Robo-Advisors im Test: Was die Geldanlage für Bequeme taugt

Berlin.  Robo-Advisors nehmen Sparern gegen Gebühr die Geldanlage ab. Aktien und ETF werden nach Vorgaben verwaltet. Vier Anbieter im Vergleich.

Geld gut anlegen: So funktionieren ETF

Viele Sparer sprechen über ETF. Aber was unterscheidet der Handel mit ihnen von gewöhnlichen Aktien? Das Video versucht aufzuklären.

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Eigentlich kann jeder seine Geldanlage leicht selbst organisieren. Finanztip hat das genau beschrieben – und auch auf die Fehler hingewiesen, die Anleger vermeiden sollten. Wem das aber zu aufwendig ist, der ist richtig aufgehoben bei der zweitbesten Geldanlage-Strategie: Gegen einen überschaubaren Aufpreis bekommt man Unterstützung von sogenannten Robo-Advisors.

Mit „Advisor“ ist ein Ratgeber oder Betreuer gemeint. Die Robos werden auch digitale Anlagehelfer genannt. Diese Assistenzen nehmen Sparern die Geldanlage umfassend ab. Sie fragen, wie viel Risiko ein Kunde bereit ist einzugehen, eine Software schlägt eine passende Geldanlage vor und der Anbieter setzt diese dann technisch für den Kunden um.

Die Kosten der Anlagehelfer schmälern die Rendite, aber man fährt damit in aller Regel immer noch deutlich günstiger als beim Bankberater. Finanztip hat die Anbieter untersucht und die – aus Sicht des Verbraucher-Ratgebers – vier besten ausgewählt.

Robo-Advisors prüfen erst: Welcher Anlagetyp ist der Kunde?

Zuerst ermitteln die meisten Robo-Advisors anhand eines Fragebogens, welcher Risikotyp der Anleger ist. Dazu passend schlagen die Anbieter anschließend ein fertiges Portfolio vor. Die Anlagehelfer setzen schließlich diese Geldanlage um, kümmern sich also um den Kauf der einzelnen ETFs und deren Verwaltung.

Insbesondere sorgen die Anbieter dafür, dass die Aufteilung des Kundengeldes zwischen Aktien und sicheren Anlagen übers Jahr gewahrt bleibt. Ein Beispiel: Ursprünglich lagen 60 Prozent des Vermögens in Aktien und 40 Prozent in Anleihen. Verschiebt sich übers Jahr etwas an dieser Gewichtung, etwa weil Aktienkurse deutlich steigen oder sinken, schichten die Anlagehelfer Guthaben um.

Was müssen gute Robo-Advisors erfüllen?

In der aktuellen Analyse von Finanztip war es wichtig, dass die Anbieter nur in günstige ETFs investieren und das Portfolio ansonsten passiv managen, also nur die empfohlene Aufteilung beibehalten.

Diese Robo-Advisors verzichten also darauf, Marktentwicklungen mithilfe von Algorithmen und unter vielen Annahmen vorherzusagen und danach zu kaufen oder zu verkaufen – das genaue Vorgehen wäre von außen kaum nachzuvollziehen und zu bewerten.

Zudem müssen die Kosten unter einem Prozent der Anlagesumme pro Jahr liegen, damit der Anbieter eine Empfehlung von Finanztip werden kann. Ansonsten würden die Renditechance zu sehr durch Kosten geschmälert.

Robo-Advisors: Diese Anbieter empfiehlt Finanztip

Vier Anlagehelfer erfüllen die Finanztip-Kriterien: Quirion (Variante „regular“), VTB Invest und Growney als passive Robo-Advisors, die den Risikotyp des Kunden wie oben beschrieben per Fragebogen ermitteln. Als viertes Weltinvest als Lösung für Anleger, die schon wissen, wie sie ihren Anlagebetrag auf Aktien und Anleihen aufteilen wollen.

Bei allen vier Anbietern lassen sich bereits geringe Beträge einmalig anlegen – oder man bespart sein Portfolio als Sparplan mit geringen monatlichen Raten.

Wer 10.000 Euro anlegt, hat für den Service bei Growney jährliche Kosten von maximal 92 Euro (0,9 Prozent), bei VTB Invest 90 Euro (0,9 Prozent) und bei Weltinvest 48 Euro (0,48 Prozent) – dort entfällt aber die Beratung zur Risikoneigung des Kunden. Bei Quirion „Regular“ betragen die Kosten bis 10.000 Euro nur maximal 22 Euro (0,22 Prozent). Danach steigen sie allerdings auf 0,7 Prozent.

Unterschiede bei Robo-Advisors: Nicht jeder Anbieter investiert gleich

Ein Blick auf die Aktien-Portfolios der Anlagehelfer zeigt: Manche Anbieter berücksichtigen unterbewertete und kleine Unternehmen stärker. Andere legen den Fokus auf Unternehmen aus Ländern mit großer Wirtschaftskraft, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Wichtig: Auch wenn der Robo-Advisor Dienstleistungen wie die Käufe und Verkäufe der Wertpapiere für den Anleger übernimmt: Ein Schutz vor Kursverlusten und sonstigen Anlagerisiken ist die automatisierte Geldanlage nicht.

Robo-Advisors schützen nicht vor schwankenden Kursen an der Börse

Geht es etwa an der Börse nach unten oder steigen die Zinsen deutlich an, schlagen sich die Kursänderungen bei Aktien und Anleihen auch im Depot nieder. Je nach den Schwerpunkten des Anlagemodells kann die Wertentwicklung kurzfristig auch deutlich von einer selbstgesteuerten Geldanlage mit Aktien-ETFs, Tages- und Festgeld abweichen.

Die Anlagehelfer haften allerdings dafür, dass die empfohlenen Wertpapiere zu den persönlichen Verhältnissen und Anlagezielen des Kunden passen – immer vorausgesetzt, er hat den Fragebogen dazu richtig und vollständig beantwortet.

Anbieter geht pleite: Ist mein Fondsguthaben bei Insolvenz gesichert?

Viele Robo-Advisors haben noch nicht so viele Kundengelder eingesammelt und sind sehr klein. Manche Kunden fragen sich, was im Falle einer Insolvenz des Anbieters passiert.

In einem solchen Fall gehört das Geld, das in Fonds angelegt ist, weiterhin dem Kunden. Es zählt zum sogenannten Sondervermögen und fließt nicht mit in die Insolvenzmasse des Unternehmens.

Die Fonds lagern bei einer separaten Depotbank, die sich um die Verwaltung des Vermögens kümmert. Sollte auch die Depotbank finanzielle Probleme bekommen, kümmert sich ein Treuhänder um das Fondsvermögen.

Bei Quirion lagern die Fondsguthaben bei der Mutter Quirin, bei VTB Invest ist die Baader Bank die Depotbank, bei Growney die Sutor Bank. Bei Weltinvest ist es DAB BNP Paribas. Mehr zum Thema beschreibt Finanztip in seinem Ratgeber zu Robo-Advisors.

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Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Der Verbraucher-Ratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung.

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