VW-Kunde fährt Auto jahrelang kostenlos

Braunschweig  Zum ersten Mal kann ein Kläger wegen eines Fehlers in der Widerrufsbelehrung seinen Wagen zurückgeben, ohne dass die Nutzung angerechnet wird.

Die Volkswagen Financial Services in Braunschweig.

Die Volkswagen Financial Services in Braunschweig.

Foto: PHILIPP ZIEBART / BestPixels.de (Archiv)

Die Klagewelle gegen die VW-Bank wegen angeblicher Fehler in der Widerrufsbelehrung in Kreditverträgen könnte für die VW Financial Services doch noch teuer werden. Nach wie vor haben die Braunschweiger bisher die meisten Prozesse dazu für sich entschieden, wie am Dienstag ein Sprecher erklärte. Doch bereits mehrere Gerichte hatten entschieden, dass Kunden ihr Auto zurückgeben können und einen Teil des Geldes zurückbekommen – und nun hat zum ersten Mal ein Gericht geurteilt, dass sich ein Fahrer noch nicht einmal Nutzung und Wertverlust anrechnen lassen muss. Bleibt es dabei, hätte er sein Auto jahrelang kostenlos gefahren.

Die VW-Bank wird allerdings in Berufung gehen, wie der Sprecher auf Anfrage mitteilte. „Fakt ist, dass das Urteil eine Einzelfallentscheidung darstellt und nicht rechtskräftig ist.“ Der Kunde hatte seinen gebrauchten Skoda Roomster im Juni 2015 bei einem Händler gekauft, wie die Anwaltskanzlei „Dr. Lehnen & Sinnig“ am Dienstag ausführte, von der sich der Allgäuer vertreten lässt; finanzieren wollte er den Wagen per Kredit von der VW-Bank. Zwischenzeitlich sei er mit dem Wagen 70 000 Kilometer gefahren, so die Kanzlei.

Trotzdem soll er nun den gesamten bisher gezahlten Betrag von gut 6900 Euro für Anzahlung und Raten erstattet bekommen. Das geht aus dem Urteil des Landgerichts Ravensburg hervor, das unserer Zeitung vorliegt. Denn nach Auffassung des Richters hatte die Bank ihren Kunden nicht ausreichend sowie widersprüchlich über sein Widerrufsrecht belehrt.

Auch ein Wertersatz stehe der VW-Bank nicht zu, weil die Widerrufsbelehrung insgesamt nicht ordnungsgemäß sei. Für eine genaue Erläuterung war das Gericht am Dienstag nicht zu erreichen. Der Sprecher der VW-Bank hielt dagegen, die Entscheidung des Gerichts sei missverständlich. „Unsere Klage auf den Wertersatz hat das Gericht nicht ausdrücklich abgewiesen.“

Mit fast 1000 ähnlichen Klagen sieht sich die VW-Bank laut Sprecher inzwischen konfrontiert. Mehrere Anwaltskanzleien haben den „Widerrufsjoker“, wie sie es nennen, inzwischen für sich entdeckt. Die Juristen empfehlen ihn unter anderem Kunden, die vom Abgas-Betrug betroffen sind. Fehler stecken nach Auffassung der Kanzleien in den Widerrufsbelehrungen zahlreicher Autobanken, ob von BMW, Mercedes oder Peugeot.

Die VW-Bank gibt sich nach wie vor überzeugt, dass ihre Widerrufsbelehrungen den gesetzlichen Vorgaben entsprächen und korrekt seien. „Die Werbung vermeintlicher Verbraucheranwälte ist interessengetrieben und unseriös“, so der Sprecher. Bisher seien 81 von 91 Verfahren zugunsten der VW-Bank und ihrer Zweigniederlassungen ausgegangen.

Zehn Prozesse haben also in der ersten Instanz Kunden für sich entschieden, davon sei aber noch kein Urteil rechtskräftig. Außerdem wurde hier der Wertverlust angerechnet. Eine Entscheidung eines Oberlandesgerichts steht dem Sprecher zufolge noch aus. Die Braunschweiger haben nach eigenen Angaben 1,57 Millionen Kreditverträge im Bestand (aktuellster Stand von Dezember 2017).

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