Glänzende Filmsternchen aus Salzgitter mit Chrom, Lack und Leder

Salzgitter.  Salzgitteraner Oldtimer sind immer wieder bei Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Das OldtimerForum und Familie Thulke lieben ihren Fuhrpark.

Filmklappe: Das nächste Projekt läuft bald an: Falko Thulke (links) und Jonas Röttcher.

Filmklappe: Das nächste Projekt läuft bald an: Falko Thulke (links) und Jonas Röttcher.

Foto: Andrea Leifeld

Es war ein spannender Fernsehabend, der am Samstag acht Oldtimer aus Salzgitter und dem nördlichen Harzvorland in den Blickpunkt zahlloser Fernsehzuschauer katapultierte. Bis zur vorletzten Wette der TV-Show „Klein gegen Groß - auf los geht´s los“ mit Moderator Kai Pflaume hatten sich die Oldtimerfreunde gedulden müssen - bis zu jenem Oldtimer-Duell, bei dem Günther Jauch und der zehnjährige Tomke die historischen Fahrzeuge mit verbundenen Augen befühlen und richtig benennen mussten. Nebenbei: Der kleine Tomke besiegte die TV-Größe Günther Jauch, der zum eigenen Verdruss an einem Trabant scheiterte - doch das nur am Rande.

Die Oldtimer stehen in der Samtgemeinde Baddeckenstedt

Mit poliertem Lack und glänzendem Leder präsentierten sich die historischen Schätzchen prächtig und ließen die Herzen der Oldtimerfreunde höher schlagen. Umso erstaunter konnten Kenner der Oldtimer-Szene sein, dass alle gezeigten Fahrzeuge im legendären OldtimerForum Salzgitter gelistet sind und über Verbindungen der ortsansässigen Oldtimervermittlung „Thulke classic“ der Fernsehproduktion zur Verfügung gestellt wurden. Wow! Ein Treffen zum Pressetermin, mit den lokalen Oldtimer-Freaks Falko und Wolfgang Thulke, führte erst in ein schmuckes Einfamilienhaus im Süden von Salzgitter-Bad und schließlich zu einer ungenannten Oldtimergarage im Gebiet der Samtgemeinde Baddeckenstedt.

Dort sticht den Liebhabern dieser historischen Vehikel nicht nur der Mercedes Benz „Ponton“ aus den 1950er-Jahren ins Auge, sondern auch der legendäre VW „Bulli“ T1. Aber auch ein 190er Avantgarde von 1992, eine stylische S-Klasse der 60er-Jahre, ein DKW-Motorrad von 1955 und ein schmuckes Mercedes Cabriolet, Baujahr 1996, um nur einige zu nennen, warten dort abgedeckt unter weißen Tüchern auf ihren großen Auftritt. Man muss kein Mathe-Genie sein, um zu erkennen, dass nicht jedes Fahrzeug in dieser Runde ein Oldtimer, sprich älter als 30 Jahre ist. Aber in guten Händen, um das begehrte H-Kennzeichen für „Historisch“ zu bekommen, ist jedes der hier stehenden Schätzchen.

Thulke: Junge Leute interessieren sich kaum noch für alten Fuhrpark

„Nur weil ein Fahrzeug 30 Jahre alt wird, bekommt es noch lange nicht das H-Kennzeichen“, weiß Wolfgang Thulke. Es muss original erhalten sein. „Es darf nicht verbaselt oder verändert sein. Krasses Beispiel: Wenn ich in einen Oldtimer einen Elektromotor einbaue, bekommt er kein H-Kennzeichen“, so Thulke.

Es gehöre schon viel Liebe und Sachverstand dazu, solche alten Fahrzeuge funktionsfähig zu halten. Jüngere Leute, so bedauert er, interessierten sich kaum noch für solch einen alten Fuhrpark. Aber er selbst habe Glück, weil er seine Leidenschaft mit seinem Sohn Falko teilen kann. „Mir wurde es in die Wiege gelegt“, erinnert sich der 1977 geborene Falko an eine Kindheit in der Autowerkstatt.

Bereits 1932 besaß sein Großvater ein Metallgeschäft in Braunschweig, reparierte Fahrräder, Motorräder und später auch Autos. Später siedelte die Familie nach Salzgitter um, wo der kleine Falko in die Materie hineinwuchs. „An die Erlebnisse mit den alten Fahrzeuge hat jeder irgendwo seine persönlichen Erinnerungen. Damals waren Autos sowas sie Familienmitglieder.“ Wichtig sei es, mit dem Herz dabei zu sein.

„Autos waren wie Familienmitglieder“

Als es ihn vorübergehend nach Berlin verschlug, nahm er seine Leidenschaft zum alten Blech mit und knüpfte Kontakte zu den Filmstudios in Babelsberg. Seit nunmehr 2010 ist Falko Thulke mit seinem „Thulke classic“-Fuhrpark und dem Oldtimerforum Salzgitter ein beständiger Ansprechpartner für deutsche und internationale Film- und Fernsehproduktionen. Und auch er hat Glück: Mit dem angehenden KFZ-Mechatroniker Jonas Röttcher steht ihm ein junger Mann zur Seite, der sich im Herzen auch der Technik jener alten Schätzchen verschrieben hat.

Für Kinofilme wie „Monuments Men“ und „Bridge of Spies“ rollten die Thulke Klassiker bereits über die Leinwand. Ebenso für die TV-Kult Hit „Babylon Berlin“ und die ZDF-Krimiserie „Schuld“ von Ferdinand von Schirach. Und der Begriff Fuhrpark ist da wörtlich gemeint: Nicht nur Autos, sondern auch Motorräder, Fahrräder, Nutzfahrzeuge, Kleinflugzeuge oder Boote werden beständig gesucht. „Wenn für Dreharbeiten was gebraucht wird, bin ich mit einer der erster Ansprechpartner“, so Falko Thulke. Der Oldtimer-Markt in der Filmwelt sei stark umkämpft. „Es ist sehr wichtig, gut aufgestellt zu sein.“

Und damit wären dann die Leser unsere Zeitung im Boot: „Wir suchen immer gut erhaltene Fahrzeuge bis Baujahr 2000, also auch sogenannte Youngtimer, die wir in unsere Kartei zur Erweiterung unseres Filmauto-Pools für künftige Dreharbeiten aufnehmen können.“ So beispielsweise brandaktuell für die nächste Staffel von Babylon Berlin, die in Vorbereitung ist. Derzeit gesucht werden Fahrzeuge, die vor 1931 gebaut wurden. Nicht selten würden auch die Fahrzeugbesitzer als Komparsen am Set eingebunden. Unter 0178 – 5446677 und falko.thulke@web.de steht der Oldtimer-Freak Falko Thulke für Anfragen parat.

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