VfL Wolfsburg: Das Hinspiel aus einer anderen Zeit

Wolfsburg.  Nach fast fünf Monaten Europa-Pause spielt der VfL Wolfsburg sein Achtelfinal-Rückspiel gegen Donezk. Wie kann das Weiterkommen gelingen?

Lang, lang ist's her: Am 12. März verlor der VfL Wolfsburg sein Achtelfinal-Hinspiel gegen Donezk. Robin Knoche (Zweiter von links) ist beim Rückspiel gar nicht mehr dabei.

Lang, lang ist's her: Am 12. März verlor der VfL Wolfsburg sein Achtelfinal-Hinspiel gegen Donezk. Robin Knoche (Zweiter von links) ist beim Rückspiel gar nicht mehr dabei.

Foto: Poolfoto / imago

Es ist eine verrückte und in der Fußball-Historie wohl einmalige Situation: Wenn der VfL Wolfsburg am Mittwoch ab 18.55 Uhr in Kiew zum Achtelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Schachtar Donezk antritt, ist das Hinspiel fast fünf (!) Monate her. Am 12. März hatten die Grün-Weißen in der VW-Arena mit 1:2 gegen die Ukrainer verloren. Sie mussten aufgrund der Corona-Unterbrechung lange auf die Revanche warten. Wie kann sie gelingen?

Ein Blick zurück, weil es schon so lange her ist: Auch im Hinspiel war das Corona-Virus bereits ein Thema. Die Partie fand vor leeren Rängen statt. Doch daran, dass das in den Wochen und Monaten danach die Normalität werden würde, dachte wohl noch niemand. Zum Spiel: Die Gäste gingen nach 17 Minuten mit ihrer ersten Torchance in Führung, Junior Moraes traf per Kopf. Dann wurde es kurios. Erst vergab Donezk in Person von Viktor Kovalenko einen Handelfmeter, dann Wolfsburg durch Wout Weghorst. Nach der Pause konnte der VfL durch einen Kopfball von John Anthony Brooks zwar ausgleichen, aber die Ukrainer hatten das letzte Wort. Marcos Antonio nickte nach einem Freistoß, den Keeper Koen Casteels noch an die Latte gelenkt hatte, zum 2:1-Sieg ein.

Donezk ist gern im Ballbesitz

Wenn die Erinnerungen nun aufgefrischt sind, geht’s um die Fragen: Was haben die Wolfsburger aus dem Hinspiel gelernt? Und was müssen sie besser machen, um doch noch ins Viertelfinale einzuziehen? Auf jeden Fall mindestens zwei Tore schießen, so viel ist sicher. Casteels erinnert sich trotz der langen Zeit noch gut an die erste Begegnung mit Schachtar und die Stärken des Gegners. „Donezk ist gern im Ballbesitz, die Spieler sind sehr, sehr ballsicher und technisch sehr gut“, sagt der Torhüter des VfL. Das liegt vor allem daran, dass bei Schachtar traditionell viele Brasilianer unter Vertrag stehen. Junior Moraes und Marcos Antonio, die Torschützen aus dem Hinspiel, sind zwei von insgesamt 14 (!) Südamerikanern im Kader des alten und neuen ukrainischen Meisters.

Dass die Wolfsburger mit Teams dieses Kalibers mithalten können, hat die vergangene Bundesliga-Saison gezeigt. Dazu muss aber alles passen. Und: Das Team von Trainer Oliver Glasner konnte nach dem Urlaub nur einmal testen – aber das immerhin vielversprechend. Gegen RB Leipzig gab’s am Donnerstag ein 1:1. „Vom Niveau ist Donezk das gleiche Kaliber wie Leipzig“, sagt Casteels, der aber weiß, dass es spielerische Unterschied gibt. RB setzt auf Umschaltmomente, Schachtar auf Ballbesitz. Deshalb diente der Test nicht unbedingt dazu, die Mannschaft auf die Spielweise des Gegners vorzubereiten. Sondern vielmehr, sie überhaupt wieder in einen Spielrhythmus zu bekommen. Die letzte Partie, das 0:4 gegen den FC Bayern im Bundesliga-Finale, ist schließlich mehr als einen Monat her.

Der VfL will auf Konter setzen

Wie könnte sie also aussehen, die VfL-Taktik, um nach dem 1:2 im Hinspiel doch noch ins Viertelfinale zu kommen? Casteels gibt einen kleinen Einblick. Donezk darf demnach gerne Ballbesitz haben, aber in der eigenen Hälfte müssen die Zweikämpfe gewonnen werden, „dann haben wir auch die Kontermöglichkeiten, wenn der Gegner mit vielen Spielern vorne ist“, erklärt der 28-jährige Belgier. „Und dann müssen wir unsere Konter besser ausspielen, wenn wir mit zwei Toren Unterschied gewinnen wollen.“ Das hatte im Hinspiel im März nämlich auch nicht gut funktioniert.

Fast fünf Monate ist die erste Begegnung zwischen dem VfL und Schachtar her – und zwischenzeitlich hatte Vieles darauf hingedeutet, dass es kein Wiedersehen geben würde. Aufgrund der Corona-Pandemie war lange Zeit nicht klar, ob und wie es mit der Europa League weitergehen soll. Erst im Juni fällte die Uefa die Entscheidung, dass das Turnier fortgesetzt wird. Die Achtelfinal-Rückspiele sollen noch wie vorgesehen stattfinden, danach gibt es im August ein Finalturnier mit K.o.-Spielen in Nordrhein-Westfalen. Da wären die Wolfsburger sehr gerne dabei. Doch dafür müssen sie Vieles besser machen als im Hinspiel – und mindestens zwei Tore schießen.

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