Einmal erbeutete der Peiner Angeklagte Fleisch für 4200 Euro

Peine.  Ein Peiner (39) muss sich vor Gericht für 27 Eigentumsdelikte verantworten.

Der Angeklagte wurde in Handschellen vorgeführt. Links neben ihm seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Geraldine Wille-Laaß, dahinter die Protokollführerin.

Der Angeklagte wurde in Handschellen vorgeführt. Links neben ihm seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Geraldine Wille-Laaß, dahinter die Protokollführerin.

Foto: Rainer Heusing

Obwohl sie sehr schnell sprach, brauchte die Staatsanwältin am Mittwoch mehr als 20 Minuten, um alle Taten aufzuzählen, die ein 39-Jähriger aus dem Kreis Peine innerhalb von acht Monaten in der Gemeinde Wendeburg begangen haben soll. Es sind in der Zeit vom August 2019 bis Ende März dieses Jahres insgesamt 27 Eigentumsdelikte mit einem Schaden „von mehreren Zehntausend Euro“. Der Angeklagte hat die Taten gestanden – aber mit Einschränkungen. Insgesamt sind acht Verhandlungstage vorgesehen.

Gleich am ersten Prozesstag räumte der Angeklagte, der nicht mehr in Wendeburg wohnt, vor der 8. Großen Strafkammer den Tatvorwurf ein. Aber er habe „nicht alles gestohlen, was die Geschädigten vor der Polizei angegeben hatten“. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, einige der entwendeten Gegenstände gelagert zu haben, um sie dann später „gewinnbringend zu verkaufen und damit seinen eigenen Lebensunterhalt und den seiner Familie zu finanzieren“. Auch habe er EC-Karten erbeutet und mit diesen Bargeld für persönliche Zwecke abgehoben. Die Vorsitzende Richterin fragte am Mittwoch den jungen Mann, wann er denn immer losgegangen sei. „Immer abends“, antwortete der Angeklagte. Er habe schlecht geschlafen, deshalb Tabletten nehmen müssen, „auch jede Menge Amphetamine und Cannabis in großen Mengen“.

In der Anklage wird dem 39-Jährigen eine „leichtgradige Betäubungsmittel-Abhängigkeit“ vorgeworfen. Wenn er aber dabei bleibe, dass er drogenabhängig sei, „dann müssen wir klären, ob bei Ihnen eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anzuordnen ist“, sagte die Vorsitzende Richterin.

Am Mittwoch wurden auch die ersten Zeugen geladen. Deren Aussagen belegten, dass der Angeklagte sich in Wendeburg bestens auskannte, meist Terrassentüren oder Toilettenfenster aufgehebelt hatte, und dass einige Objekte offensichtlich nicht ausreichend geschützt waren. So war der damals 38-Jährige unbeobachtet in den Lagerraum eines Restaurants gegangen. „Ich habe nichts aufgehebelt, war aber drin.“ Bei einem Haus hätten gar die Schlüssel von außen in der Eingangstür gesteckt, hatte der Angeklagte angegeben. Die Eigentümerin war mit ihren Kindern einige Tage verreist. „Hatten Sie denn die Nachbarn beauftragt, in Ihrer Abwesenheit nach dem Haus zu schauen?“, fragte die Vorsitzende Richterin die Zeugin. Die Antwort lautete: „Nein“. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub habe ihr Sohn festgestellt, dass unter anderem die Playstation und sein Tablet entwendet worden seien. Auch seien ein Handy und Schmuck aus einem Schubfach gestohlen worden. „Ich habe aber einige Sachen von der Polizei wiederbekommen“, sagte die 52-Jährige im Zeugenstand. Auf die Frage, warum er dieses Objekt ausgewählt habe, antwortete der Angeklagte: „Da stand ein Schild mit der Aufschrift Haus zu verkaufen.“ Mittlerweile wohne sie mit ihrer Familie in einem Mehrfamilienhaus, sagte die Geschädigte vor Gericht. Tatorte waren auch landwirtschaftliche Hofgrundstücke im Wohnumfeld des Angeklagten. So habe er beispielsweise in einer Scheune Handys und Lautsprecher erbeutet, in einem Wohnhaus „hochwertige Gegenstände“, darunter einen Kaffee-Vollautomaten und einen Schmuckkoffer. Auf die Frage des Gerichts, wie er denn die Beute transportiert habe, antwortete der Angeklagte: „vorwiegend in Kartons, die ich gefunden habe“. Einmal habe er auch eine Sackkarre mitgenommen. Über die Verbindungstür eines ehemaligen Bäckerladens war er im August 2019 in einem Einkaufszentrum in eine Fleischerei gelangt. Dort habe der Angeklagte Wechselgeld in Höhe von 800 Euro sowie in der Kühlzelle Fleisch in einem Verkaufswert von rund 4200 Euro erbeutet, berichtete der Fleischermeister (59) im Zeugenstand.

Der Prozess wird am Mittwoch, 23. September, 9 Uhr, fortgesetzt.

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