Fußballer der TSG Mörse müssen ihren Aufstiegstraum begraben

Mörse.  Auch wenn Fußball-Bezirksligist TSG Mörse im Falle des Saisonabbruchs nach Quotientenregel der Landesliga-Aufstieg zustünde – es wird wohl nichts.

Für Davide Albanese (am Ball) und die TSG Mörse wird es wohl nichts mit dem Aufstieg, der SV Calberlah (rechts Gian-Luca von Spiczak-Brzezinski) dürfte davon profitieren.

Für Davide Albanese (am Ball) und die TSG Mörse wird es wohl nichts mit dem Aufstieg, der SV Calberlah (rechts Gian-Luca von Spiczak-Brzezinski) dürfte davon profitieren.

Foto: Jens Semmer / regios24

Sie haben dieses Szenario schon einmal erlebt. In der Saison 2010/11 hätten die Fußballer der TSG Mörse als Bezirksliga-Meister eigentlich in die Landesliga aufsteigen dürfen. Da der Verein in der A-, B- und C-Jugend aber keine eigene Mannschaft stellte, sondern in sämtlichen Altersklassen lediglich als Spielgemeinschaft mit dem TSV Ehmen an den Start ging, scheiterte der Aufstieg der TSG damals an den Vorgaben des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV).

Nun, genau neun Jahre später, könnte sich die Geschichte für die Kicker aus dem Herzbergstadion wiederholen. Zwar ist die Spielzeit in der Bezirksliga aus bekannten Gründen nicht beendet, die Elf des Trainerduos Thomas Orth und Marco Ament hätte sich aber berechtigte Hoffnungen machen dürfen, in der kommenden Saison in der Landesliga zu spielen – gesetzt den Fall, dass beim außerordentlichen Verbandstag des NFV am Samstag die Entscheidung getroffen wird, die Serie 2019/2020 abzubrechen und sie anhand einer Quotientenregelung mit Aufsteigern zu werten. Da der Tabellenerste Mörse und der drittplatzierte SV Calberlah denselben Punktequotienten (2,333) aufweisen, hätte somit der bessere Tordifferenzquotient (2 zu 1,466) für die TSG gesprochen.

Zu wenig Nachwuchs

Tatsächlich dürfte der Aufstieg der Wolfsburger aber erneut an der zu geringen Anzahl an Jugendspielern scheitern. Laut § 18 Abs. 1 der Spielordnung des NFV müssen etwaige Landesliga-Aufsteiger nämlich die Zahl von 15 vereinseigenen Spielern in der A-, B- und/oder C-Jugend nachweisen – eine Auflage, die die TSG Mörse nicht erfüllt, wie Egon Trepke, Vorsitzender des NFV-Bezirks Braunschweig, und Jörg Zellmer, Vorsitzender des Bezirks-Spielausschusses des NFV-Bezirks Braunschweig, auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt haben.

Zwar sei laut Zellmer schon häufiger darüber diskutiert worden, diese Regelung zu kippen, jedoch hätten der NFV-Bezirksvorstand und die Kreis-Vorsitzenden dies mit dem Verweis darauf, dass Vereine für die Förderung des Jugendsports verantwortlich seien, immer wieder abgelehnt. Trepke und Zellmer betonten auch, dass ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung keine großen Aussichten auf Erfolg hätte, „weil es gewisse Satzungen und Ordnungen gibt, die wir einhalten müssen“, sagte der Bezirksvorstand.

Mais: Nicht einleuchtend

TSG-Abteilungsleiter Stefan Mais erklärte derweil, dass er die aktuelle Regelung nicht einleuchtend findet: „Wie sollen mir etwa 30 C-Jugendliche im Herrenbereich helfen? Das ist für mich nicht schlüssig.“ Auch hält Mais die Regelung nicht mehr für zeitgemäß – und verweist auch auf die bundesweite Entwicklung: „Allein im vergangenen Jahr wurden in ganz Deutschland mehr als 4000 Mannschaften abgemeldet. In Wolfsburg haben wir auf A-Jugend-Kreisebene noch drei Teams, im Bezirk sind es vier, und auch auf B- und C-Jugend-Ebene im Kreis nur noch jeweils fünf. Deshalb könnten gut die Hälfte der 30 Wolfsburger Vereine, die im Herrenbereich am Spielbetrieb teilnehmen, die Vorgaben des NFV gar nicht erfüllen.“

Ein Grund für die sinkenden Mitgliederzahlen im Jugendfußball, so Mais, sei das Thema Ganztagsschule, weil den Kindern angesichts der längeren Unterrichts- und Präsenzzeit weniger Zeit für den Freizeitsport bliebe. Zum anderen würden sich aber auch viele Jugendliche ab dem B-Jugend-Alter (15 bis 17) aufgrund der nahe gelegenen Schulzentren auf der Kreuzheide und in Vorsfelde für die Stadtkonkurrenten Lupo Martini Wolfsburg und SSV Vorsfelde entscheiden – zum Nachteil für die TSG.

„Wir investieren viel“

Dem eventuellen Vorwurf, sich zu wenig um den Nachwuchs zu kümmern, tritt Mais aber entschieden entgegen: „Wir investieren viel in unsere Jugendarbeit, zahlen Trainerhonorare und haben Ende 2018 unser Mädchenprojekt gestartet.“ Bei Letzterem handelt es sich um die D-Juniorinnen der JSG Heiligendorf/Hattorf/Mörse.

Sollte auf dem Verbandstag dafür gestimmt werden, die Saison abzubrechen und mittels einer Quotientenregelung mit Aufsteigern zu werten, würden die Mörser Verantwortlichen eine Ausnahmegenehmigung für den Landesliga-Aufstieg beantragen. Mais: „Es wäre unser gutes Recht, die einzureichen, zumal das jedes Jahr mehrere Vereine in ganz Niedersachsen machen.“ Erfolg wird dem TSG-Gesuch aber wohl nicht beschieden sein.

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