Ex-Kanzlerin

Angela Merkel: Ukraine-Krieg kam für sie nicht überraschend

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Merkel: Warum man Putins Worte "ernst nehmen sollte"

Merkel: Warum man Putins Worte "ernst nehmen sollte"

"Sie kennen Putin schon lange, was ist er für ein Mensch?" hatte ein Journalist Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) im Juni gefragt. Bei der Auftaktveranstaltung der Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung in Berlin ergänzt Merkel ihre damalige Antwort, "man sollte [Putins] Worte ernst nehmen": "Worte ernst zu nehmen" sei "ein Ausweis politischer Klugheit".

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Berlin.  Ex-Kanzlerin Angela Merkel hat sich in einem Gespräch zu ihrem Leben nach dem Amt geäußert – und auch zum Ukraine-Krieg und Putin.

Angela Merkel hat die jüngste Geschichte der politischen Landschaft in Deutschland so sehr geprägt, wie kaum ein anderer Politiker oder eine Politikerin vor ihr. Ganze 16 Jahre saß sie im Kanzleramt und ihr Name ist mit dem Amt so eng verwoben, dass es für viele seltsam war, plötzlich einen Kanzler zu haben – und nicht mehr eine Kanzlerin. Die "Mutti" der Nation.

Doch seit dem Ende von Merkels Amtszeit fragen sich viele: Was macht die einst so vielbeschäftigte Ex-Kanzlerin jetzt? Angela Merkel hat sich mit dem "Spiegel" über ihr Leben a.D. unterhalten.

Angela Merkel: Auch in ihrer Freizeit spielt Politik noch eine Rolle

Auch wenn sie ihr politisches Amt inzwischen abgelegt hat, interessiert sie sich in ihrer Freizeit noch immer für die Zeitgeschichte. So erzählte Merkel dem "Spiegel", sie habe kürzlich eine Churchill-Biografie gelesen und auf Netflix den Historien-Film "München" und die Royal-Serie "The Crown" geschaut. Mit einer der Protagonistinnen von "The Crown" hatte Merkel auch während ihrer Amtszeit zu tun – Queen Elizabeth II. Lesen Sie auch: Angela Merkel – So war die Kanzlerin hinter den Kulissen

Über die verstorbene britische Königin sagt Merkel: "Mit Königin Elizabeth ging ein Zeitalter zu Ende". Sie fand es "unfassbar", dass Elizabeth II. noch bis kurz vor ihrem Tod die zu dem Zeitpunkt neue Premierministerin Liz Truss empfing, um ihr noch den Auftrag zur Regierungsbildung zu erteilen.

Merkel verteidigt ihre Politik gegenüber Russland und der Ukraine

Doch in dem Gespräch mit dem "Spiegel" ging es nicht nur um seichte Themen. So hat Merkel ihre Politik gegenüber Russland und der Ukraine verteidigt. Der russische Angriff auf die Ukraine sei für sie nicht überraschend erfolgt, sagte sie. "Das Abkommen von Minsk war ausgehöhlt." Sie habe im Sommer 2021 mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nochmals "ein eigenständiges europäisches Gesprächsformat" mit Russlands Präsident schaffen wollen. "Aber ich hatte nicht mehr die Kraft, mich durchzusetzen, weil ja alle wussten: Die ist im Herbst weg." Auch interessant: Angela Merkel – Stärken und Schwächen der Bundeskanzlerin

Noch im August 2021 war sie zu Russlands Präsident Putin zu einem Abschiedsbesuch nach Moskau gereist. "Das Gefühl war ganz klar: 'Machtpolitisch bist du durch'", sagte Merkel dem "Spiegel". "Für Putin zählt nur Power." Sie bereue allerdings nicht, sich nicht noch einmal für das Kanzleramt beworben zu haben: "Da musste mal jemand Neues ran." Aktuell schreibt Angela Merkel zusammen mit ihrer langjährigen Büroleiterin Beate Baumann ein Buch über ihre 16 Jahre im Kanzleramt. Die ehemalige Kanzlerin hat viel zu erzählen. (lhel)

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.

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