VW-Betriebsratsbezüge – Ermittlungen auch gegen Osterloh

Wolfsburg.   Die Ermittlungen gegen den VW-Betriebsratschef laufen bereits seit 2016. Der Hauptverdacht besteht aber gegen ehemalige VW-Vorstände.

Der Betriebsratsvorsitzende bei Volkswagen, Bernd Osterloh (Archivbild).

Der Betriebsratsvorsitzende bei Volkswagen, Bernd Osterloh (Archivbild).

Foto: Peter Steffen / dpa

In der Affäre um möglicherweise zu hohe Bezüge für VW-Betriebsräte wird auch gegen VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh ermittelt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Dienstag unserer Zeitung. Die Ermittlungen gegen Osterloh laufen demnach bereits seit 2016.

Staatsanwaltschaft nannte Osterlohs Namen nicht

Bisher war bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen die beiden ehemaligen VW-Personalvorstände Horst Neumann und Karlheinz Blessing sowie gegen zwei weitere Personalmanager ermittelt. Dass Osterloh bisher nicht genannt wurde, begründete die Staatsanwaltschaft damit, dass sie grundsätzlich keine Namen nenne, sondern nur die berufliche Position der Verdächtigen. Bei der Nennung „Vorstände“ sei eine Zuordnung nicht möglich, bei der Bezeichnung „Betriebsratsvorsitzender“ wisse aber jeder sofort, wer gemeint sei.

Ermittlungen wegen Beihilfe zur Untreue

Gegen die Manager wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Sie sollen 15 Betriebsräten, unter ihnen Osterloh, ein zu hohes Gehalt genehmigt haben. Gegen Osterloh wird hingegen wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue ermittelt. Grund: Der Betriebsratschef soll am Zustandekommen der Vergütungsvereinbarungen mitgewirkt haben. Diese Ermittlungen sind von den Ermittlungen gegen die Manager abgetrennt.

Während die Ermittlungen gegen die Ex-Vorstände und Manager laut Staatsanwaltschaft nicht vor Ende August abgeschlossen sein werden, ist ein Ende der Ermittlungen gegen Osterloh noch nicht absehbar. Wie bereits berichtet, müssen die Ex-VW-Manager mit einer Anklage rechnen.

Osterloh wurde bislang nicht vernommen

Ein Sprecher des VW-Betriebsrats sagte unserer Zeitung: „Bernd Osterloh hat über seinen Verteidiger Akteneinsicht beantragt und wird zu möglichen gegen ihn gerichteten Vorwürfen Stellung nehmen.“ Von den Ermittlungsbehörden sei er zu den Vorwürfen bisher noch nicht vernommen worden. Für Auskünfte stehe er zur Verfügung. „Denn für Bernd Osterloh steht fest, dass ihm an keiner Stelle ein Vorwurf zu machen ist“, sagte der Sprecher.

VW ließ Vergütungen kürzen

VW hatte als Folge der Ermittlungen Vergütungen von Betriebsratsmitgliedern gekürzt. Nach einer internen Überprüfung, mit der der Autobauer zwei ehemalige Vorsitzende Richter am Bundesarbeitsgericht beauftragt hatte, wurden die Gehaltskürzungen im Mai zurückgenommen. Grundlage dafür war ein Vergleich vor dem Arbeitsgericht Braunschweig. Zudem ist es zu Anpassungen der Gehälter gekommen. Osterloh soll nun eine niedrigere Vergütung erhalten, die sich aber weiter im deutlich sechsstelligen Bereich bewegen soll. Der Betriebsratschef verdiente nach eigenen Angaben in der Spitze bis zu 750.000 Euro im Jahr.

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