Porträt

Lars Klingbeil: So tickt der designierte Chef der SPD

| Lesedauer: 4 Minuten
Lars Klingbeil liebäugelt mit SPD-Vorsitz. So tickt der SPD-Generalsekretär.

Lars Klingbeil liebäugelt mit SPD-Vorsitz. So tickt der SPD-Generalsekretär.

Berlin.   Lars Klingbeil soll in Zukunft die SPD führen. So tickt der Bayern-Fan, Brückenbauer und Freund von Kevin Kühnert und Gerhard Schröder.

Die SPD bekommt den jüngsten Parteichef ihrer bundesdeutschen Geschichte: Der erst 43-jährige Lars Klingbeil, bislang Generalsekretär, soll Mitte Dezember in einer Doppelspitze mit der amtierenden Parteichefin Saskia Esken zum Vorsitzenden gewählt werden, schlug der SPD-Vorstand am Montag vor. Für Klingbeil eine „große Ehre“, wie er sagt.

Eigentlich hatte er sich auch Hoffnung auf das Amt des Bundesverteidigungsministers gemacht – doch der Niedersachse Hubertus Heil, bislang Arbeitsminister, ist im Kabinett von Olaf Scholz fest gebucht, und für zwei Niedersachsen ist in der SPD-Ministerriege kein Platz.

Lars Klingbeil: Sorgt für Geschlossenheit in der SPD

Klingbeil stammt aus der Lüneburger Heide: Dort hat er vor zwei Jahren seine Frau Lena-Sophie Müller geheiratet, die sich als Geschäftsführerin der Initiative D21 mit der Digitalisierung Deutschlands befasst. Dort hat er jetzt wieder seinen Wahlkreis Rotenburg/Heidekreis gewonnen, mit stolzen 47,6 Prozent der Stimmen. Im Heide-Ort Soltau ist Klingbeil geboren, sein Vater war Berufssoldat, seine Mutter Einzelhandelskauffrau.

Klingbeil machte Zivildienst in der Bahnhofsmission Hannover, studierte in der Landeshauptstadt Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie, spielte nebenher in der Rockband „Sleeping Silence“ Gitarre. Der 43-jährige gilt vor allem als Pragmatiker, der in der SPD Brücken bauen kann zwischen den Parteilagern.

Er gehört dem konservativen Seeheimer Kreis der Bundestagsfraktion an, pflegt aber auch ein gutes Verhältnis zum SPD-Linken und Parteivize Kevin Kühnert, den er einen „Freund“ nennt. Sein in der SPD ohnehin gutes Ansehen ist durch den erfolgreichen Bundestagswahlkampf noch einmal gestiegen – Klingbeil vor allem organisierte die Kampagne, behielt auch im monatelangen Umfragetief die Nerven und sorgte dafür, dass Genossen und Kanzlerkandidat in ungeahnter Geschlossenheit agierten.

Gerhard Schröder kam zu Klingbeils Hochzeit

Wenn Olaf Scholz Kanzler wird, dürfte Klingbeil dafür sorgen, dass die Sozialdemokraten der Ampel-Regierung wenig Probleme machen. Und zugleich steht er für einen Generationenwechsel, schon vom Habitus: Der Hochgewachsene (196 Zentimeter Körpergröße) trägt gern weiße Turnschuhe und T-Shirt zum Anzug, besucht Hip-Hop-Konzerte, über der Augenbraue ist noch eine kleine Piercing-Narbe zu sehen.

Seine politische Laufbahn begann Klingbeil noch während des Studiums im Wahlkreisbüro des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder – zu ihm hält er bis heute engen, freundschaftlichen Kontakt, Schröder war Gast bei seiner Hochzeit, Klingbeil und seine Frau umgekehrt bei Schröders Hochzeit mit Soyeon Kim. 2003 wurde er Vizechef der Jusos, zwei Jahre später zog der damals 27-Jährige erstmals in den Bundestag ein, aber nur für ein paar Monate als Nachrücker. 2009 gelang dann, mit Förderung des damaligen Fraktionschefs Peter Strucks, dauerhaft der Sprung ins Parlament in Berlin.

Dort machte sich der große Fan des FC Bayern München zunächst als Internet-Experte einen Namen, später als Verteidigungspolitiker. Auf die große SPD-Bühne kam Klingbeil als früher Unterstützer einer Kanzlerkandidatur von Martin Schulz, für die er hinter den Kulissen fleißig geworben hatte. Schulz machte den Vertrauten nach der verlorenen Bundestagswahl 2017 zum Generalsekretär als Nachfolger von Hubertus Heil. Auf dem Posten blieb Klingbeil, auch als Schulz wenig später die Parteiführung verbittert verließ.

Klingbeil dachte schon 2019 an Parteivorsitz

Klingbeil diente als General anschließend erst unter Andrea Nahles und dann unter dem Duo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjahns; auch er selbst hatte schon nach dem Nahles-Rückzug 2019 eine Kandidatur für den Vorsitz erwogen, fand aber nach eigenem Bekunden keine passende Tandem-Partnerin. Nun klappt es also doch.

Wenn er gewählt ist und die Ampel-Koalition ihre Arbeit begonnen hat, muss Klingbeil allerdings seiner Ehepartnerin noch ein großes Versprechen erfüllen: Die Flitterwochen haben er und die 38-jährige Lena-Sophie Müller immer wieder verschieben müssen – erst kam der Rücktritt von Andrea Nahles dazwischen, dann Corona, zuletzt der Wahlkampf und die Koalitionsverhandlungen.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder