Hohe Ziele und etwas Wehmut beim Trainingsstart der VfL-Frauen

Wolfsburg.  Die Wolfsburgerinnen bereiten sich auf die zweite Saisonhälfte vor – mit Kapitänin Popp nach überwundener Verletzung.

Sie laufen wieder: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg sind in die Vorbereitung gestartet - und mit Nationalspielerin Alexandra Popp ist auch die Kapitänin wieder dabei.

Sie laufen wieder: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg sind in die Vorbereitung gestartet - und mit Nationalspielerin Alexandra Popp ist auch die Kapitänin wieder dabei.

Foto: Anja Weber/regios24

Am Sonntag begann für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg die Bayern-Jagd. Zum ersten Training 2021 versammelte Trainer Stephan Lerch seine Spielerinnen auf dem Trainingsplatz am Elsterweg. Der 36-Jährige blickte dabei in entschlossene Gesichter. Der Ehrgeiz ist groß, die Lücke von fünf Punkten auf den Tabellenführer aus München in den verbleibenden zehn Bundesliga-Spielen zu schließen sowie in Champions League und DFB-Pokal Titel zu holen. Zugleich war der Aufgalopp am Sonntag einer mit Wehmut für den Trainer der Wolfsburgerinnen.

Denn für Lerch ist die anstehende Vorbereitung die letzte, die er mit dem VfL bestreiten wird. Im Sommer lässt er seinen Vertrag auslaufen, ein Nachfolger ist mit Tommy Stroot (Twente Enschede) längst gefunden. Für den Erfolgscoach der Wolfsburgerinnen bedeutet das: Er macht viele Sachen nun ein letztes Mal. Einen Trainingsplan für die nun gestartete Vorbereitung aufstellen etwa.

Zu nah an sich heranlassen will Lerch das Thema jedoch nicht. „Aber“, sagt er dennoch, „wenn du nach acht Jahren einen Verein verlässt, ist es selbstverständlich, dass du in einem ruhigen Moment mal denkst: Hey, das ist jetzt mein letztes halbes Jahr hier.“ Doch um nicht zu gefühlsduselig zu werden, stürzt sich Lerch lieber in die Arbeit. Dann bleibt keine Zeit für solche Gedanken.

Lerch hat viel vor mit dem VfL

Und genug zu tun haben der VfL-Coach und seine Spielerinnen. Denn nicht alles lief wie gewünscht in der ersten Saisonhälfte. Das drückt sich in den fünf Punkten Rückstand auf den FC Bayern in der Bundesliga-Tabelle am sichtbarsten aus. Es gibt einige Hebel, an denen Lerch in den Wochen bis zum ersten Pflichtspiel in der Liga am 5. Februar gegen Turbine Potsdam ansetzen will.

Punkt 1: „Wir haben zu viele Gegentore bekommen“, erklärt der 36-Jährige. Wobei: Das ist natürlich Jammern auf höchstem Niveau. Schließlich waren es nur deren neun. Aber: Im Vorjahr waren es nach zwölf Spielen lediglich vier. Und: Die Bayern haben erst ein Gegentreffer gefressen. Das war beim 4:1-Sieg gegen den VfL Mitte November.

Also wird neben der fußballspezifischen Fitness und Ausdauer zunächst an der Defensive geschraubt. Lerch will mehr Kompaktheit, „sowohl im mannschaftstaktisch als auch im individuellen Bereich“. Das Zweikampfverhalten müsse besser werden, so der VfL-Coach weiter. Ist das geschafft, geht’s weiter zu Punkt 2: das Spiel in den letzten Metern vor des Gegners Tor. Im letzten Drittel, wie es im Trainer-Jargon auch heißt. „Wir müssen den Druck hochhalten, bis der Gegner keine Lösungen mehr hat“, fordert Lerch, der auch die Effektivität im Abschluss und die Chancenverwertung thematisieren wird. Die passte in der ersten Saisonhälfte auch nicht immer.

Kapitän Popp ist wieder an Bord

Bauen kann der VfL-Coach dabei wieder auf seine Kapitänin. Alexandra Popp stand am Sonntag beim Trainingsstart schon mit auf dem Platz, hat ihre Kapselverletzung im Fuß, die sie im November und Dezember außer Gefecht gesetzt hatte, auskuriert. Ganz so weit ist Ewa Pajor nicht. Noch schwitzt die Polin in der Reha nach ihrer schweren Knieverletzung. „Aber es sieht schon gut aus. Das Knie reagiert nicht“, sagt Lerch, der nicht kommende Woche, aber schon absehbar mit einer Rückkehr Pajors auf den Trainingsplatz rechnet. „Dann ist es auch nicht mehr so weit bis zum Mannschaftstraining“, so der VfL-Coach.

Nach der ersten Einheit 2021 hielt Lerch fest: „Es waren alle froh, wieder auf dem Platz zu stehen. Der erste Eindruck ist positiv.“ Anders als in den Vorjahren, als die Wolfsburgerinnen stets die portugiesische Algarve besuchten, um sich bei Top-Bedingungen auf die Rückrunde vorzubereiten, bleiben sie diesmal wegen des höheren Infektionsrisikos mit dem Corona-Virus daheim. Testen werden sie trotzdem: Am 20. und 23. Januar ist mit Eintracht Frankfurt der Bundesliga-Sechste zu Gast im AOK-Stadion. Die Generalprobe vor dem Start gegen Potsdam findet dann am 29. Januar bei der SGS Essen statt.

Oberdorf ist Nationalspielerin des Jahres

Aus Essen hatte der VfL im Sommer mit Lena Oberdorf eine Spielerin verpflichtet, die in der zurückliegenden ersten Saisonhälfte nicht nur in Wolfsburg für Aufsehen sorgte. Auch im DFB-Team startete die 19-Jährige durch. Der Lohn: Sie wurde von den Fans zur deutschen Nationalspielerin des Jahres gewählt. „Das ist auch verdient“, sagt Lerch. „Sie hat sich sehr gut entwickelt. Zugleich ist sie auch bodenständig, das wird ihr nicht zu Kopf steigen.“

Beim VfL wird Oberdorf auch in der Rückserie eine Hauptrolle spielen. Nicht umsonst verlängerte sie unlängst ihren Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2024. „Sie hat Potenzial – und das ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft“, lobt Lerch die flexibel einsetzbare Spielerin.

Oberdorf soll dabei helfen, dass der VfL im letzten halben Jahr unter Lerchs Leitung die hohen Ziele doch noch erreicht. Gelingt den Wolfsburgerinnen die Aufholjagd in Sachen Meisterschaft, wäre es der perfekte Abschluss für den 36-Jährigen – auch wenn das die Wehmut womöglich noch ein wenig vergrößern würde.

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