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Madonna und ihr Erbe: Welche Männer sie zum Teufel jagt

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Madonna.

Madonna.

Foto: BEN STANSALL / AFP via Getty Images

Berlin.  Madonna ist so angesagt wie nie: Während die Jugend sie als ewige Disco-Königin feiert, machen sich ältere Fans über ihr Alter lustig.

„Dance and sing, get up and do your thing“: Vor 40 Jahren erschien Madonnas erste Single, der simple Synthie-Song „Everybody“. Madonna war damals schon 24, nach Popstar-Maßstäben also eine Späteinsteigerin. Mit 21 war sie aus Michigan nach New York gekommen, hatte sich als Profitänzerin versucht, in Punkbands gesungen oder im Background der französischen Disco-Eintagsfliege Patrick Hernandez („Born to be alive“).

Doch keine Bemühung fruchtete. Diese Single nun war ihre letzte Chance. Und dann das: „Ich lebte in der Upper West Side, hörte KTU im Radio (ein New Yorker Disco-Sender), und um 7 Uhr abends lief ,Everybody‘“, erinnert sie ich. „Ich rief: ,Oh mein Gott, das bin ja ich, die da aus der Box kommt.‘ Ein unglaubliches Gefühl.“

Es war eine Supernova. Zwar schafften es „Everybody“ und der Nachfolger „Burning Up“ nur in die Dance-Charts, doch im März 1984 knackte die dritte Single „Holiday“ die Billboard Hot 100. Jetzt ließ Seymour Stein, Boss ihrer Plattenfirma Sire (gehört zu Warner), ein Album springen.

Madonna muss Häme ertragen

In den deutschen Charts platzierte Madonna seitdem unglaubliche 63 Titel, der letzte war 2015 „Ghosttown“, dazwischen lagen unsterbliche Pop-Klassiker wie „Like A Virgin“ (1984), „Like A Prayer“ oder „Hung Up“ (2006).

Doch wenn es heute um Madonna geht, dann ist es selten eine Huldigung, sondern Häme, die meist darauf zielt, dass sie die Begleiterscheinungen des Alters nicht auf sich sitzen lassen will. Sie kämpft. Und wie. Es ist jedoch ein Kampf, den nicht einmal sie gewinnen kann: Und so bietet sie Angriffsfläche.

Als sie vor drei Monaten als Gaststar bei einem Konzert des kolumbianischen Superstars Maluma (28) in Medellín vor 50.000 Zuschauern auftrat, verpasste sie zweimal den Einsatz. Sie geriet bald außer Atem, die Choreographie überforderte sie. Das vorgesehene Twerking, so nennt sich ein Po-zentrierter Tanz, wirkte grotesk: Ihre Gesäßimplantate sahen aus, als hätte man ihr Teile von Kim Kardashian einoperiert.

Madonna, die erhabene Pop-Königin, erschien einem da plötzlich wie die betrunkene Tante, die man auf der Hochzeitsfeier von der Karaokebühne holen möchte. Ihr Instagram-Profil wiederum führt zu Schlagzeilen wie „Verstörende Bilder“ („Promi-Flash“ über Halbnacktfotos). Sie nutzt dort jeden Filter, den sie bekommen kann. Ihre „Fans“ vergleichen sie mit Gruselrocker Marilyn Manson und einem Hamster, ein Onlinemagazin zoomte auf ihre Hände, die ihr wahres Alter verraten würden.

Madonna und die Generation Tiktok

Dabei gehen die alten Fans besonders hart mit ihr ins Gericht. Die Jugend aber sieht Madonnas Schrullen locker und entdeckt gerade ihr gewaltiges musikalische Erbe. Hip-Hop-Remixes ihrer Klassiker „Frozen“ und „Material Girl“ waren im Sommer virale Hits auf der Plattform Tiktok. Ihre gerade erschienene Remix-Sammlung „Finally Enough Love“ wurde schon am ersten Tag 650.000-mal auf Spotify gestreamt.

(40) mixte ihren eigenen aktuellen Nr.-1-Hit „Break My Soul“ über Madonnas „Vogue“ von 1990. Die ganze Welt tanzt derzeit dazu. „Ich bin dir dankbar“, twitterte Beyoncé an Madonna. „Du hast für so viele Frauen so viele Türen geöffnet.“

Knallhart schützt Madonna ihr kreatives Erbe. „Frauenfeindliche Männer“, die ihr Leben verfilmen wollten, jagte sie nach eigener Aussage zum Teufel. Der Film über ihr Leben mit Julia Garner (28, „Inventing Anna“) in der Hauptrolle soll nächstes Jahr ins Kino. Regie und Drehbuch: Madonna. Für das New Yorker Hipster-Magazin „Paper“ ließ sie sich aktuell bei einer wüsten, multisexuellen, ethnisch gemischten Disco-Orgie ablichten. Ungewöhnlich: Die Bildrechte besitzt nicht die Redaktion, sondern sie allein.

Privat gibt sich die einstige Fitnessstudio-Fanatikerin entspannt. Eine Woche feierte sie mit großer Entourage auf Sizilien ihren 64. Geburtstag. Alle reden von Diversity, Madonnas Familie ist gelebte Vielfalt: Vier ihrer sechs Kinder stammen aus Afrika. Stolz erzählte sie in einer Talkshow, dass ihrem Sohn David (16) ihre Kleider besser stünden als ihr selbst: „Er sieht auch im Kleid wie ein Kerl aus.“

Was den Mega-Star antreibt? „Neugier und das Bedürfnis, Menschen zu provozieren und wachzurütteln. Ich hasse es, mich zu wiederholen.“

Dieser Text erschien zuerst auf morgenpost.de

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