mit Streik

Aber es könnte noch schlimmer kommen: Die spanischen Fluglotsen drohen ebenfalls mit Arbeitsniederlegungen. Spaniens Flugverkehrskontrolleure beklagen Überlastung und Personalmangel. Der Luftverkehr laufe wieder im Hochbetrieb, in diesem Rekord-Sommer seien mehr Flugzeuge als vor der Pandemie in der Luft, aber die Belegschaft sei nicht größer, sondern kleiner geworden.

Hinzu kommt ein Streik der Fluglotsen in Marseille. Vom 25. bis zum 27. Juni legen sie die Arbeit nieder. Das beeinflusst auch Flüge von Deutschland nach Mallorca, die zum Teil durch den französischen Luftraum führen.

Mallorca-Streik: Gewerkschaften appellieren an Reisende

Unter Spanienreisenden ruft die Streikwelle bei den Low-Cost-Airlines zwiespältige Reaktionen hervor. "Wer billig fliegt, der hat auch unterbezahltes Personal – und das muss sich ändern", schreibt ein Mallorca-Urlauber im sozialen Netzwerk Facebook. Andere ärgert, dass der Ausstand in die Ferienzeit fällt. "Guter Lohn ist ja schön, aber wer sind die Leidtragenden: die Urlauber", kommentiert ein anderer Inselfan.

Die Gewerkschaften bitten derweil die Passagiere um Verständnis und sprechen von eklatanten Missständen bei den drei Airlines, die bestreikt werden: Ryanair, Easyjet und Lauda Europe. "Die Kabinenmitarbeiter bei Ryanair sind Arbeiter dritter Klasse", klagt die Arbeitnehmervertretung USO. "Unsere Rechte werden nicht respektiert." Ryanair sei die einzige internationale Fluggesellschaft in Spanien ohne Flächentarifvertrag.

Wie niedrig die gezahlten Löhne sind, macht USO am Beispiel von Easyjet deutlich. "Im Moment bekommen die Easyjet-Mitarbeiter in Spanien einen Basislohn von 950 Euro." Das seien 850 Euro weniger, als die Flugbegleiter in Deutschland oder Frankreich erhalten. Hinzu kommen allerdings noch variable Lohnzuschläge, die von der Zahl der Flugstunden abhängen.

Mallorca-Streik: Diese Rechte haben betroffene Urlauber

Nicht nur in Spanien, auch in anderen europäischen Ländern sind viele Ryanair-Mitarbeiter sauer. Sie werfen Airline-Boss Michael Kevin O'Leary vor, Arbeitsbestimmungen und gesetzliche Mindestlöhne nicht einzuhalten. Deswegen sind in diesen Tagen auch die Flugbegleiter in Portugal, Frankreich, Italien und Belgien auf den Barrikaden, wo es ebenfalls zu Arbeitsniederlegungen kommt.

Reisende, deren Flug annulliert wird, haben auf jeden Fall Anspruch auf vollständige Erstattung des Preises oder auf Ersatzbeförderung, erklärt die deutsche Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite. Inwieweit auch Schadenersatz oder Ausgleichszahlungen verlangt werden könnten, richte sich nach den jeweils anwendbaren nationalen Vorschriften.

Die Fluglinie hafte dann nicht für mögliche Schäden, wenn sie nachweise, dass sie die Annullierung durch "außergewöhnlicher Umstände" verursacht wurden, wozu auch Streiks gehören könnten. Anwälte weisen aber darauf hin, dass es juristisch umstritten ist, ob bei einem Streik des eigenen Personals "außergewöhnliche Umstände" angeführt werden können, da ein Arbeitgeber ja durchaus Einfluss auf Tarifverhandlungen hat.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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