Saisonvorbereitung

So lief der Trainingsstart des VfL Wolfsburg unter Niko Kovac

| Lesedauer: 6 Minuten

Wolfsburg.  Am Mittwoch begann beim VfL die Ära Kovac. Maximilian Arnold weiß genau, worauf es jetzt ankommt – und hat sich eine Sache besonders vorgenommen.

Um Punkt 10.30 Uhr am Mittwochvormittag war es soweit. Niko Kovac rief seine Spieler auf dem Trainingsplatz am Fuße der VW-Arena zu einer kurzen Ansprache zusammen, dann startete die erste Übungseinheit der Saisonvorbereitung – und damit auch die Ära des neuen Coaches. Die Vorbereitungen waren da längst getroffen. Einen Übungsparcours mit sieben Stationen hatten Kovac und sein Trainerstab schon aufgebaut. Kovac leitete die Einweisung durch die einzelnen Stationen. An der letzten – einer Torschussübung – zirkelte der Ex-Profi den Ball gekonnt in den oberen rechten Winkel. So sollte der Abschluss im besten Fall aussehen. Beim Auftakttraining ließ es der 50-Jährige aber insgesamt noch locker angehen.

Dass sich das in Kürze ändern wird, ist Maximilian Arnold freilich bewusst. „Es gab noch nicht viel, was man falsch machen konnte“, sagte der Mittelfeldspieler grinsend, „ich glaube, die nächsten Tage werden dann etwas anders werden.“ Das hatten sie beim VfL alle angekündigt. Die Fitness muss in der kommenden Spielzeit wieder stimmen. Vor allem, weil Kovac „intensiven Fußball spielen“ möchte, sagte Arnold.

Arnold: Wir hätten uns aufs Wesentliche konzentrieren müssen

Der neue Coach habe gleich klargemacht, wo es hingehen soll – und was dafür nötig ist. Der Zusammenhalt muss stimmen. Dann, so Arnold, könne sich der VfL auch wieder höhere Ziele stecken. „Vorher nicht“, sagte der 28-Jährige. Dass die Wölfe in der Vorsaison keine Einheit gewesen sind – so weit will Arnold nicht gehen, aber: „Wir hätten viele Dinge ganz anders angehen und uns mehr auf das Wesentliche konzentrieren müssen.“

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Für den VfL-Rekordspieler ist so ein Vorbereitungsauftakt mittlerweile Routine wie Zähneputzen. Seine erste intensive Vorbereitung bei den Grün-Weißen hat er im Januar 2012 in Dubai mitgemacht. Arnold war damals 17 Jahre alt. Der Trainer hieß Felix Magath. „Wenn ich die Sommer und Winter zusammenzähle, beginnt jetzt meine 21. Vorbereitungsphase“, sagte Arnold. Bis er 35 Jahre alt ist, möchte er spielen. 14 schweißtreibende Vorbereitungen ist dieses Fernziel noch entfernt. „Da denke ich mir auch manchmal, verdammter Mist“, sagte der Mittelfeldspieler lachend.

Xaver Schlager ist für den VfL Wolfsburg nur schwer zu ersetzen

Die Fußballerrente ist jetzt aber noch kein Thema. Erst einmal muss der VfL wieder in die Spur kommen. Immer wieder hinterließen die Wölfe zuletzt fragende Gesichter bei allen, die es mit ihnen halten. Eigentlich steckte doch ausreichend Qualität im Kader. Auf den Platz bekam sie die Truppe aber viel zu selten. Besonders Spiele wie das 0:3 in Augsburg, bei dem sich die Grün-Weißen praktisch ohne Gegenwehr ihrem Schicksal ergaben, haben sich in Arnolds Gedächtnis eingebrannt. „Was ich auch wieder lernen musste, ist, auch in schwierigen Phasen mehr Verantwortung zu übernehmen“, sagte er rückblickend.

Die Position der Doppelsechs war aber nicht der Problemherd. An dieser Stelle haben die Wölfe mit dem Weggang Xaver Schlagers zu Ligakonkurrent RB Leipzig nun aber reichlich der besagten Qualität eingebüßt. Ganz kalt wurde Arnold von diesem Transfer nicht erwischt. Schmerzen wird der Verlust trotzdem: „Auf der einen Seite ist es das Geschäft, auf der anderen Seite natürlich schade für mich und die ganze Mannschaft. Xaver wusste schon, was ich möchte, und ich wusste, was er möchte.“

Rexhbecaj und Guilavogui trainieren unter Kovac mit

Wie genau der VfL den Österreicher ersetzen wird, ist noch unklar. Ein paar Alternativen befinden sich auch in den eigenen Reihen. Yannick Gerhardt zum Beispiel oder die Leih-Rückkehrer Elvis Rexhbecaj und Josuha Guilavogui. Vor allem bei Letzterem gilt es aber als unwahrscheinlich, dass er noch einmal für die Grün-Weißen auflaufen wird. Als er sich im Winter zu Girondins Bordeaux aufmachte, sprach der Franzose von einem Abschied für immer. Am Mittwoch aber stand Guilavogui zunächst wieder auf dem Platz am VfL-Center. Mit ihm 16 weitere Lizenzprofis und acht Nachwuchsspieler. Rexhbecaj absolvierte gemeinsam mit Lino Kasten und Paulo Otavio ein Aufbautraining. Die Nationalspieler – darunter auch die Neuzugänge Patrick Wimmer, Jakub Kaminski und Kilian Fischer – stoßen Anfang Juli zum VfL-Team.

Ein paar Dinge konnten die Wölfe in der ersten Einheit unter Kovac übrigens doch falsch machen. „Das Tor nicht zu treffen, sodass man abräumen muss“, sagte Arnold. Den nötigen Anreiz im Trainingsparcours lieferte nämlich ein kleiner Wettstreit. Der Coach hatte seine Spieler in zwei Teams aufgeteilt. Seine Assistenten zählten an den einzelnen Stationen die Punkte – und Arnolds Truppe verlor. Nachdem die Übungseinheit gegen 11.40 Uhr mit dem Auslaufen im Schlepptau des neuen Fitness-Trainers Walter Gfrerer ausgeklungen war, mussten die Verlierer die Übungsgeräte aufräumen. Zum Auftakt der Sommervorbereitung sicher eine verkraftbare Niederlage. Sobald der Ball in der Bundesliga wieder rollt, will Arnold aber zurück auf die Siegerstraße.

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