Deutsche Eishockey-Liga

Grizzlys Wolfsburg nach Traumstart vom Aufsteiger düpiert

| Lesedauer: 5 Minuten
Bild mit Symbolcharakter: Grizzlys-Stürmer Fabio Pfohl (hinten, Zweiter von links) muss sich hier von Frankfurts Reid McNeill herumschubsen lassen.

Bild mit Symbolcharakter: Grizzlys-Stürmer Fabio Pfohl (hinten, Zweiter von links) muss sich hier von Frankfurts Reid McNeill herumschubsen lassen.

Foto: City-Press GmbH / Grizzlys Wolfsburg/oh

Wolfsburg.  Nach Traumstart mit Furchner-Ehrung und 2:0-Führung verpatzt Wolfsburgs Eishockey-Erstligist den Saisonstart in der DEL und verliert noch 2:5.

Die Grizzlys Wolfsburg leisteten sich zum Saisonauftakt einen Patzer. Im Heimspiel gegen Aufsteiger Löwen Frankfurt unterlagen sie trotz einer frühen 2:0-Führung mit 2:5 (2:1, 0:1, 0:3). Die Treffer von Jean-Christophe Beaudin und Trevor Mingoia reichten nicht. Nathan Burns (3), Brett Breitkreuz und Brendan Ranford bescherten mit ihren Toren den Hessen ein Comeback nach Maß in der Deutschen Eishockey-Liga.

Mehr zum Thema:

Der ergreifendste und zugleich ein sporthistorischer Moment des Abends ereignete sich vor dem Auftaktbully. Das Grizzlys-Trikot mit der Nummer 17 wurde unters Hallendach gezogen. Zu Ehren des ehemaligen Kapitäns Sebastian Furchner, der seine ruhmreiche Karriere (1119 DEL-Einsätze) nach der vergangenen Saison hatte beenden müssen. Als sechster Wolfsburger Spieler wurde ihm die Ehre zuteil, dass seine Rückennummer nicht mehr vergeben wird. Zuvor hatten die Grizzlys bereits Jan Zurek (Nummer 31), Norm Milley (14), Tyler Haskins (10), Jeff Likens (9) und Christoph Höhenleitner (21) auf die Weise für ihre Verdienste für den Klub geadelt.

Zusammen mit Ehefrau Andrea sowie den Töchtern Emma und Lena betrat „Furchi“ im schicken dunklen Anzug zur feierlichen Zeremonie das Eis und wurde von den Fans gefeiert. Auch die langjährigen Teamkollegen Armin Wurm und Gerrit Fauser sowie Manager Charly Fliegauf nahmen neben dem neuen Teammanager Aufstellung und überreichten diesem einen vergoldeten Puck und eine vergoldete Schlägerkelle, versehen mit Gravur. Sichtlich gerührt nahm Furchner die Präsente entgegen.

Führung durch Beaudin

Seine ehemaligen Teamkameraden begannen nach einem kurzen Moment der Orientierung rasant. Die erste gegnerische Strafe (zu viele Spieler auf dem Eis) bestraften sie mit dem 1:0 durch Beaudin (5. Minute), der in seiner Spielweise und durch seine Erscheinung ein wenig an den jungen Tyler Haskins (einst Kapitän, jetzt Co-Trainer) erinnert. Nur 22 Sekunden später erhöhte der rechtzeitig fit gewordene Trevor Mingoia auf 2:0.

Das DEL-Comeback der Löwen drohte, früh zu einem Desaster zu werden. Doch dann vergaßen die Gastgeber ein wenig das Arbeiten und verringerten den Druck auf den Gegner. Bis zur ersten Pause gab es noch vier gute Chancen. Nur eine für Wolfsburg durch Kapitän Spencer Machacek (10.) in Unterzahl, aber drei für Frankfurt durch Cartner Rowney (10.), Burns (19.) und Ryan Olson (20.). Der mittlere Versuch war zum 2:1 drin. Die beiden anderen Schüsse parierte der bis dahin gut aufgelegte Dustin Strahlmeier im Grizzlys-Tor.

Mingoia trifft das Lattenkreuz

Im ereignisarmen Mitteldrittel vergab Mingoia zwei Riesenmöglichkeiten, ein Lattenkreuztreffer war darunter. Und die Löwen? Die hatten Burns, der zum zweiten Mal eiskalt einnetzte – 2:2 (38.).

„Wir sind gut gestartet, haben wichtige und schnelle Tore erzielt. Dann aber haben wir den Rhythmus und die Scheiben zu schnell verloren“, bemängelte Center Fabio Pfohl bereits in der zweiten Pause am Mikrofon von Magenta-Sport. Was anfangs gut funktionierte („gute erste Pässe, Forecheck“), stockte plötzlich. „Wir müssen durch Arbeit ins Spiel kommen“, forderte Pfohl für den Schlussabschnitt.

Drei Gegentreffer im Schlussabschnitt

Und durch die Fans? Die 2512 Zuschauer machten jedenfalls durchgängig Stimmung in der Eis-Arena. Die Wolfsburger unter ihnen merkten, dass ihre Grizzlys mehr Unterstützung brauchten, als denen lieb war. Beweis: Trotz optischer Wolfsburger Überlegenheit war er es erneut Burns, der in der zweiten Welle des Frankfurter Angriffs erfolgreich war (51.). Plötzlich lag die favorisierte Mannschaft von Trainer Mike Stewart mit 2:3 hinten.

Und es kam noch schlimmer. Breitkreuz (55.) packte das Frankfurter 4:2 drauf. Knapp drei Minuten vor dem Ende nahm Stewart den Torwart zugunsten des sechsten Feldspielers raus, ging ins Risiko. Belohnt wurde es nicht. Ranford traf in der Schlussminute zum 5:2-Endstand ins leere Tor der Wolfsburger. Die können nun erst einmal ihre Wunden lecken, sind am Sonntag spielfrei. Erst am Mittwoch (19.30 Uhr) bei den Kölner Haien geht es für sie weiter.

Spiel kompakt:

Grizzlys Wolfsburg: Strahlmeier – Möser, Murray; Bittner, Wurm; Krupp, Zajac; Mass – Rakhshani, Jeffrey, Machacek; Schinko, Morley, Archibald; Mingoia, Beaudin, Braun; Dumont, Pfohl, Klos.

Löwen Frankfurt: Hildebrand – Maginot, Scarlett; Gläßl, Vandane; McNeill, Reiner; Wirt – Ranford, Rowney, Bokk; Olsen, Wruck, Elsner; Wenzel, McMillan, Eisenmenger; Breitkreuz, Burns, Schwartz.

Tore: 1:0 (04:15) Beaudin (Jeffrey, Zajac/5:4), 2:0 (04:37) Mingoia (Morley, Archibald), 2:1 (18:10) Burns (Breitkreuz, Schwartz), 2:2 (37:33) Burns (Scarlett, Maginot), 2:3 (50:50) Burns (Breitkreuz, Scarlett), 2:4 (54:50) Breitkreuz (Rowney, Bokk), 2:5 (59:27) Ranford (Rowney/Empty-Net-Goal).

Strafen: Wolfsburg 6 Minuten, Frankfurt 6 Minuten.

Schiedsrichter: Sirko Hunnius und Sean MacFarlane.

Zuschauer: 2512 in der Eis-Arena.

Personal: Den Grizzlys fehlten die verletzten Gerrit Fauser und Ryan Button. Thomas Reichel war überzählig und deshalb an Zweitliga-Kooperationspartner Kassel Huskies ausgeliehen. Als überzähliger Ausländer saß Justin Pogge auf der Tribüne. Ersatztorwart war der junge Ennio Albrecht.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de