ETFs: Wie Menschen über 50 von Indexfonds profitieren können

Berlin.  Wollen ältere Generationen finanziell vorsorgen, sollten sie in Aktien-Indexfonds anlegen – und auf einen klugen Auszahlplan setzen.

Geld gut anlegen: So funktionieren ETF

Viele Sparer sprechen über ETF. Aber was unterscheidet der Handel mit ihnen von gewöhnlichen Aktien? Das Video versucht aufzuklären.

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Als einen Baustein zur Altersvorsorge empfiehlt der Verbraucherratgeber Finanztip, Geld weltweit in Aktien anzulegen und mindestens 15 Jahre dabeizubleiben. Warum so lange? Nur so gleicht sich das Auf und Ab an der Börse – etwa jetzt in Folge der Coronakrise – langfristig aus, und es gibt eine gute Chance auf Rendite.

Über einen beliebig gewählten 15-Jahres-Zeitraum haben Anleger seit 1975 keinen Verlust mit einem Fonds gemacht, der den Weltaktienindex MSCI World mit seinen rund 1600 Unternehmen abbildet.

Doch was tun Menschen, die diese 15 oder mehr Jahre bis zur Rente nicht mehr haben? Die gute Nachricht: Sie können trotzdem noch mit Aktien-Indexfonds, sogenannten ETFs, sparen – wenn sie ein paar Dinge beachten.

ETF-Sparen: Faustregel für den Auszahlplan

Nehmen wir an, jemand kauft sich mit 57 ganz normal einen solchen weltweiten Aktien-Indexfonds. Der Trick ist nun, das Ersparte nicht irgendwann, etwa mit 67, auf einmal abzurufen. Denn wenn der Aktienmarkt kurz vorher einbricht, ist der Ärger groß. Besser ist es daher, der Sparer zahlt sich im Ruhestand monatlich eine kleine Rente aus seinem ETF-Guthaben aus. Diese Lösung nennt sich Auszahlplan.

Die gängige Faustregel lautet, dass man jährlich vier Prozent des Startkapitals über 30 Jahre entnehmen kann. Bei einem Startkapital von 20.000 Euro wären das 800 Euro im Jahr. Finanztip-Berechnungen mit historischen Daten mit Anlagestart von 1970 bis 1990 haben gezeigt: Das ging jeweils für die 30 Jahre auf.

Allerdings: Wenn man erst kurz vor dem schlimmsten Einbruch in diesem Zeitraum – dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 – angefangen hätte, dann wäre das Geld nächstes Jahr aufgebraucht. Also nach 21 Jahren.

Aktien-Indexfonds: Sinkt der Wert deutlich, sollte man Entnahmen stoppen

Deshalb ist es wichtig, in schlechten Jahren nicht zu viel Geld zu entnehmen, damit das verbleibende Guthaben die Wertsteigerungen noch mitnehmen kann. Das kann die Entnahmen ausgleichen – im besten Fall sogar mehr als ausgleichen.

Sinkt der Wert der Fonds zwischenzeitlich einmal deutlich, weil der Aktienmarkt wie zum Beispiel jetzt in der Coronakrise nachgibt, sollte man die Entnahmen für einige Zeit aussetzen oder zumindest reduzieren. Denn: Je mehr Kapital den späteren Aufschwung mitmachen kann, desto besser. Dafür kann man nach längeren guten Phasen auch durchaus mehr als 4 Prozent entnehmen.

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ETF-Auszahlplan: Digitaler Anlagehelfer oder Eigenbau

Wenn man sich für den Auszahlplan entscheidet, geht es anschließend um die praktische Umsetzung. Manche Depotanbieter, etwa die Targobank oder auch digitale Anlagehelfer (wie Growney), ermöglichen automatisierte Auszahlpläne für ETFs: Der Kunde gibt einmal an, wie viel Geld er monatlich aufs Girokonto überwiesen bekommen möchte, und der Anbieter verkauft entsprechend ETF-Anteile.

Ein Auszahlplan geht aber auch Marke Eigenbau: Man verkauft monatlich, einmal im Quartal oder jährlich ETF-Anteile für seinen Rentenzuschuss. Dazu sollten sich Rentner einen regelmäßigen Termin setzen und sich nicht von kleinen Kursschwankungen beeinflussen lassen.

ETF: Das richtige Wertpapierdepot

Der Verkauf von ETF-Anteilen ist in der Regel nicht kostenlos. Empfehlenswert ist daher ein Wertpapierdepot, bei dem die Verkaufsgebühren zumindest möglichst gering ausfallen. Günstige Kauf- und Verkaufspreise bieten Online-Broker wie Smartbroker, Onvista Bank oder Trade Republic.

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Wer Girokonto, Kreditkarte und Depot unter einem Dach haben will, kann ein Depot bei einer Direktbank eröffnen. Depots bei Direktbanken kosten insgesamt etwas mehr als die Speziallösungen der Online-Broker. Bei der DKB, Comdirect oder Consorsbank ist die Depotführung kostenlos, und die Ordergebühren sind in Ordnung.

Am teuersten sind meist die Wertpapierdepots bei klassischen Filialbanken. Häufig berechnen diese laufende Verwahrkosten. Wer trotzdem bei seiner Filialbank bleiben will, sollte nach einem Online-Depot fragen. Das spart zumindest etwas Gebühren.

Das ganze Geld auf einmal abrufen? Besser Festgeld nutzen

Wer wirklich nur zehn Jahre sparen und dann alles auf einmal abrufen will, verzichtet besser auf Aktien und nimmt Festgeld – auch wenn das nur wenig Rendite abwirft.

Aktuell lässt sich Festgeld für ein Jahr zu 0,81 Prozent anlegen, und zwar beim schwedischen Anbieter Klarna. Wer bereit ist, sich drei Jahre zu binden, bekommt 1,12 Prozent im Jahr. Man sollte nach einigen Jahren wieder schauen, wo es dann vielleicht bessere Zinsen gibt. ETF-Sparen und Festgeld lässt sich auch gut kombinieren.

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Mit ETFs weltweit das Risiko verteilen

Einzelne Aktien zur Altersvorsorge zu kaufen, davon rät Finanztip ab. Besser geeignet seien breit aufgestellte, günstige Fonds. Damit sind Sparer zu geringen laufenden Kosten an einem Großteil der Weltwirtschaft beteiligt und können einzelne Kursverluste wie derzeit vom Finanzdienstleister Wirecard verkraften. Auch der deutsche Leitindex Dax bildet nur 30 Aktien ab, allesamt aus Deutschland. Im MSCI World dagegen sind circa 1600 Aktien aus 23 Ländern vertreten.

• Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Der Verbraucherratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. Hier gelangen Sie zum aktuellen Finanztip-Newsletter

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