Altersvorsorge

Riester-Rente kündigen: Das müssen Sie beachten

| Lesedauer: 7 Minuten
Renteneintrittsalter: Wann man in Rente gehen kann

Renteneintrittsalter: Wann man in Rente gehen kann

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Berlin.  Eine neue Riester-Rente lohnt sich wegen sinkender Zinsen kaum. Doch wie kündigt man einen bereits bestehenden ungünstigen Vertrag?

  • Sinnvoll oder nicht? Bei der Riester-Rente scheiden sich die Geister
  • Wer einen Vertrag abgeschlossen hat und diesen kündigen will, sollte einiges beachten
  • Andernfalls kann es teuer werden

Die Riester-Rente gehört zu den beliebtesten Modellen der Altersvorsorge in Deutschland. Ende des dritten Quartals 2021 hatten laut dem Bundesministerium für Arbeit rund 16 Millionen Menschen in Deutschland einen vom Staat geförderten Vertrag für die private Altersvorsorge abgeschlossen.

Viele neue Verträge dürften aus finanzieller Sicht nicht dazu kommen. Denn die Riester-Rente lohnt sich aufgrund immer niedriger Zinssätze und immer höher werdender Steuerlast für Rentner kaum noch. Doch die Kündigung eines Riester-Vertrages ist ebenfalls sehr teuer. Worauf Sie achten müssen und welche besseren Alternativen es zur Kündigung gibt, klärt unsere Übersicht.

Warum lohnen sich Riester-Verträge nicht mehr?

Riester-Verträge lohnen sich heute hauptsächlich wegen dem immer niedriger werden Garantiezins und gleichzeitig höher werden Kosten und Gebühren der Versicherer nicht mehr.

Der Garantiezins beschreibt die Wertsteigerung des in die Riester-Rente eingezahlten Geldes, die der Anbieter mindestens zusichert.

  • Der Garantiezins wird gesetzlich vorgeschrieben und lag 2007 noch bei 2,25 Prozent.
  • 2022 sind es nur noch 0,25 Prozent.
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Ein weiterer Faktor ist der immer größer werdende steuerpflichtige Anteil der Renten in Deutschland. Je nach Renteneintrittsalter steigt dieser seit 2005 Jahr für Jahr. Wer 2022 in Rente geht, muss bereits 82 Prozent seiner Rentenbezüge versteuern. Ursprünglich war geplant, dass ab dem Jahr 2040 neue Renten zu 100 Prozent versteuern werden müssen.

Wie im Koalitionsvertrag vereinbart, will die Ampel-Regierung die jährliche Steigerungsrate noch dieses Jahr verlangsamen. Klar ist aber, dass die Renten eben früher oder später voll versteuert werden. Das gilt dann auch für die Erträge aus der Riester-Rente.

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Rente in Deutschland - Fakten und Geschichte

  • System: Die gesetzliche Rente funktioniert nach dem Äquvivalenz- und dem Solidarprinzip.
  • Renten-Arten: Es gibt noch die Grund-, die Erwerbsminderungs- und die Hinterbliebenenrente.
  • Ausnahmen: Eine große Mehrheit der Selbstständigen und Freiberufler sind von der Versicherungspflicht befreit.
  • Finanzierung: Die gesetzliche Rente in Deutschland ist grundsätzlich umlagenfinanziert.
  • Probleme: Die Probleme der Unterfinanzierung ergeben sich hauptsächlich aus der zunehmend älter werdenden Bevölkerung in Deutschland.
  • Drei Säulen: Die Altersvorsorge in Deutschland fußt auf drei Säulen. Dazu gehören die gesetzliche, betriebliche und die private Altersvorsorge.
  • Ursprung: Sie wurde am 22. Juli 1889 unter Reichskanzler Otto von Bismarck offiziell eingeführt.

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Riester-Vertrag kündigen? Das kann teuer werden

Die Überlegung liegt also nahe, in den letzten Jahren geschlossene Riester-Verträge zu kündigen und das ausbezahlte Geld in lohnendere Altersvorsorgemodelle zu stecken. Eine Kündigung ist natürlich unter Beachtung von Mindestlaufzeiten und einer dreimonatigen Kündigungsfrist jederzeit möglich – sie ist in der Regel aber enorm teuer.

Denn ein gekündigter Riester-Vertrag wird vom Staat als förderschädlich eingestuft. Heißt im Klartext: Die vom Staat gewährten Fördergelder und Steuervorteile müssen vollständig zurückgezahlt werden. Zudem müssen auch auf die bis zur Kündigung erzielten Renditen aus dem Riester-Vertrag Steuern bezahlt werden.

Die grundsätzliche Förderzulage zur Riester-Rente beträgt pro Person 175 Euro im Jahr. Hat der oder die Versicherte Kinder, gibt es noch einmal Geld obendrauf. Für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, zahlt der Staat 185 Euro und für jedes Kind, das danach geboren wurde 300 Euro im Jahr. Allerdings nur so lange, wie der Versicherte auch Kindergeld bezieht.

Die Beiträge zur Riester-Rente und Förderungen können zudem bis zu 2100 Euro jährlich pro Person von der Steuer abgesetzt werden.

Vereinfachte Beispielrechnung

  • Eine Bäckerin aus Essen hat zehn Jahre lang 50 Euro im Monat in ihren Riester-Vertrag investiert und so 6000 Euro angehäuft
  • Dazu gab es einmal im Jahr die 175 Euro grundsätzliche Förderung und 185 Euro Kinder-Förderung. Das macht insgesamt 9600 Euro
  • Ihre Steuerersparnis in den zehn Versicherungsjahren beträgt 1800 Euro
  • Würde die Bäckerin ihren Vertrag nun kündigen, würde sie also nur 4200 Euro ausbezahlt bekommen (9600 - 10 x (175 + 185) - 1800)

Riester-Vertrag kündigen: Gebühren kommen noch obendrauf

Wird der Vertrag in den ersten fünf Jahren nach Abschluss gekündigt, wird noch mehr Geld abgezogen. Denn die Gebühren für den Abschluss eines Riester-Vertrages rechnen die Versicherer laut der Deutschen Rentenversicherung über die ersten fünf Jahre Laufzeit an. Wer vorher kündigt, bekommt die noch ausstehenden Gebühren von seinem Vertragswert abgezogen. Außerdem ist es häufig, dass Versicherungen auch noch Gebühren für die Kündigung an sich erheben.

Und es gibt noch eine schlechte Nachricht. Wird der Riester-Vertrag stattlich gefördert, unterliegt das Geld darin einem Pfändungsschutz. Wird der Vertrag gekündigt, kann das Geld im Schuldenfall auch wieder gepfändet werden.

Riester-Rente kündigen ohne Verlust: Das sind Alternativen

Für immer gefangen im Riester-Vertrag? Wer den Verlust aus einer Kündigung nicht hinnehmen, aber auch nicht weiter Geld in seinen ungünstigen Riester-Vertrag stecken will, kann diesen auch beitragsfrei stellen. Dieses Vorgehen nennt man auch "Vertrag ruhen lassen". Dann zahlt der oder die Versicherte nichts mehr ein, erhält aber auch keine Fördergelder oder Steuervorteile mehr. Die Zusatzrente, basierend auf dem Wert des Riester-Vertrags ohne weitere Einzahlungen, gibt es im Ruhestand trotzdem. Außerdem besteht jederzeit die Möglichkeit die Zahlung der Beiträge wieder aufzunehmen.

Eine weitere Alternative ist, die Beitragszahlungen zur Riester-Rente auf ein Minimum zu reduzieren. Doch es gilt aufzupassen, denn möglicherweise gibt es dann die staatlichen Fördergelder nicht mehr. Die fließen erst, wenn der Versicherte einen Mindestbeitrag einzahlt.

Dieser beträgt vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens abzüglich der staatlichen Förderzulagen. Das rentenversicherungspflichtige Einkommen entspricht in der Regel dem Bruttoeinkommen.

Beispielrechnung

  • Die Bäckerin aus Essen hat 2021 insgesamt 32.000 Euro brutto verdient. Vier Prozent davon sind 1280 Euro.
  • Sie möchte 175 Euro grundsätzliche Förderung und 185 Euro Förderung für ihr Kind also insgesamt 360 Euro Riester-Förderung erhalten
  • Ihr jährlicher Mindestbeitrag läge demnach bei 920 Euro oder rund 77 Euro im Monat

Riester-Rente umwandeln statt kündigen

Eine weitere Möglichkeit aus dem Riester-Vertrag herauszukommen, ist die Umwandlung in die Eigenheimrente auch als Wohn-Riester bekannt. Der Gedanke dahinter ist einfach: Wer mit dem Geld aus seinem Riester-Vertrag eine Immobilie kauft oder baut, sorgt auch für das Alter vor und handelt damit nicht förderschädlich. Heißt: Steuervorteile und Förderungen des Riester-Vertrages bleiben erhalten.

Voraussetzung für die Eigenheimrente ist, dass der Bezieher Eigentümer oder Miteigentümer der Immobilie ist, selbst darin wohnt und die Immobilie in der EU liegt. Außerdem müsste die Auszahlungshöhe des Riester-Vertrages mindestens 3000 Euro betragen.

Es ist jedoch eine gehörige Portion Vorsicht geboten. Nicht immer lohnt sich die Umwandlung, betont Alexander Krolzik von der Verbraucherzentrale Hamburg. Denn die Umwandlung des Riester-Vertrages in einen Wohn-Riester-Vertrag ist eigentlich ein neuer Vertragsabschluss. "Und mit dem Abschluss sind hohe Gebühren verbunden. Bei einem Wohn-Riester-Vertrag bis zu drei Prozent der Bausparsumme", sagt Krolzik. (jas)

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.

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