Wird die Europa League zum Vorteil für den VfL Wolfsburg?

Wolfsburg/Essen.  Laut Kölner Präventionsexperten ist die Pause für die Mannschaften ohne internationalen Wettbewerb zu lang.

Am 5. August kämpfen Xaver Schlager (hinten) und der VfL Wolfsburg gegen Schachtar Donezk um die Teilnahme am Finalturnier der Europa League.

Am 5. August kämpfen Xaver Schlager (hinten) und der VfL Wolfsburg gegen Schachtar Donezk um die Teilnahme am Finalturnier der Europa League.

Foto: Darius Simka / VfL Wolfsburg

Die Corona-Pandemie hat den Spielplan durcheinandergewirbelt und zusammengestaucht. 26 Europapokal-Spiele in 19 Tagen stehen ab August an. Den Anfang macht der VfL Wolfsburg am Mittwoch mit dem Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League gegen Schachtar Donezk.

Einen Tag später folgen Bayer Leverkusen gegen Glasgow und Eintracht Frankfurt gegen den FC Basel. In der Champions League startet wenige Tage später Double-Sieger FC Bayern seine Triple-Mission mit dem Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea (8. August). Das Finalturnier der Viertelfinalisten wird in Lissabon gespielt, für das sich RB Leipzig, Testspielgegner der Wolfsburger am Donnerstag ab 16 Uhr, bereits qualifiziert hat.

Viel Fußball für die Zuschauer vor den TV-Geräten, zu viel für die Spieler? Präventionsexperte Ingo Froböse ist da anderer Meinung: „Die Vereine klagen auf sehr hohem Niveau, denn so viele Pausen wie in diesem Jahr hatten die Spieler noch nie“, sagt der Professor von der Sporthochschule Köln. Die Ruhephasen müssten eine gesunde Balance haben, dürften nicht zu kurz, nicht zu lang sein. Europapokal-Starter wie Bayern München seien deshalb sogar im Vorteil: „Je nach Verlauf der Champions League können sie ohne lange Pause in die Bundesliga starten. Die internationalen Turniere haben den Effekt eines Trainingslagers.“

„Eine normale Belastungssituation“

Die VfL-Profis hatten nach Ende der Bundesliga-Saison dreieinhalb Wochen frei. Den Spielern von Bayer Leverkusen blieben gerade einmal 17 Fußball-freie Tage, um die Corona-Saison zu verarbeiten. Aus wissenschaftlicher Sicht, erklärte Bayer-Coach Peter Bosz, seien allein elf Tage nötig, um zu entspannen. „Diese Zahl kennt in der deutschen Wissenschaft niemand“, sagt Froböse. „Ich weiß nicht, woher Peter Bosz sie hat. Körperlich befinden sich die Profi-Fußballer in einer normalen Belastungssituation, sie sind schließlich keinen Ironman gelaufen. Gemeint sein könnte die mentale Beanspruchung. Diese ist deutlich träger als die körperliche Beanspruchung.“ Das kenne jeder vom Urlaub, sei dieser zu kurz, stelle sich überhaupt kein Entspannungsgefühl ein.

Den Leiter des Instituts für bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation beschäftigt mehr die Unterbelastung: „Ich mache mir große Sorgen um die Fitness der Spieler. Schon vor der Corona-Pause haben sie 25 bis 30 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit eingebüßt. Das ,Home Office’ bietet keine vernünftigen Trainingssituationen. Die fünf Spiele nach der Pause haben nicht ausgereicht, um das alte Level zu erreichen“, sagt Froböse. Für Klubs ohne internationalen Wettbewerb wie Schalke 04 oder Borussia Dortmund sei die Pause zu lang.

Hat das Folgen für das Titelrennen?

Das könnte Folgen für das Meisterschaftsrennen haben. Der BVB, der am Donnerstag mit der Vorbereitung beginnt, startet also schon mit einem Nachteil in die Saison. Der 63-Jährige geht von einem „deutlichen Leistungsabfall im ersten halben Jahr nach dem Saisonstart aus“. Seine Empfehlung: „Training, Training, Training.“ Der Rückstand sei schon groß, es gelte jetzt, so schnell wie möglich, die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. „Ich würde so oft es geht, die Mannschaft zu einem Trainingslager zusammenziehen und ruhig eine hohe Intensität an den Tag legen.“

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