Ukraine-Krieg

Transnistrien: Das ist die Separatisten-Region in Moldau

| Lesedauer: 4 Minuten
Der Konflikt um die Republik Transnistrien

Der Konflikt um die Republik Transnistrien

Transnistrien gehört völkerrechtlich noch zur Republik Moldau. Die prorussische Separatistenregion will seit über 30 Jahren unabhängig werden.

Beschreibung anzeigen

Eigene Währung, Regierung und Flagge: Transnistrien wirkt wie ein normales Land. Doch es wird nirgends anerkannt, auch nicht in Moskau.

Zwischen der Republik Moldau und der Ukraine liegt ein schmaler Streifen Land von gerade mal 4100 Quadratkilometern. Dort liegt ein Staat, den es offiziell gar nicht gibt: Transnistrien. Völkerrechtlich gehört es zur Republik Moldau, doch es hat sich bereits vor mehr als 30 Jahren von Moldau abgespaltet. Seitdem bezeichnet sich Transnistrien als ein unabhängiger Staat.

Ukraine-Krise - Alle News zum Konflikt

Warum hat sich Transnistrien von der Republik Moldau abgespaltet?

Die Abspaltung ist zurückzuführen auf den Zerfall der Sowjetunion. Republik Moldau, auch Moldawien genannt, war Teil der Sowjetunion. Nach dem Bruch im Jahr 1991 erklärte Moldawien sich zu einer unabhängigen Republik und rief die staatliche Souveränität aus. Die bisherige Landessprache Russisch wurde durch Rumänisch ersetzt und wurde zur offiziellen Amtssprache.

Während die meisten in der moldawischen Bevölkerung eine Unabhängigkeit Moldaus befürworteten, waren im transnistrischen Landesteil die pro-sowjetischen Kräfte in der Mehrheit. Sie sahen ihre Rechte durch die neue Politik in Moldawien bedroht und erklärten sich für unabhängig. Die Zentralregierung in der Hauptstadt Chisinau war jedoch nicht bereit, die Abspaltung hinzunehmen.

Wenig später, im Jahr 1992, kam es zu einem kurzen, aber blutigen Krieg zwischen der Republik Moldau und der selbst ernannten Republik Transnistrien. Es starben etwa 1000 Menschen. Die Kampfhandlungen konnten unter Vermittlung Russlands schließlich beendet werden. Im Juli 1992 wurde ein Abkommen über den speziellen Status von Transnistrien beschlossen.

Warum wird Transnistrien von keinem Land anerkannt?

Transnistrien hat eine eigene Regierung, eine eigene Währung (Rubel) und eigenes Militär. Trotzdem wird das Land international von keinem anderen Staat und keiner internationalen Organisation anerkannt. Völkerrechtlich wird Transnistrien bis heute als Teil der Republik Moldau betrachtet, denn die eigenständige Abspaltung in den 90er-Jahren gilt als völkerrechtswidrig. Transnistrien ist deshalb Gründungsmitglied der Gemeinschaft nicht-anerkannter Staaten, zu denen die ebenfalls umstrittenen Regionen Arzach, Abchasien und Südossetien gehören.

Welche Macht hat Russland in Transnistrien?

Obwohl die Mehrheit in Transnistrien Russisch spricht und überall im Land sowjetische Symbole sowie Lenin-Statuen stehen, wird das Gebiet von Russland bislang nicht als souveräner Staat anerkannt – anders als die Region Donezk und Luhansk in der Ukraine. Trotzdem ist Transnistrien für Russland strategisch wichtig.

Seit 30 Jahren hat Russland in Transnistrien rund 1500 russische Soldaten stationiert – als sogenannte Friedenstruppen. Die Regierung in Kiew geht jedoch von einer doppelt so hohen Zahl der stationierten Soldaten. Hinzu sollen 10.000 bis 15.000 moskautreue Paramilitärs kommen. Da Transnistrien genau an die Ukraine grenzt, befürchtet Kiew eine neue Front im Süden des Landes.

Sollte Russland Transnistrien anerkennen oder gar zum russischen Gebiet erklären, wäre Russland noch näher an Europa und an der Nato-Grenze dran. Rumänien, ein Nato-Mitgliedstaat, ist nur wenige Hundert Kilometer entfernt.

Was will die Regierung in Transnistrien?

Das Separatistengebiet hat es im Ukraine-Krieg bislang vermieden, sich klar zu positionieren. Einerseits, um Russland nicht zu verärgern, denn Transnistrien wird aus Moskau kostenlos mit Gas versorgt. Russland zahlt zudem die Renten der transnistrischen Senioren. Anderseits leben ins Transnistrien auch viele Ukrainerinnen und Ukrainer. Seit Kriegsbeginn sind viele weitere nach Transnistrien geflohen, weil sie dort Verwandte oder Freunde haben.

Zudem will Transnistrien, das nun seit 30 Jahren, friedlich neben der Republik Moldau lebt, nicht in einen bewaffneten Konflikt hineingezogen zu werden. Transnistrien Präsident Wadim Krasnoselski betont stets, sein Land will „in Frieden und Ruhe“ leben.

Vor einigen Jahren strebte die Bevölkerung von Transnistrien einen Anschluss an Russland an. 2006 sprachen sich 97,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler bei einem international nicht anerkannten Referendum für den Anschluss Transnistriens an Russland aus. Die moldawische Präsidentin Maia Sandu lehnt die Abspaltung, wie schon ihre Vorgänger, kategorisch ab.

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Dieser Text erschien zuerst auf www.waz.de.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder