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WM in Katar: So diskriminiert das Emirat jüdische Fans

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Deutsche Nationalspieler halten sich in Katar aus Protest den Mund zu

Deutsche Nationalspieler halten sich in Katar aus Protest den Mund zu

Die Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft haben sich vor dem WM-Spiel gegen Japan in Katar geschlossen den Mund zugehalten. Nach den vom Weltfußballverband Fifa angedrohten Sanktionen für das Tragen der "One Love"-Binde protestierten die Spieler um Kapitän Manuel Neuer auf diese Weise gegen das Vorgehen der Fifa.

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Doha/Berlin  Israel ist nicht für die WM in Katar qualifiziert. Trotzdem wollen Tausende jüdische Fans anreisen. Das Emirat macht es ihnen schwer.

Erst einmal hat sich die israelische Fußball-Nationalmannschaft für die Endrunde einer Weltmeisterschaft qualifizieren können. Das ist lange her. 1970 in Mexiko schied man bereits in der Vorrunde als Gruppenletzter aus. Auch in Katar sind die Israelis nur Zuschauer. Feiern und die Spiele vor Ort sehen wollen viele jüdische Fans trotzdem. Doch der Gastgeber macht es ihnen unnötig schwer.

Wie unter anderem die "Jerusalem Post" berichtet, habe die Regierung in Doha ihr Versprechen gebrochen, die Einrichtung jüdischer Gebetsräume zuzulassen. Das Blatt beruft sich dabei auf die Angaben mehrerer jüdischer Organisationen. Die Zusage sei jedoch mit der Begründung zurückgenommen worden, dass man diese nicht ausreichend sichern könne.

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Katar verhängt Verkaufsverbot für koschere Speisen

Weiterhin, so schreiben israelische Medien, gebe es ein Verkaufsverbot für warme koschere Speisen. Derzeit würden lediglich koschere Sandwiches angeboten, deren Herrstellung unter Aufsicht des Vorsitzenden der Allianz der Rabbiner in islamischen Staaten, Rabbiner Mendy Chitrik aus Istanbul, stehe.

Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, kritisierte das Verhalten Katars scharf. Er rief die Regierung in Doha und die Fifa dazu auf, sicherzustellen, dass jüdische Fans ihren Glauben offen praktizieren können. Die Weltmeisterschaft solle ein "verbindendes Ereignis für alle Sportfans sein, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit", sagte Lauder weiter.

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Ministerium: Israelis sollen ihre Identität in Katar nicht offen zeigen

Pünktlich zum Start der Fußball-WM waren die ersten Flüge vom Flughafen Ben Gurion nach Katar überhaupt gestartet. Insgesamt bietet die zyprische Fluggesellschaft Tus sechs Flüge von Tel Aviv nach Doha und zurück an. Voraussetzung ist ein Fanausweis, der für die Einreise nach Katar erforderlich ist, sowie ein gültiges Flugticket für die An- und Ausreise. Israel und Katar unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums sollen mit der Vereinbarung während der WM jedoch konsularische Dienstleistungen auch für Israelis ermöglicht werden.

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Die israelische Regierung ermahnte die Fans derweil, sich an die Regeln in dem arabischen Land zu halten. Das Außenministerium empfahl etwa, die israelische Identität nicht offen zu zeigen. Es warnte auch vor Strafen für das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit. (tok/dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.

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