Guilavogui: Der Kapitän des VfL Wolfsburg auf Schlingerkurs

Wolfsburg.  Der Franzose patzte in seinen jüngsten drei Einsätzen für den VfL Wolfsburg. Doch Sportdirektor Schäfer stützt seinen ehemaligen Mitspieler.

Nachdenklich: Josuha Guilavogui spielte zuletzt beim VfL Wolfsburg nur eine Nebenrolle – und das als Kapitän. 

Nachdenklich: Josuha Guilavogui spielte zuletzt beim VfL Wolfsburg nur eine Nebenrolle – und das als Kapitän. 

Foto: Darius Simka / regios24

Das Spiel des VfL Wolfsburg gegen Schachtar Donezk war verloren, das Aus im Achtelfinale des VW-Klubs in der Europa League besiegelt, als in der Nachspielzeit Josuha Guilavogui als letzter Mann den Ball gegen Stürmer Junior Moraes vertändelte und dieser den 3:0-Endstand besorgte. Der schwere Fauxpas des 29 Jahre alten Franzosen war längst nicht mehr entscheidend, zeigte aber doch deutlich auf, dass Guilavogui derzeit eine schwierige Phase durchmacht. Der VfL-Kapitän ist auf einem Schlingerkurs – und Trainer Oliver Glasner spielt dabei eine Rolle, weil er seinen Anführer zuletzt nur mit einer Nebenrolle bedachte.

In der Hinrunde unverzichtbar

Aber der Reihe nach: Im Sommer, Glasner war Nachfolger Bruno Labbadias geworden, wählten die Spieler Guilavogui zu ihrem Kapitän. Der Franzose ist hoch geschätzt im Kader und war unter dem neuen Trainer auch auf dem Feld gesetzt. Der Beweis: Er ackerte in jedem einzelnen Bundesliga-Spiel der Hinrunde über die vollen 90 Minuten. Auch zu Beginn der Rückrunde war Guilavogui unverzichtbar fürs VfL-Spiel, ehe ihm im Frühjahr plötzlich Knieprobleme zu schaffen machten. Seine Rückkehr zog sich hin. Aus Tagen wurden Wochen – und dann sogar Monate. Hätte es die Corona-Unterbrechung nicht gegeben, Guilavogui hätte kein Saisonspiel mehr bestritten. Aber die Pause war eine Chance für den 29-Jährigen. Und er nutzte sie.

Glücklos-Hattrick nach dem Re-Start

Die ersten vier VfL-Spiele nach dem Re-Start verpasste er noch, aber in Bremen Anfang Juni, vier Monate nach seinem letzten Spiel, kehrte Guilavogui auf den Rasen zurück. Nicht aber in die Startelf. Glasner hatte sich aufs Duo Xaver Schlager und Maximilian Arnold im zentralen Mittelfeld festgelegt. So blieb Guilavogui in der nächsten Partie gegen Freiburg ganz ohne Einsatz. Und damit begann der Glücklos-Hattrick des Franzosen.

Beim 0:3 in Mönchengladbach wurde er 20 Minuten vor dem Ende eingewechselt und holte sich völlig unnötig seine fünfte gelbe Karte ab. Im nächsten Spiel gegen Schalke war er damit gesperrt. In der Partie am 34. Spieltag gegen den FC Bayern stand er dann erstmals seit Februar wieder in der Startelf. Den Abpfiff erlebte er aber nicht mehr, weil er in Hälfte 2 die gelb-rote Karte sah. Und im nächsten Pflichtspiel gegen Donezk nun am Mittwoch blieb für Guilavogui von Beginn an wieder nur die Bank. Er wurde später beim Stand von 0:0 eingewechselt und war später an allen drei Gegentreffern mehr oder weniger beteiligt.

Unterstützung von Schäfer

Der Franzose ist ein sensibler Typ, der volles Vertrauen des Trainers braucht, um seine Topleistung abrufen zu können. Derzeit spürt er es offenbar nicht, was sich in einigen Patzern widerspiegelt. Marcel Schäfer macht sich um seinen ehemaligen Mitspieler aber keine Sorgen. „Josh ist ein sehr guter Spieler mit einem tollen Charakter, der nicht umsonst Kapitän der Mannschaft ist“, sagt der Sportdirektor. „Der Trainer hat zuletzt auf Maximilian und Xaver gesetzt, aber Josh lässt sich dadurch sicher nicht unterkriegen.“ Die lange Ausfallzeit des Franzosen müsse bei der Bewertung seiner derzeitigen Situation, mit der er freilich nicht zufrieden sein kann, berücksichtigt werden.

Grundsätzlich wünscht sich Schäfer sogar Unzufriedenheit bei den Reservisten. „Es wäre ein schlechtes Zeichen, wenn ein Spieler auf der Bank sitzt und damit zufrieden ist. Wir möchten, dass jeder Spieler immer hungrig ist und Verärgerung oder Enttäuschung Antrieb sind, im Training noch mehr Gas zu geben, um sich dem Coach für die Startelf anzubieten.“ Das gelte für jeden, also auch für Guilavogui. „Die Saison 2019/2020 ist seit Mittwoch vorüber, jetzt gibt es eine kurze Pause, die jeder auch mental nutzen kann“, sagt der Sportdirektor. Für Guilavogui heißt das: Die jüngsten sechs Monate vergessen und von nächster Woche an mit alter Kraft als Kapitän vorangehen, um den Schlingerkurs zu beenden.

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