Bier und Maß!

Die Mönche nutzten Bier als lohnende Einnahmequelle für die Klöster. „Gott ist auch im Keller“, wussten sie.

Ordensgemeinschaften hierzulande – wie zum Beispiel Franziskaner, Zisterzienser, Benediktiner, Paulaner – ist gemeinsam, dass sie geistliche Gemeinschaften von Ordensleuten sind. Deren Mönche und Nonnen haben sich durch Gelübde für ein Leben zumeist im Kloster verpflichtet, in Askese, Gottverbundenheit und Spiritualität. Sie widmen sich der Erfüllung des Evangeliums durch geistliche Bräuche, Gebete und Arbeit (Ora et labora).

Wie viele andere respektiere ich diese Hingabe und Entsagung, lebe aber nicht so. Es gibt aber eine Schnittmenge mit dieser Welt.

Glauben Sie nicht? Gehen Sie zum Getränkemarkt: Unzählige Mönche auf Flaschen und Kästen, wohin das Auge blickt. Mönche und Klöster warten scheinbar darauf, dass sich unsereins zum Beispiel mit „Kloster-Urstoff“, dem „Schwarzen Abt“, „Augustiner-Klosterbräu“, Bieren der Klöster Weihenstephan und Andechs, dem „Mönchs-Trunk“ oder dem „Mönchshof-Kellerbier“ befasst.

Mönche haben das Bier nicht erfunden, und in der Bibel ist von Bier keine Rede. Germanen brauten bereits Bier, und die Kelten mochten es auch schon. Die Braukunst haben Mönche hierzulande aber maßgeblich vorangebracht. Im Jahr 1516 wurde das bayerische Reinheitsgebot erlassen. Bruder Kellermeister widmete sich hingebungsvoll der Bierbereitung, fügte Hopfen zum Bier. Das gab dem Bier den angenehm bitteren Geschmack und machte den Sud haltbar. Klosterbier diente anfangs den Klosterinsassen zur Labung und galt im Mittelalter wegen langer Kochzeit als sicheres Getränk. Für die Fastenzeit erfanden sie das Starkbier: „Flüssig Brot bricht Fasten nicht“.

Die Mönche nutzten Bier als lohnende Einnahmequelle für die Klöster. „Gott ist auch im Keller“, wussten sie und bewachten eifersüchtig ihr Biermonopol. Im Hochmittelalter gab es 500 Klosterbrauereien. 1803 endete das klösterliche Brauwesen. Heute brauen nur noch neun Ordensgemeinschaften in Deutschland Bier.

Am sinkenden Absatz von Bier in Deutschland soll die älter werdende Gesellschaft schuld sein. Aber an mir liegt das nicht.

Es soll fast 7000 Sorten Bier geben. Große Brauereien verdrängen zwar kleinere, trotzdem gibt es mittlerweile wegen kreativer „Mikro-Brauereien“ rund 1550 Brauereien. Wie viel Bier Mönche und Nonnen trinken dürfen, wurde im Jahr 817 beim Konzil zu Aachen festgelegt: „Wo gar keine Weinberge sind, bekommt der Chorherr fünf Pfund Bier und nur ein Pfund Wein, die Nonne aber nur drei Pfund Bier.“

Aus der „Zumessung“ entstand später die „Maß“; fünf Maß täglich waren Klosterbrauch. Im Peiner Land gibt es keine Weinberge aber eine Brauerei, alles klar!

Wolfgang Gemba, ehemals Kreisrat für Bauen, Umwelt und Verbraucherschutz der Peiner Landkreisverwaltung, schreibt in seiner Kolumne zu aktuellen Themen, „die einen Menschen im Peiner Land so bewegen“.

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