VfL-Chancen im Titelkampf: Geschichte macht wenig Hoffnung

Wolfsburg.  Seit 1997 gelang es in der Frauenfußball-Bundesliga nur Turbine Potsdam noch, einen Fünf-Punkte-Rückstand auf Platz 1 wettzumachen.

Seit Sonntag haben Fridolina Rolfö (links) und Co. fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter FC Bayern. In der Geschichte der Frauenfußball-Bundesliga gelang es nur Turbine Potsdam, einen solchen Rückstand noch wettzumachen.

Seit Sonntag haben Fridolina Rolfö (links) und Co. fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter FC Bayern. In der Geschichte der Frauenfußball-Bundesliga gelang es nur Turbine Potsdam, einen solchen Rückstand noch wettzumachen.

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Kämpferisch, vielleicht auch etwas trotzig gaben sich die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg am Sonntag nach der deutlichen 1:4-Niederlage im Bundesliga-Hit beim FC Bayern . Von verfrühten Glückwünschen an den Spitzenreiter aus München wollten sie im Lager der Grün-Weißen nichts wissen, wie Coach Stephan Lerch oder auch Kapitänin Lena Goeßling beteuerten. In München hätte man sie auch nicht angenommen. FCB-Kapitänin Lina Magull meinte zum Thema Vorentscheidung: „Das würde ich so wirklich nicht sagen.“

Natürlich nicht. 13 Spiele stehen noch aus, es ist noch genügend Zeit, einen Rückstand von nun fünf Punkten wettzumachen. Allein: Ein Blick in die Historie der eingleisigen Frauen-Bundesliga (seit 1997) macht wenig Hoffnung, dass dies dem VfL auch gelingen kann.

Nur ein Beispiel macht Hoffnung

Mal ganz abgesehen davon, dass Bayern in dieser Saison noch gar nichts liegengelassen hat und auch am Sonntag in den entscheidenden Situationen etwas galliger war und den Sieg noch mehr wollte. Es gibt nur ein Beispiel in der Liga-Geschichte, das der aktuellen Situation nahe kommt und in der der Verfolger den Spitzenreiter noch eingeholt hat. Nicht nach neun, wie jetzt, sondern nach zehn Spieltagen. In der Saison 2008/09 lag Turbine Potsdam – wie jetzt der VfL – fünf Punkte hinter dem Primus, damals wie heute der FC Bayern.

München überwinterte sogar mit einem Vorsprung von acht Punkten. Damals war es übrigens kein Zwei-, sondern ein Dreikampf, in dem auch der damalige FCR Duisburg mitmischte. Weil Bayern allerdings in der Rückrunde fleißig Federn ließ (zwei Unentschieden, zwei Niederlagen), Turbine sich aber nur noch ein Remis gegen Frankfurt erlaubte, kam es zu einem Herzschlagfinale, bei dem auch der VfL mitmischte, wenngleich er als Tabellenachter nicht direkt beteiligt war.

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Bei Potsdams Krönung war der VfL dabei

Am letzten Spieltag aber unterlag die Elf des damaligen Trainers Ralf Kellermann bei Turbine mit 0:3, und weil Bayern „nur“ 3:0 in Crailsheim gewann, war Potsdam – nach bangen Minuten des Wartens auf Münchens Endergebnis – mit einem mehr geschossenen Treffer Meister vor den punktgleichen Bayern (beide 54 Zähler), nur einen Punkt dahinter landete Duisburg.

Die Liga galt vor elf Jahren allerdings als ausgeglichener als heute. Dass Bayern soweit vorne mitmischte, kam etwas überraschend. In den vergangenen acht Jahren wurde dann sechsmal der VfL Meister, zweimal in Folge grätschte München dazwischen.

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VfL holte 2011/12 fünf Punkte auf – aber das reichte nicht

Den Wolfsburgerinnen gelang es in der Saison 2011/12 auch einmal, fünf Punkte gutzumachen. Um sich den Titel zu sichern, reichte das aber nicht. Nach neun Spieltagen betrug der Rückstand auf Potsdam acht Zähler, am Saisonende waren es drei. Dem VfL reichte das, um sicher Zweiter zu werden – und somit im Jahr darauf erst die Möglichkeit zu bekommen, erstmals in der Champions League zu starten. Und in der Saison 2012/13 holte der VfL schließlich das Triple aus Königsklasse, Pokal und Meisterschaft.

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