Einzelhandel – Corona beschleunigt Digitalisierung

Braunschweig.  Studie: 55 Prozent der Einzelhändler in unserer Region nutzen digitale Vertriebskanäle.

Die gut besuchte Einkaufsstraße in Braunschweig. Für viele Händler ist der Verkauf über das Ladengeschäft nach wie vor der größte Umsatzbringer. Parallel dazu beschleunigen viele den Online-Vertrieb.

Die gut besuchte Einkaufsstraße in Braunschweig. Für viele Händler ist der Verkauf über das Ladengeschäft nach wie vor der größte Umsatzbringer. Parallel dazu beschleunigen viele den Online-Vertrieb.

Foto: STACHURA/

Der Einzelhandel erschließt sich zunehmend digitale Kanäle, um auf sich aufmerksam zu machen und um seine Produkte zu verkaufen. Beschleunigt wird diese Entwicklung von der Corona-Krise. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts Ibi Research der Universität Regensburg, an der der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sowie 46 Industrie- und Handelskammern (IHK) beteiligt waren. Allerdings hätten es kleine Händler schwerer als große, Anschluss zu halten, warnt Mark Alexander Krack, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Niedersachsen-Bremen und Chef der Geschäftsstelle Braunschweig des Handelsverbands Harz-Heide, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Es ist die zweite Studie zur Digitalisierung des Einzelhandels nach 2017. Beteiligt waren auch die Industrie- und Handelskammern Braunschweig und Lüneburg-Wolfsburg. Jedoch liegt nur für die Kammer Braunschweig eine Unterauswertung vor. Demnach ist der Trend zur Digitalisierung in und um Braunschweig etwas ausgeprägter als im Bundesgebiet.

Händler erwarten Umsatzplus im Online-Shop

Während bundesweit 51 Prozent der befragten Einzelhändler digitale Vertriebskanäle nutzen, sind es im Bezirk der IHK Braunschweig 55 Prozent. Nach Angaben der Kammer gehen im Vergleich zu 2017 bundesweit 5 Prozent mehr Einzelhändler online. „Gerade während des Lockdowns haben viele Mitgliedsunternehmen verschiedene digitale Geschäftsmodelle aufgebaut, um für ihre Kunden erreichbar zu bleiben“, sagt Christian Scheffel, Handelsexperte der IHK Braunschweig. Grundsätzlich gilt: Die Händler erwarten rückläufige Umsätze im Ladengeschäft, dagegen ein Umsatzplus im eigenen Online-Shop.

Im Bezirk der IHK Braunschweig verkaufen 46 Prozent der befragten Einzelhändler ausschließlich über das eigene stationäre Ladengeschäft. Zum Vergleich: Bundesweit sind es 49 Prozent. Mehrere Vertriebskanäle nutzen 38 Prozent, das liegt ein Prozentpunkt über dem Bundeswert. 17 Prozent der Händler verkaufen ausschließlich online, das sind 3 Prozentpunkte mehr als im Bundesschnitt.

Ladengeschäft bleibt wichtigster Vertriebskanal

Wichtigster Vertriebskanal bleibt das Ladengeschäft. Das gilt für 77 Prozent der Befragten im Bezirk der IHK Braunschweig, bundesweit liegt der Anteil sogar bei 79 Prozent. 37 Prozent der Händler haben einen eigenen Online-Shop, bundesweit sind es 39 Prozent.

Deutlicher ausgeprägter als im Bundesdurchschnitt ist im Bezirk der IHK Braunschweig der Vertrieb über die Plattformen Ebay und Amazon. 21 Prozent der befragten Händler in unserer Region nutzen Ebay, bundesweit sind es 12 Prozent. 13 Prozent verkaufen über Amazon, im Bundesgebiet liegt der Anteil bei 10 Prozent. Weitere, aber recht unbedeutende Verkaufskanäle sind andere überregionale sowie regionale Online-Marktplätze, die von 8 Prozent beziehungsweise 2 Prozent der befragten Einzelhändler genutzt werden.

Als größte Hemmnisse für die Digitalisierung nannten 56 Prozent der Befragten Zeitmangel, 40 Prozent hohe Investitionskosten und 35 Prozent rechtliche Unsicherheit.

Nach Einschätzung des Handelsverbandsvertreters Krack hat die Corona-Krise dazu geführt, dass sich auch kleine Einzelhändler zunehmend für neue Online-Vertriebskanäle öffnen. Das gelte auch für das Marketing in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Whatsapp.

Erwartungshaltung ändert sich bei Kunden

Krack ist überzeugt: Der stationäre Handel allein wird auf Dauer nicht mehr funktionieren. Das liege am Kundenverhalten. „Der Erwartungshaltung verändert sich besonders bei den jüngeren Kunden. Der Einzelhandel ist gefordert, sich dem Wettbewerb zu stellen“, fordert er.

Dabei kämen große Händler leichter und schneller voran. Das liege an finanziellen und personellen Möglichkeiten, außerdem seien bei ihnen automatisierte Prozesse oft schon eingeführt. Krack begrüßt daher, dass das Land Niedersachsen Fördermittel für Beratungen zum Thema Digitalisierung im Handel bereitstelle. Nach seinen Angaben könnte das Beratungsangebot zum Jahreswechsel beginnen.

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