Offizielle Corona-Fallzahlen – Braunschweiger Arzt skeptisch

Braunschweig.  Offizielle Zahl der Corona-Toten in China verdoppelt. Die staatliche Gesundheitskommission verweist auf eine neue Zählweise.

Medizinisches Personal untersucht den Zustand eines Patienten im Krankenhaus Jinyintan in Wuhan, das für kritische Covid-19-Patienten vorgesehen ist.

Medizinisches Personal untersucht den Zustand eines Patienten im Krankenhaus Jinyintan in Wuhan, das für kritische Covid-19-Patienten vorgesehen ist.

Foto: Uncredited / dpa

Eine neue Einstufung der Ansteckungen in der vom neuen Coronavirus besonders schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina hat zu einem drastischen Anstieg offiziell gemeldeter Fälle geführt. Die Zahl erfasster Todesfälle habe sich mit 254 landesweit innerhalb eines Tages mehr als verdoppelt, berichtete die Gesundheitskommission am Donnerstag in Peking. Damit sind schon mehr als 1300 Tote zu beklagen.

Werden reale Zahlen „gesichtswahrend eingepflegt“?

Der Braunschweiger Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. Wolfgang Schneider-Rathert äußerte sich skeptisch angesichts der Meldungen aus China. „Im besten Fall gehe ich davon aus, dass die Zahlen stimmen, nicht aber das veröffentlichte Datum.“ Der große Aufwand in China zur Bekämpfung der Lungenkrankheit werfe erhebliche Zweifel an der Korrektheit der Fallzahlen auf. Die am Donnerstag veröffentlichten – massiv gestiegenen – Zahlen kommentiert Schneider-Rathert so: „Es kann sein, dass die Situation dort jetzt einigermaßen unter Kontrolle ist, so dass die Regierung die realen Zahlen gesichtswahrend einpflegt.“ Wie die Lage tatsächlich ist, lasse sich von hier kaum einschätzen.

Klinische Diagnosen statt Labortests maßgeblich

Die chinesische Gesundheitskommission erklärt die Zahlen mit neuen Kriterien. Demnach werden jetzt auch klinische Diagnosen in der Statistik berücksichtigt. Bisher waren nur Labortests maßgeblich. So hat sich die Zahl neuer Infektionen im Vergleich zu den Vortagen versiebenfacht: Mehr als neue 15.100 Fälle kamen hinzu. Landesweit steigt die Zahl der Coronafälle auf fast 60.000.

Spahn: Pandemie nicht ausgeschlossen

Wie das Robert-Koch-Institut schließt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht mehr aus, dass es zu einer weltweiten Pandemie kommen könnte. „Es besteht kein Grund zur Panik, aber wir sollten uns unverzüglich, auch hier, auf alles vorbereiten“, so Schneider-Rathert.

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