Wie Rentner-Trios und Professoren an Erfindungen tüfteln

Endlich keine Stromrechnung mehr? Erfinder aus der Region könnten es möglich machen. Herbert Welter aus Goslar und Professor Claus Tutur berichten.

Entdecker, Erfinder, Tüftler: Herbert Welter aus Goslar.

Entdecker, Erfinder, Tüftler: Herbert Welter aus Goslar.

Foto: Verena Mai

Erfinder und Entdecker hatten nie einen leichten Stand – ihre Visionen, ihre Ideen wurden oft verlacht, angegriffen, schlimmstenfalls mit der Todesstrafe belegt. Und doch haben sie mitunter die Welt verändert. Auch heute noch wird Erfindungen nicht selten Skepsis entgegengebracht, gerade, wenn die Menschen zu weit über den Tellerrand blicken. Herbert Welter und Claus W. Turtur sind sich noch nie begegnet, dabei haben sie viel gemeinsam:

Sie sind Erfinder, wollen die Menschheit beglücken und haben doch mit viel Gegenwind zu kämpfen. Der eine beschäftigt sich weitgehend mit Alltagsproblemen, der andere mit günstiger Energie. Der eine hat sich gerade eine digitalisierte Weltraumkamera ausgedacht, um zu erkunden, ob es auf Alpha Centauri Leben gibt, der andere hat im Internet bereits „voll durchgerechnet“ publiziert, wie – kostenlose – „freie Energie“ für den kompletten Energiebedarf eines Haushalts genutzt werden könnte. Sind sie Genies? Visionäre? Oder Sonderlinge?

Vom Physikprofessor und der „Raumenergie“

Nun ist Claus W. Turtur ein erfahrener Physikprofessor, der an der Ostfalia lehrt und dem man unterstellen kann, dass er weiß, was er tut. Im Internet gibt es manchen Artikel über ihn, der seine Erfindungen anzweifelt oder ins Lächerliche zieht, was ihn aber nicht weiter stört. „99 Prozent der Menschen sind sehr offen“, sagt Turtur. Er ist überzeugt, dass die von ihm konzipierte Nutzung von „Raumenergie“ ausschließlich von Energieanbietern abgelehnt und auch durch solche Veröffentlichungen hintertrieben wird. Turtur: „Das sind wirtschaftliche Interessen.“

Und darum geht es: Genutzt werden soll die demnach überall vorhandene so genannte Raumenergie, wobei deren Existenz allerdings umstritten ist und die Anhänger mit Verschwörungstheorien in Zusammenhang gebracht werden. Turturs Konzept sieht vor, dass ein komplettes Haus über ein etwa waschmaschinengroßes Gerät mit Energie versorgt werden kann, umweltverträglich, praktisch kostenfrei. „Kein Öl, kein Erdgas, keine Stromrechnung“, wirbt er. Nur die Maschinen müssten hergestellt werden. Dafür würde er auch Geldgeber finden, ist er überzeugt – nur möchte er gerne, dass es freie Energie für alle gibt und niemand sich daran eine goldene Nase verdient.

Musiker hat Patent für Herzschrittmacher

Herbert Welter, der keine wissenschaftliche Ausbildung hat und in erster Linie als Musiker der „Welter Brothers“ bekannt wurde, möchte schon ganz gerne an seinen Erfindungen verdienen. Deshalb hat er in den vergangenen zwei Jahren bereits acht Patente angemeldet. Es sind ganz unterschiedliche Erfindungen, die der Autodidakt gemacht hat, von einem unverkalkbaren Stent über einen Herzschrittmacher mit GPS-Funktion bis zu einem Schnellwechsler für E-Auto-Batterien, wobei für den Wagen lediglich insgesamt eine Batterie genutzt wird, die an jeder Tankstelle voll aufgeladen ausgewechselt werden können soll. Damit soll das E-Auto á la Welter leichter und erschwinglicher sein.

Prototypen gibt es für seine Erfindungen eher nicht, für so etwas hat der Rentner kein Geld. Nur eine Erfindung nutzt er selbst, eine Thermoisolierung für seine Schlafmatratze, seit deren Nutzung er keine Probleme mehr mit Erkältungskrankheiten hat, wie er sagt. Ein weiterer Prototyp, für den Herzschrittmacher, ist einem Wasserschaden im Keller zum Opfer gefallen, sagt Welter.

Goslarer Erfinder kontaktiert potenzielle Geldgeber

Gleichwohl hat er probiert, Geldgeber zu finden – oder zunächst einmal Schirmherren, die das Finden von Investoren erleichtern sollten. Hat Milliardäre, Unternehmer, große Zeitungen und Fernsehsender angeschrieben, für seine Auto-Ideen auch VW und Mercedes. Angebissen hat noch keiner so recht, nur die Deutsche Herzstiftung meldete Interesse an. Dabei möchte Welter gerne in Goslar Arbeitsplätze schaffen. Sollte seine Herzschrittmacher-Idee fruchten, könnte man 500 bis 1000 Mitarbeiter einstellen und einen Umsatz von bis zu 450 Millionen Euro jährlich erlangen, hat er sich ausgerechnet.

Ihm zur Seite stehen zwei Männer, ein Schuhmachermeister und ein Elektronik-Professor aus Berlin. Welter bezeichnet sein Team als „Rentner-Trio“. Die Ideen kommen von Welter. „Ich will nur die Anerkennung, dass ich das initiiert habe“, sagt er. Welter glaubt indes nicht, dass er für einen „Spinner“ gehalten wird, sagt aber über sich selbst: „Ich bin ein ganz schön verrückter Vogel!“ Damit lebe allerdings jeder Erfinder, glaubt er.

Verband erläutert Probleme der Laien-Erfinder

Dass Erfinder angesichts ihrer Theorien mit Skepsis rechnen müssen, weiß auch Elfriede Barthelmes, Leiterin der Bundesgeschäftsstelle des deutschen Erfinderverbandes. „Wir haben hier viele Leute, die wirklich gute Sachen erfinden“, beteuert sie, „aber sie können ihre Erfindungen nicht vermarkten.“ Das liege daran, dass die Industrie als möglicher Abnehmer eigene Patente bevorzuge.

Und trotzdem gibt es Männer, die Sachen erfinden. „Wir mit unseren begrenzten Sinnen sehen so vieles nicht“, glaubt Turtur. Das war auch seine Antriebsfeder, als er begann zu forschen: dabei zu helfen, zu erkennen, was noch alles in der Welt ist. „Alles, was ich gemacht habe, ist open-source, also frei publiziert. Ich denke, das ist das Beste, was ich mit meinen bisherigen Ergebnissen machen konnte, denn meine Arbeit dient dem Wohl der Menschen“, sagt der Professor. Da er über keine Ressourcen verfüge, liege seine Forschung derzeit auf Eis, sagt er.

Auch Welter hat gerade Schaffens-Pause. Zuletzt hat er sich mit schwarzen Löchern beschäftigt, er würde sie nämlich gerne sichtbar machen. „Ich kam nicht weiter, da habe ich es fallenlassen“, sagt er. Die Idee war: Man muss hinter das schwarze Loch kommen, dann könnte man es sichtbar machen. „Die Ideen waren nicht schlecht, aber die Entfernungen sind zu weit“, erläutert Welter. Immerhin, bis Alpha Centauri hat er sich schon durchgerechnet. Und das ist schon deutlich überm Tellerrand.

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