Das Leder ruht (fast) überall

Gifhorn.  Fußball: Der Bezirk und Kreis haben ihre Vereine Corona-bedingt bereits in die Winterpause geschickt. Nur der MTV Gifhorn muss noch einmal ran.

Zweikämpfe auf engen Raum, ja Fußball generell: Das ist für Kästorfs Jannes Drangmeister (Mitte) und alle Gifhorner Kicker, die auf Kreis- und Bezirksebene aktiv sind, erstmal passé. Die Partien an diesem Wochenende sind abgesetzt und ab Montag ist der Trainings- und Spielbetrieb allgemein untersagt.

Zweikämpfe auf engen Raum, ja Fußball generell: Das ist für Kästorfs Jannes Drangmeister (Mitte) und alle Gifhorner Kicker, die auf Kreis- und Bezirksebene aktiv sind, erstmal passé. Die Partien an diesem Wochenende sind abgesetzt und ab Montag ist der Trainings- und Spielbetrieb allgemein untersagt.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Das Leder rollt nur noch auf Verbandsebene, nicht aber in Spielen des NFV-Kreises Gifhorn und des NFV-Bezirks Braunschweig: Auf Grundlage der Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch kündigte der Niedersächsische Fußballverband (NFV) an, dass ab Montag, 2. November, der Spielbetrieb ruhen soll. An diesem Wochenende hätte somit in Niedersachsen bis
hinunter zur Kreisebene noch gespielt werden können. Der NFV-Bezirk Braunschweig und der NFV-Kreis Gifhorn legten sich allerdings jeweils auf eine sofortige Unterbrechung des Spielbetriebs fest.

Spielbetrieb bis Sonntag möglich

Andere Sportverbände, angefangen bei den Handballern, hatten bereits Anfang der Woche die Aussetzung des Spielbetriebs bis Ende November oder gar bis zum Jahresende beschlossen. Der NFV wartete indes noch die Ergebnisse der Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch ab, bevor er dann ein eigenes Vorgehen festlegte. Die Ungewissheit der Fußballspieler und Vereine, ob denn nun am Wochenende gespielt werden soll, klärte sich dann in den Abendstunden ­– zumindest vermeintlich. Denn dann gab der Landesverband die Mitteilung heraus, dass an diesem Wochenende noch gespielt werden könne, ab Montag dann aber jeglicher Trainings- und Spielbetrieb zu ruhen habe.

„Wir haben uns bisher immer an den jeweiligen behördlichen Verfügungslagen orientiert und werden auch diesmal die behördlichen Vorgaben zum Schutz der Gesundheit unserer Mitglieder 1:1 umsetzen“, wird NFV-Präsident Günter Distelrath in einer Mitteilung zur außerordentlichen Präsidiumssitzung zitiert. Die Orientierung an den behördlichen Verfügungslagen bedeute darüber hinaus zweierlei: „In den Gebieten Niedersachsens, wo die Corona-Situation eine Austragung der Partien zulässt, darf am kommenden Wochenende noch gespielt werden.“ Darüber hinaus werde der Spielbetrieb so lange ausgesetzt, wie die Verfügungslage andauert.

Zudem sagte der NFV-Präsident: „Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, und ich möchte jeden dringend darum bitten, die Kontaktbeschränkungen zu befolgen und alles Notwendige zu tun, um die Lage zu entspannen. Es geht um unsere Gesundheit und um die unserer Familien. Der Fußball spielt dahingehend nur eine untergeordnete Rolle, und trotzdem bin ich mir bewusst, dass die erneute Aussetzung des Spielbetriebs die Vereine hart trifft.“

Kreis und Bezirk gehen eigenen Weg

Die Absicht, an diesem Wochenende noch Fußballspiele zuzulassen, wenn ab Montag das öffentliche Leben aus Schutzgründen stark eingeschränkt wird, stieß in der Region auf wenig Verständnis. Der NFV-Kreis Gifhorn, bei dem nun im Herrenbereich die Achtelfinalpartien der Pokalwettbewerbe angestanden hätten, erklärte am Donnerstagmorgen: „Wir sehen keine sachlichen Gründe, am Wochenende noch Pflichtspiele durchführen zu lassen. Wir wissen, dass wir mit dieser Entscheidung nicht alle zufriedenstellen werden.“ Der Spielbetrieb auf Kreisebene werde sofort und nicht erst ab 2. November eingestellt. Eine Ansetzung der ausfallenden Spiele wird nach Rahmenspielplan frühestens vor Beginn der Rückrunde erfolgen, so dass der NFV-Kreis Gifhorn mit dieser Entscheidung in die Winterpause geht.

Am Mittag zog der NFV-Bezirk Braunschweig mit einer knappen Mitteilung nach: „Der Bezirksspielausschuss hat heute Morgen entschieden, den kommenden Spieltag in allen Spielklassen abzusagen. Bitte bleibt alle gesund!“ Auf Nachfrage erklärte Thorsten Tunkel, Staffelleiter der Landesligen der Männer und der Frauen, dass es der vernünftigste Schritt sei: „Wenn mein Haus brennt, gehe ich auch nicht erst noch duschen, sondern verlasse es sofort.“

Beschluss kommt gut an

Bei Stefan Timpe, Trainer des Landesligisten SV GW Calberlah, findet die Entscheidung, die Partien abzusagen, Anklang: „Ich finde es wirklich gut, dass da so konsequent entschieden wurde“, lobt Timpe die Verantwortlichen auf Kreis- und Bezirksebene. „Es ist das einzig Richtige, nicht zu spielen.“ Wäre anders entschieden worden, hätte es bei den Grün-Weißen zumindest gedankliche Widerstände gegen die Austragung der Partie gegeben: „Wir hatten mit der Mannschaft schon besprochen, wie wir uns dazu positioniert hätten, wenn wir am Sonntag noch hätten spielen sollen“, erzählt Timpe. Es wäre aus seiner Sicht ethisch verwerflich gewesen, noch normal Fußball zu spielen, wenn einen Tag später das öffentliche Leben aus gutem Grund fast komplett ruht.

Beim Nachbarn MTV Isenbüttel ist die Gemütslage sehr ähnlich. Noch bevor die Absage beschlossen wurde, hatte MTV-Trainer Rouven Lütke gesagt: „Eigentlich wäre es mir am liebsten, wenn unser Spiel nicht stattfindet. Ich habe gerade gar nicht die Birne dafür, um über Fußball nachzudenken.“ Denn auch an seiner Landesliga-Truppe sei die Pandemie nicht spurlos vorbeigegangen. Schon während der Saisonvorbereitung hatte es Einschränkungen gegeben, auch zuletzt sei der Trainingsbetrieb gestört gewesen. Deshalb begrüßt Lütke die Entschei­dung nun. „Wir haben in Gifhorn ja auch die 50 gerissen“, nimmt er Bezug auf die steigende Inzidenzzahl im Kreis.

Beim Staffelrivalen SSV Kästorf war man derweil heiß auf das vermeintlich letzte Spiel für längere Zeit: Um sich auf das Kunstrasenspiel in Lamme vorzubereiten, bestritt der SSV am Mittwochabend noch einen Test auf gleichem Untergrund beim BV Germania Wolfenbüttel (0:2).

Sajmir Zaimi, Trainer der Kästorfer, hätte eigentlich noch gerne so viele Spiele wie möglich vor der Winterpause absolviert. Ihm seien keine Fälle bekannt, bei denen sich Fußballer im Spiel infiziert hätten. Da sei eher das Drumherum mit Zuschauern, den Kabinen und ähnlichem ein Faktor, „bei dem wir weitere Einschränkungen für mehr Sicherheit hätten umsetzen können“, zeigt er auf, dass der Stillstand im Amateursport aus seiner Sicht nicht zwangsläufig gewesen wäre. „Aber die Entscheidung und die Verantwortung liegen auch nicht bei uns.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder