Radmuttern gelöst – Urteil gegen rachsüchtigen Mann rechtskräftig

Lebenstedt.  Eine Freiheitsstrafe hatte das Amtsgericht Salzgitter gegen einen rachsüchtigen 32-Jährigen verhängt. Seine Berufung nahm er nun plötzlich zurück.

Weil er alle fünf Radmuttern am Auto einer Frau löste, ist ein 32 Jahre alter Mann nun rechtskräftig verurteilt.

Weil er alle fünf Radmuttern am Auto einer Frau löste, ist ein 32 Jahre alter Mann nun rechtskräftig verurteilt.

Foto: Peter Steffen/dpa

Larissa M. (Name geändert) konnte ihrem Ex kaum entkommen. Der 32-Jährige lauerte ihr immer wieder vor der Wohnung und auf dem Weg zur Arbeit auf, schrieb ihr Nachrichten, bedrohte und beleidigte sie. So sah es das Amtsgericht in Salzgitter. Eine Anordnung des Gerichtes, die ihm untersagte, der 54-Jährige näher als 100 Meter zu kommen, ignorierte er mehr als hundert Mal. Larissas Angst wuchs. Im Juli 2018 löste dann jemand Muttern am Reifen des Autos ihrer besten Freundin. Zu einem Unfall kam es glücklicherweise nicht.

Das Amtsgericht Salzgitter befand im Vorjahr aufgrund von Indizien: Auch hier war der 32-Jährige am Werk. Aus Rache, weil er der Freundin die Schuld für das Ende der Beziehung gab. Zwei Schöffen und eine Berufsrichterin verurteilten den Mann zu einer elfmonatigen Bewährungsstrafe wegen versuchten gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, versuchter gefährlicher Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz. Reue oder Einsicht, so das Schöffengericht in seinem Urteil habe der Man zu keinem Zeitpunkt an den Tag gelegt. Das Gericht hielt die Vorfälle nur „für einen Ausschnitt“ dessen, was die Frau nach der Trennung von dem Mann, mit dem sie ein halbes Jahr zusammengelebt hatte, erdulden musste. Doch der 32-Jährige, inzwischen längst zu seiner Ehefrau und dem gemeinsamen Kind zurückgekehrt, ging in Berufung.

Am Mittwoch sollte die Sache am Braunschweiger Landgericht nun erneut verhandelt werden: Die neun Zeugen konnten jedoch schon bald wieder nach Hause fahren: Der Angeklagte nahm seine Berufung gegen des Urteil überraschend zurück. Damit ist die Entscheidung rechtskräftig. Bisher hatte er stets vehement alle Vorwürfe bestritten. Zu den Gründen machten er und seine Verteidigerin keine Angaben.

Vielleicht lag es auch an den deutlichen Worten des vorsitzenden Richters Eckart Müller-Zitzke, der gleich eingangs der Sitzung klarstellte: „Sollten die Zeugen erneut so aussagen, wie in der ersten Instanz, müssen Sie mit einer Verurteilung rechnen.“ Und mit zusätzlichen Bewährungsauflagen: 1000 Euro würde er dann an das Frauenhaus in Salzgitter zahlen müssen. „Überlegen Sie es sich“, sagte er dem Angeklagten.

Neue Verfahren sind nicht bekannt. Die Trennung scheint der Mann inzwischen anders verarbeitet zu haben.

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