Jannika Pribyl: Traum von Regionalliga und DFB-Pokal

Gifhorn.  Fußball: Auch wenn Jannika Pribyl noch ohne Pflichtspieltor für den TSV Barmke ist, so fällt das Zwischenfazit der Ex-Gifhornerin positiv aus.

Inzwischen spielt Jannika Pribyl beim Oberligisten TSV Barmke mit ehemaligen Erst- und Zweitliga-Spielerinnen zusammen um den Aufstieg in die Regionalliga.

Inzwischen spielt Jannika Pribyl beim Oberligisten TSV Barmke mit ehemaligen Erst- und Zweitliga-Spielerinnen zusammen um den Aufstieg in die Regionalliga.

Foto: Jens Semmer / regios24

In den vergangenen Jahren war sie so etwas wie das Gesicht und die sportliche Lebensversicherung der SV Gifhorn in der Fußball-Landesliga der Frauen. Im zurückliegenden Sommer entschloss sich Jannika Pribyl dann aber dazu, sich noch einmal einer neuen Herausforderung zu stellen und schloss sich dem Oberliga-Spitzenteam TSV Barmke an. Nach ihrem ersten halben Jahr bei ihrem neuen Verein zieht die Stürmerin ein fast ausnahmslos positives Zwischenfazit.

Nachdem sie 2006 beim SSV Kästorf ihre ersten Schritte im Fußball gemacht hatte, trug die heute 23-Jährige für zwölf Spielzeiten das Trikot der SV Gifhorn – unterbrochen lediglich in der Saison 2013/14, in der sie im U17-Bundesliga-Team des VfL Wolfsburg spielte. In den letzten Jahren war Pribyl stets beste Torschützin ihres Teams und hatte damit maßgeblichen Anteil daran, dass sich die Eyßelheiderinnen immer in der Landesliga hielten.

Schon länger hatte Barmkes Trainer Marcel Kirchhoff um die technisch starke, einsatzfreudige Angreiferin gebuhlt – zunächst vergeblich. „Ich wollte mich zwar noch mal höherklassig beweisen, die Entscheidung ist mir aber schwergefallen, weil die Mädels in Gifhorn wie eine Familie für mich sind“, erklärt Pribyl. Abwägen musste sie zudem den hohen Zeit- und Fahrtaufwand (rund 60 Kilometer pro Strecke).

Letztlich waren TSV-Spielerin Leonie Stenzel und der Ausbruch der Corona-Pandemie ausschlaggebend für ihren Wechsel. Mit Stenzel, die es 2019 vom Zweitliga-Team des VfL Wolfsburg zum Helmstedter Oberligisten zog, hatte Pribyl früher in der Bezirksauswahl und in der VfL-Jugend zusammengespielt. „Wir sind befreundet, haben alle paar Monate mal was zusammen unternommen, und das hat sie jedes Mal genutzt, um mich zu einem Wechsel nach Barmke zu bewegen“, erzählt Pribyl lachend.

Als dann die vergangene Spielzeit im Frühjahr Corona-bedingt abgebrochen wurde, „war für mich irgendwie die Luft ein bisschen raus“, so die Stürmerin. Also gab sie dem Buhlen von Kirchhoff und Stenzel doch nach und spielt nun in Barmke mit weiteren Zweitliga-erfahrenen Spielerinnen Seite an Seite: Neben Stenzel spielten auch schon Katharina Runge und Johanna Bartel für die Zweite des VfL. Im Sommer stieß dann noch Torhüterin Jana Burmeister, die mit den „Wölfinnen“ sechsmal deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger sowie zweimal Champions-League-Sieger geworden war, zum Barmker Team.

Angesichts dieser Erfahrung und Qualität im Team zeigte sich schnell, wie sehr das neue Umfeld Pribyl weiterbringt – angefangen dabei, „dass es besser ist zu trainieren, wenn man weiß, dass ein gewisser Leistungsdruck da ist. In Gifhorn war ich auch gesetzt, wenn ich mal angeschlagen war oder zwei Wochen nicht trainiert hatte“, erzählt sie. Beim TSV müsse sie sich hingegen immer wieder aufs Neue beweisen, was die Spannung und Konzentration dauerhaft hoch halte.

„Das Training ist unglaublich abwechslungsreich und effektiv, und trotzdem schafft es Marcel, dabei den Spaßfaktor hochzuhalten“, lobt Pribyl ihren neuen Coach. Ebenso begeistert zeigt sich die 23-Jährige von ihren Teamkolleginnen: „Es ist eine richtig gute Mischung aus Ehrgeiz und Spaß und eine charakterlich so coole Truppe. Ob im Spiel, im Training oder danach: Man merkt immer, dass wir ein Team sind.“

Schon jetzt stellt die Gifhornerin fest, dass sie gerade in Sachen Spielverständnis einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Diesbezüglich ließen sich Landesliga und Oberliga „absolut nicht vergleichen“, so Pribyl, die erläutert: „Wir rotieren viel mehr, außerdem habe ich gelernt, wie ich unnötige Wege vermeide und die richtigen Laufwege erkenne.“

Bis zur neuerlichen Unterbrechung des Spielbetriebs lief es für den TSV insgesamt rund. In der Vorbereitung nährten die Auftritte die Ambitionen, beispielsweise gab es einen 4:3-Sieg gegen den Magdeburger FFC, der als ungeschlagener Tabellenführer der Regionalliga Nordost (Staffel Süd) in die Winterpause ging. Dem VfL Wolfsburg II unterlagen die Barmkerinnen lediglich mit 2:4. Und nach einem 10:0-Kantersieg im NFV-Pokal gegen den TuS Bröckel, bei dem Lena Pribyl, Jannikas Cousine, spielt, blieben die TSV-Frauen auch in ihren fünf Oberliga-Partien ungeschlagen (13 Punkte, Platz 2 in Staffel B).

Daher blickt die Gifhornerin dem Re-Start im neuen Jahr erwartungsfroh entgegen: „Ich denke schon, dass wir die Qualität haben, um in die Regionalliga aufzusteigen. Und vielleicht können wir uns mit der Qualifikation für den DFB-Pokal auch noch unseren zweiten großen Traum erfüllen“, nennt Pribyl sportliche Ziele für 2021.

Ganz persönlich hofft sie, dass sie den einzigen Kratzer auf ihrer so positiven Zwischenbilanz ihrer Zeit in Barmke aufpolieren kann: „Ich mache mir selbst immer großen Druck. Deshalb ärgert es mich extrem, dass ich bisher noch kein Pflichtspieltor erzielen konnte. Auch wenn mir der Trainer sagt, dass ich der Mannschaft auf andere Weise helfe, beispielsweise indem ich Räume für andere schaffe, den Ball behaupte oder Tore auflege: Der Knoten muss bei mir im neuen Jahr platzen!“

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