Sony stellt eigenes E-Auto vor

Wolfsburg.  Branchenkenner bezweifeln aber, dass die Japaner in die Produktion einsteigen.

Sony-Manager Kenichiro Yoshida präsentiert das Elektro-Auto Vision-S auf der Technik-Messe CES in Las Vegas.

Sony-Manager Kenichiro Yoshida präsentiert das Elektro-Auto Vision-S auf der Technik-Messe CES in Las Vegas.

Foto: dpa

Ist nun das eingetreten, was Experten seit langem erwarten? Kann plötzlich jeder Autos bauen – nach dem Motto: Die Hardware, also Motor, Fahrwerk, Blechkleid, kaufen wir ein, die Software und damit das Unterscheidungsmerkmal kommt von uns? Wer seinen Blick über den großen Teich in die USA wandern lässt, für den drängt sich dieser Eindruck schon auf. Auf der Technik-Messe CES in der US-Zockermetropole Las Vegas stellt Sony, japanischer Spezialist für Unterhaltungselektronik, sein erstes Elektro-Auto vor, den Vision-S.

Und der wurde nach oben beschriebenen Prinzip konzipiert. Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, hat Sony das Auto mit diversen Partnern entwickelt: dem Zulieferer und Autobauer Magna Steyr aus Österreich sowie den deutschen Zulieferern Bosch, Continental und ZF. Allerdings ist derzeit noch unklar, ob Sony tatsächlich in die Auto-Produktion einsteigen will.

Frank Schwope, Auto-Analyst der Nord-LB, hat da so seine Zweifel. Eine Serienproduktion von Autos sei auch für ein Unternehmen wie Sony eine große Herausforderung – zumal Autos eben doch sehr komplexe Produkte seien. Gleichwohl sprach er von einer „Degradierung“ der etablierten Unternehmen in der Autobranche zum „Karosserie-Lieferanten“. „Die entscheidende Software kommt von der anderen Seite“, sagte Schwope. Auch wenn die Anstrengungen von Sony sehr ernst genommen werden müssten, gehe von Unternehmen wie Google eine noch größere Gefahr für die klassische Autobranche aus. So verfügten über noch mehr Daten und IT-Kompetenz.

Professor Stefan Bratzel, der das Auto-Institut der Fachhochschule in Bergisch-Gladbach leitet, sprach gegenüber unserer Zeitung einmal mehr von einem Kampf der Welten, in dem sich die klassischen Autobauer und die relativ neuen und großen IT-Unternehmen wie Google und Apple gegenüberstehen. Für sie gehe es nicht darum, Autos zu bauen, sondern ihre digitalen Produkte ins Auto zu bringen. Das gelte auch für Sony.

„Diese Player wollen gar keine Hardware anbieten, weil die Rendite für sie zu gering ist“, sagte Bratzel. Während die Autobranche Renditen zwischen 5 und 8 Prozent einfahre, bewege die sich in der Welt der großen Daten-Unternehmen zwischen 20 und 25 Prozent.

Daher wird auch Sony nach Einschätzung Bratzels nicht in die Produktion von Autos einsteigen. „Das ist nicht das Kerngeschäft und würde Milliardeninvestitionen erfordern.“ Eine eigene Autostudie diene daher mehr als Ausstellungsraum. „Sony will zeigen, was technische möglich ist, um mit seinen Produkten in die Auto-Welt zu kommen“, sagte Bratzel.

Auch wenn die Japaner auf die Produktion eigener Fahrzeuge verzichteten, müssten sie als Wettbewerber sehr ernst genommen werden. Bratzel: „Es geht um Kompetenzen, die sich die Autobauer erst noch erarbeiten müssen: Vernetzung, digital abrufbare Funktionen und digitale Dienstleistungen. Sony hat einiges zu bieten.“

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