Handball-Talent Kusian ist auf dem Sprung nach oben

Vorsfelde  Die 16-Jährige hat in Vorsfelde angefangen, mittlerweile spielt sie in Hannover so gut, dass der DHB sie eingeladen hat.

Maraike Kusian

Maraike Kusian

Foto: Privat

. Zweitliga-Aufstieg und Europameisterschafts-Teilnahme im Sommer 2019? Maraike Kusian arbeitet akribisch am Zustandekommen der ganz großen Highlights. Die 16-Jährige hat beim MTV Vorsfelde das Handballspielen begonnen und im Jahr 2018 den Schritt ins Sport-Internat nach Hannover gewagt, belohnt wurde sie mit ihren ersten U17-Länderspielen für Deutschland.

Die beiden Einsätze Anfang Januar gegen die Schweiz waren Meilensteine der noch jungen Karriere Kusians. Die Vorsfelderin war erstmals im Aufgebot des deutschen U17-Teams. Für Kusian eine besondere Erfahrung: „Die Hymne vor dem Spiel zu hören, war sehr emotional. Als es losging, war die Nervosität aber weg. Da hat es einfach nur noch Spaß gemacht.“ Die 16-Jährige hat sich mit starken Leistungen bei Drittligist TV Hannover-Badenstedt in den Fokus des DHB gespielt. Seit Juli ist Kusian im Kader von Badenstedts „Jungen Wilden“.

Nun winkt die Drittliga-Meisterschaft und im Juli die Teilnahme an der U17-Europameisterschaft im slowenischen Celje. Das ist die große Bühne des Jugend-Handballs. Und angefangen hat das alles in Vorsfelde.

Keine drei Jahre war Kusian alt, da hatte sie erstmals einen Ball in der Hand. Mit vier war sie bei den Minis des MTV Vorsfelde. Ab der E-Jugend spielte Kusian mit Jungen, in den Mädchen-Teams war sie unterfordert. In der C- und B-Jugend war die Vorsfelderin für die JSG Allertal am Ball, bis die sich in 2016 auflöste. „Dann kam der Anruf aus Hannover“, berichtet Vater Gunnar Kusian.

Florian Marotzke, bis 2017 Trainer und Jugendkoordinator der HSG Hannover-Badenstedt, bekundete Interesse, wollte das Vorsfelder Nachwuchstalent zum damaligen Zweitligisten lotsen. Kusian folgte dem Ruf der HSG. Fortan wurde gependelt: Schule in Vorsfelde, Training in Hannover. „Wir haben viel Zeit im Auto verbracht: Hausaufgaben machen, Abendbrot essen – das wurde meist auf der Fahrt erledigt“, erinnert sich Gunnar Kusian. Doch der Aufwand zahlte sich aus.

Im Sommer 2018 kam das Angebot, ins Lotto-Sportinternat zu wechseln. Seit August lebt und trainiert Kusian in Hannover. „Das war zu Anfang schwierig. Meine Eltern und Freunde sind nun mal in Vorsfelde“, erklärt die 16-Jährige. Doch die Vorsfelderin hat sich zurechtgefunden, ist mittlerweile voll drin im Internats-Alltag. Der besteht aus Training und Schule. „Ich trainiere achtmal pro Woche: dreimal morgens und fünfmal abends“, berichtet Kusian. Noch vor 8 Uhr startet die erste Trainingseinheit, ab 9 Uhr wird die Schulbank gedrückt, bis nachmittags. Abends ist wieder Training. An den Wochenenden ist Kusian in der Regel zweimal im Einsatz: in der 3. Liga und in der Jugend. Bis sie ihr Abitur hat, will Kusian das durchziehen. „Irgendwann würde ich gerne mal in der 1. Liga spielen, aber derzeit geht ganz klar die Schule vor. Bevor die nicht abgeschlossen ist, mache ich mir darüber keine Gedanken“, betont die 16-Jährige.

Die Nominierung fürs DHB-Team zeigt jedoch, dass die Vorsfelderin auf dem richtigen Weg ist. In Zug spielte sie erstmals für die U17 Deutschlands. Im März stehen zwei Tests gegen Frankreich an, anschließend ein Lehrgang, dann die Europameisterschaft in Celje. Aus den Tagen bei der Nationalmannschaft könne sie besonders viel mitnehmen, verrät Kusian. „Die Trainingsumfänge beim DHB sind nochmal höher. Wir haben bis zu vier Einheiten am Tag – Lauftraining, Handball, Kraft und Regeneration. Da werden wir auf Belastbarkeit getestet.“

Als Rechtsaußen hat Kusian gute Aussichten auf einen Platz im DHB-Kader für Celje 2019. Wenn alles glatt läuft, reist sie als Drittliga-Meisterin zur Nationalmannschaft. Mit Hannover-Badenstedt dominiert die Linkshänderin die 3. Liga Nord. „Sportlich sollten wir den Aufstieg schaffen“, sagt Kusian. Offen sei aber, ob der Verein es finanziell stemmen kann, Zweitliga-Handball zu spielen. Ob 2. oder 3. Liga, der TV bietet aktuell beste Bedingungen für die Vorsfelderin.

Unter Trainer Christian Hungerecker spielte Kusian bereits in der Niedersachsen-Auswahl. „Christian kennt meine Stärken und Schwächen“, sagt sie. Unterstützung erfährt sie auch von den Teamkolleginnen. „Wir jungen Spielerinnen wurden super aufgenommen, bekommen wertvolle Tipps.“ Mit dem Wechsel ins Internat und ins Drittliga-Team des TV hat Kusian einen Entwicklungsschritt begonnen, der nun vollendet werden könnte mit der Meisterschaft und der Europameisterschaftsteilnahme – oder sogar noch mehr?

Deutschland wurde im Jahr 2017 Europameister, reist als Titelverteidiger nach Celje. Eine Wiederholung des EM-Siegs wäre die absolute Krönung von Kusians rasanten Aufstiegs.

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