Autoindustrie erholt sich vom heftigen Corona-Schock

Berlin.  Überraschend hohe Gewinne, steigende Absatzzahlen: Die Autoindustrie erholt sich schnell vom heftigen Schock des Corona-Lockdowns.

Letzte Arbeiten an einer Mercedes S-Klasse: Der Hersteller hat einen überraschend hohen Quartalsgewinn eingefahren.

Letzte Arbeiten an einer Mercedes S-Klasse: Der Hersteller hat einen überraschend hohen Quartalsgewinn eingefahren.

Foto: Bloomberg / Bloomberg via Getty Images

Der Lockdown in der Corona-Krise hat die Autoindustrie schwer getroffen: Autohäuser und Zulassungsstellen geschlossen, Produktionsbänder stehen wochenlang still. Jetzt melden sich die Hersteller mit überraschend guten Zahlen zurück.

So teilte Daimler in der Nacht zum Freitag einen unerwartet hohen Gewinn für das dritte Quartal mit. Dieser fiel mit 3,1 Milliarden Euro vor Steuern und Zinsen nicht nur 400 Millionen Euro höher aus als im Vorjahr – sondern vor allem knapp eine Milliarde höher, als es Experten erwartet hatten.

Finanzchef Harald Wilhelm nannte mehrere Faktoren für die positive Entwicklung: Der Markt habe sich schneller erholt als gedacht, besonders im September habe sich das Geschäft stark entwickelt. Hinzu kämen Einsparungen und Effizienzmaßnahmen. „Die Resultate des dritten Quartals reflektieren eine sehr starke Leistung und beweisen, dass wir bei der Absenkung der Gewinnschwelle auf dem richtigen Weg sind“, sagte er. Den Schwung will Daimler in die verbleibenden Wochen des Jahres mitnehmen – solange es keinen neuen Lockdown gibt.

Porsche gleicht das Minus im Sommer fast wieder aus

„Robuste“ Zahlen vermeldet auch der Sportwagenbauer Porsche. Die VW-Tochter hat bis Ende September 191.547 Fahrzeuge ausgeliefert. Das sind fünf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit ist das Minus nur noch halb so groß wie zur Jahresmitte. „Der chinesische Markt hat sich nach dem Lockdown schnell wieder erholt, auch steigt die Nachfrage in anderen Märkten wieder deutlich an – all das hat zu diesem Ergebnis wesentlich beigetragen“, sagte Vertriebschef Detlev von Platen.

Die steigende Zahl neuer Aufträge stimme optimistisch. Wermutstropfen: Im Heimatmarkt Deutschland konnte Porsche den Rückstand nicht aufholen. 17.500 ausgelieferte Fahrzeuge sind fast ein Viertel weniger als im Vorjahr.

Der Gesamtkonzern VW erholt sich ebenfalls vom Corona-Schock. Im September steigen die Auslieferungen des Weltmarktführers im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent auf 933.600 Fahrzeuge. Im August hatte es noch ein Minus von 6,6 Prozent gegeben. Alle Marken lieferten von Januar bis September 18,7 Prozent weniger Neuwagen aus als 2019. Das dritte Quartal endete mit einem Minus von 1,1 Prozent.

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Fast eine Million Neuzulassungen in der EU

Steigende Zahlen sind erstmals in diesem Jahr auf dem europäischen Automarkt zu beobachten. In der EU sind im September laut dem europäischen Branchenverband Acea 933.987 Pkw neu zugelassen worden. Das waren 3,1 Prozent mehr als im September 2019.

Die Vorjahreszahl ist jedoch wegen des damals in Kraft getretenen Abgas-Prüfverfahrens WLTP leicht verzerrt: Die Hersteller hatten zuvor viele ältere Modelle in den Markt gedrückt, woraufhin die Neuzulassungen zurückgingen. Für das Jahr 2020 lautet die bisherige EU-Bilanz: 28,8 Prozent weniger Neuzulassungen.

Der Nutzfahrzeughersteller Volvo hat im dritten Quartal derweil Aufträge für 57.530 Lastwagen erhalten – 61 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Kunden orderten viele Lkw, die sonst im zweiten Quartal bestellt worden wären. Tesla-Konkurrent Nikola: Was hinter dem Skandal steckt (aky)

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