150 Läufer nehmen teil am Peiner Lila-Hoffnung-Charity-Run

Peine.  Die Veranstaltung macht chronisch Kranken Mut und informiert über Vorsorge. Viele Ansprechpartner wollen Schwellen abbauen.

Richtige Ernährung, Sport und rechtzeitige Vorsorge helfen, Darmerkrankungen entgegen zu wirken, erzählte Ärztin Nicole Steenfatt bei ihren Führungen durch Europas größtes Darmmodell.

Richtige Ernährung, Sport und rechtzeitige Vorsorge helfen, Darmerkrankungen entgegen zu wirken, erzählte Ärztin Nicole Steenfatt bei ihren Führungen durch Europas größtes Darmmodell.

Foto: Frank Schildener

Der erste Charity-Lauf des Vereins „Lila Hoffnung“ am Sonntag ist ein voller Erfolg. Die Macher werben für Vorsorge und wollen Menschen mit Darmkrebs oder chronischen Darmerkrankungen Mut machen.

Es gibt erstaunlich viele junge Menschen mit chronischen Darmbeschwerden. Das wird beim Besuch der Informationsstände von Vereinen und Selbsthilfegruppen anlässlich des ersten Charity-Laufes auf dem Sportgelände der BBS Peine in Vöhrum deutlich.

Nicole Steenfatt, Ärztin an einer Privatklinik in Nordrhein-Westfalen, führt durch Europas größtes Darmmodell. 20 Meter ist es lang, begehbar und gerade einmal knapp dreimal so groß, wie sein Vorbild im menschlichen Körper. „Der Darm ist ein sieben Meter langer Muskelschlauch“, erklärt sie.

Darmkrebs nehme weltweit besonders unter jungen Menschen zwischen 25 und 49 schnell zu. „Oft werden sie bei Ärzten abgetan, und die Vorsorge wird von den Kassen nicht getragen“, so Steenfatt. Stressabbau, Sport, gesunde Ernährung, all das spiele für den gesunden Darm eine Rolle, weiß sie. „90 Prozent unserer Glückshormone werden im Darm produziert. 80 Prozent unseres Immunsystems gebe es ohne den Darm nicht“, erklärt sie und macht Mut zu Vorsorgeuntersuchungen.

Draußen schwitzen derweil 150 Läufer in der Sommerhitze. Darunter Feuerwehrleute mit Atemschutz. Christian Marquardt, Feuerwehrmann aus Wolfenbüttel, schwitzt mit den Peiner Kollegen. „Das ist für einen guten Zweck, deshalb machen wir alle mit“, erklärt er.

Zudem könne neben dem Charityzweck auch für den Feuerwehrsport Werbung gemacht werden. „Mit meinem Eigengewicht plus Ausrüstung bringe ich 120 Kilo auf die Bahn“, lacht er. Neun Runden hat er schon hinter sich, nach der Pause geht es nochmal auf die Bahn, diesmal in Sportzeug.

Nebenan rüsten sich Stormtrooper, Kopfgeldjäger und Sandmenschen für ihren „Einsatz“. „Wir machen gerne bei Charity-Aktionen mit, weil unsere Kostüme Aufmerksamkeit schaffen“, sagt First Order Officer Daniela Hofmann. Rund um den Globus hat die 501. Legion, ein Fanclub der Star Wars-Sagas, über 10.000 Mitglieder. Eine Handvoll hat sich in den überwiegend selbst gefertigten originalgetreuen Ausrüstungen in die Hitze gewagt. An der Bahn kommt es zu skurril-fröhlichen Szenen, als Sandmenschen und Sturmtruppler die Läufer gemeinsam an der Tartanbahn mit einer Laola-Welle anfeuern.

Lila Hoffnung Charity-Lauf

Trotz des ernsten Hintergrundes, schließlich geht es um von chronischen Darmkrankheiten betroffene Menschen, steht vor allem eines im Zentrum der Veranstaltung: Sie will Mut machen, sagt Macher und Lila-Hoffnung-Vorsitzender Holger Busse. „Wir haben mit so vielen Läufern nicht gerechnet“, freut er sich. 150 machen mit, die Veranstaltung ist ausverkauft. Die Läufer kommen aus ganz Deutschland und er Schweiz. Eine Rundenvorgabe gibt es nicht, auch geht es nicht um die beste Zeit. Dabei sein ist alles – und mit aufmerksam machen.

Geschätzt sind es um die 500 Besucher, die zusehen und sich an den Ständen informieren. Die Standbetreiber kennen sich untereinander schon seit einiger Zeit. „Jetzt treffen wir uns das erste Mal persönlich“, so Busse. Neben dem Aufmerksam machen auf das Krankheitsbild und seine Therapien geht es ihnen ums Netzwerken. „Letztes Jahr ich 700 Kilometer in sieben Tagen durch Deutschland gefahren, nächstes Jahr geht es für ein ähnliches Event wie heute in die Schweiz“, sagt der umtriebige Vorsitzende.

Am Mikrofon des Moderators Cedric Pick steht Claudia Neumann. Sie ist Botschafterin des Vereins und war selbst an Darmkrebs erkrankt. Sie hat sich engagiert und zusammen mit der Politik dafür sorgen können, dass einige Krebsbehandlungen nun auch von den Kassen getragen werden. „Das ist ein tolles Gefühl“, sagt sie.

Mut machen, den Kopf nicht hängen lassen, darum geht es auch den Selbsthilfegruppen, die sich beim Charity-Lauf präsentieren. Da ist Andrea Kroß aus dem Hannoveraner Raum. Sie hat ein Aufklärungsbuch verfasst – „Mamas Bauchmonster“. Das kleine Bilderbuch erklärt Kindern die Auswirkungen chronischer entzündlicher Darmerkrankungen. Sie spricht aus eigenen Erfahrungen, ist selbst Patientin.

Nebenan wirbt „Chronisch glücklich“, eine von Eva Maria Tappe gegründeter Selbsthilfeverein aus Hagen für seine Arbeit. Auch sie ist Patientin. „Wir wollen zeigen, dass man auch mit der chronischen Erkrankung ein glückliches Leben leben kann“, erklärt sie. „Das Leben mit einer Darmerkrankung ist eine große Herausforderung, aber es ist nicht vorbei“, macht sie Mut. Da ist auch Busse dabei: „Steckt den Kopf nicht in den Sand“, sagt er. Und wie geht es mit dem CharityLauf weiter? Im nächsten Jahr soll es eine Fortsetzung geben.

Im Netz: www.lilahoffnung.de, www.shg-gehrden.de und

www.chronisch-gluecklich.de

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