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Ukraine-Krieg: Putins Propaganda im TV wird immer härter

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Klitschko: Putin hat UN-Chef Guterres den Finger gezeigt

Klitschko: Putin hat UN-Chef Guterres den Finger gezeigt

Russland hat bestätigt, die ukrainische Hauptstadt Kiew während des Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres beschossen zu haben. Bürgermeister Vitali Klitschko sagte, Russlands Präsident Wladimir Putin habe mit dem Angriff "seinen Mittelfinger gezeigt".

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Moskau  Die Propagandisten des Kremls drohen dem Westen und schüren Ängste vor einem Weltkrieg. Ziel ist wohl die Lähmung des Protestwillens.

  • Die russische Propaganda-Maschine läuft im Staatsfernsehen auf Hochtouren
  • Auf dem Sender RT werden Ängste vor einem dritten Weltkrieg geschürt
  • Die Propaganda wird direkt aus dem Kreml gesteuert

Es ist ja nur eine Frage. „Warum hat Russland in der Ukraine eigentlich noch nicht gewonnen?“ Eine einfache Frage. Margarita Simonjan hält es trotzdem kaum auf dem Sitz. „Wir kämpfen gegen die Nato, gegen einen riesigen, schwer bewaffneten Gegner.“

Die Chefredakteurin des russischen Propagandasenders RT, diesmal selbst Talkgast, funkelt ihr Gegenüber aus dunklen Augen an. „Statt uns zu beschweren, dass wir nach so und so vielen Tagen noch nicht gewonnen haben, sollten wir unserem Oberbefehlshaber lieber beim Gewinnen helfen.“ Der Fragesteller lenkt sofort ein: „Ich beschwere mich ja gar nicht.“ Aber da gerät Simonjan erst recht in Rage. „Es geht nicht um die Ukraine. Die Nato fährt ihre gesamte Streitmacht gegen uns auf. Das ist eine Herausforderung, wie wir sie noch nicht erlebt haben.“

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Krieg gegen die Ukraine: Wie die russische Propaganda funktioniert

Der Oberbefehlshaber, das ist Präsident Wladimir Putin. Und der hatte zu Beginn des russischen Angriffskrieges die Losung von einer „militärischen Spezialoperation zur Entwaffnung und Entnazifizierung der Ukraine“ ausgegeben. Doch das war gestern. Heute ist Weltkrieg. Diesen Eindruck zumindest vermitteln die Propaganda-Talkshows des russischen Staatsfernsehens.

Selenskyj: Russland will die Vereinten Nationen demütigen
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Bei Wladimir Solowjow zum Beispiel, dem der prominente Sendeplatz am Sonntagabend gehört. Wenn in Deutschland Anne Will zum ARD-Talk bittet, stachelt Solowjow im Moskauer „Ersten Kanal“ seine Gäste zu immer steileren Thesen an. Und wenn sie nicht steil genug sind, legt der 58-Jährige selbst nach. „Die Nato wird sich fragen müssen: Haben wir das Material und die Menschen, um uns zu verteidigen? Gnade wird es nicht geben.“

Das ist eine unverhüllte Kampfansage an das westliche Bündnis. Russland werde über das Nachbarland hinausgehen, lautet Solowjows Botschaft: „Nicht nur die Ukraine muss entnazifiziert werden. Der Krieg gegen Europa und die Welt nimmt konkrete Konturen an.“ Besondere Brisanz erhalten solche Sätze, weil sie nicht selten vorwegnehmen, was Putin oder seine Vertrauten anschließend selbst sagen.

Außenminister Sergei Lawrow zum Beispiel sprach wenige Tage nach Solowjow von der „realen Gefahr eines Atomkriegs“. Schließlich, so Lawrow, führe die Nato über den Stellvertreter Ukraine „de facto einen Krieg gegen Russland“. Und noch einmal zwei Tage später warnte Putin persönlich: „Wer sich einmischt, muss wissen, dass die Antwort blitzschnell erfolgen wird. Wir haben dafür alle Instrumente, und wir werden sie anwenden.“