Corona und Weihnachten: Erste Engpässe im Online-Handel

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Coronavirus- So klappt Paket-Empfang mit DHL, Hermes und Co

Coronavirus: So klappt Paket-Empfang mit DHL, Hermes und Co

Paketboten haben in der Coronavirus-Krise gut zu tun. Was müssen Kunden beachten, wenn sie Pakete von DHL, Hermes, DPD, UPS oder direkt von Amazon bekommen? Ein Überblick.

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Berlin.  Corona-Lockdown kurz vor Weihnachten: Weil die Geschäfte geschlossen sind, shoppen viele Menschen online. Erste Produkte werden knapp.

  • Wegen des Corona-Lockdowns haben in Deutschland derzeit viele Geschäfte geschlossen
  • Der Umsatz von Online-Händlern steigt derweil an – immer mehr Menschen shoppen im Internet
  • Das führt teilweise zur Überforderung der Lieferdienste und zu ersten Engpässen

Die Lieferdienste stellen in der Vorweihnachtszeit täglich Millionen von Paketen zu – und es werden derzeit mit jedem Tag mehr. Wegen des Lockdowns bestellen noch mehr Menschen ihre Präsente im Internet, gleichzeitig will jeder Dritte seine Geschenke in diesem Jahr verschicken, statt sie persönlich zu übergeben, wie eine aktuelle Umfrage von YouGov ergeben hat.

„Die Rekordmengen zu Weihnachten und die noch weiter steigenden Sendungsmengen durch die Pandemie bringen unser Netzwerk an die Grenzen“, sagt Marco Schlüter, Leiter des operativen Geschäfts beim Paketzusteller Hermes. Doch viele Lieferdienste haben sich auf die Lage vorbereitet. Dem Bundesverband Paket und Expresslogistik zufolge hat die Branche allein für dieses Weihnachtsgeschäft 30.000 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt.

Corona-Pandemie verstärkt Online-Anteil beim Weihnachtsgeschäft

Corona verstärkt einen bereits bestehenden Trend: Die Verlagerung der Einkäufe ins Netz hat sich durch die Pandemie jedoch noch deutlich beschleunigt. Der Online-Anteil im Weihnachtsgeschäft lag im Vorjahr bei 14 Prozent, in diesem Jahr werden es mehr als 20 Prozent sein, schätzt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland.

Der Online-Umsatz wird nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) 2020 um etwa sechs Milliarden Euro steigen, der Umsatz der Innenstadtläden aber um 13 Milliarden sinken.

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Homeoffice steigert Nachfrage bei Technikprodukten

Viele Verbraucher sind dieses Jahr erstmals zum Shoppen ins Netz gegangen statt in die Fußgängerzone. „Jeder zehnte Deutsche entdeckte 2020 diese Form des Einkaufs völlig neu für sich“, hat eine Studie im Auftrag von Hermes ergeben. Nicht nur das neue Abstand­halten treibe die Kunden ins Internet. Es komme auch eine erhöhte Nachfrage nach Notebooks und Monitoren hinzu, weil viele ihr Homeoffice verbessern.

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Lockdown und eine verstärkte Nachfrage bringen die Online-Händler und Lieferdienste jedoch ans Limit. Die vielen Bestellungen sind zwar grundsätzlich hochwillkommen – doch die Nachfrage drängt sich immer extremer auf wenige Tage im Jahr zusammen. „Wenn ich mir aus Logistiksicht etwas wünschen dürfte, würde ich mich freuen, wenn die Konsumenten ausgeglichener im Internet bestellen würden“, sagt Hermes-Manager Schlüter.

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Online-Handel: Rabatttage wie „Black Friday“ sorgen jetzt für leere Lager

So hätten bei den Rabatttagen wie „Black Friday“ und „Cyber Monday“ schon einige im November eingekauft und damit das Weihnachtsgeschäft etwas entlastet, sagt Martin Groß-Albenhausen, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des E-Commerce-Verbands.

Gleichzeitig hat dies dazu geführt, dass die Lager einiger Online-Anbieter schon vergleichsweise leer sind. Die Lieferungen aus Asien sind aber längst abgeschlossen. Nachschub kommt erst im Januar. Dies betrifft vor allem Computer, Spielkonsolen und andere Heimelektronik.

„Da viele Kunden ihr Homeoffice ausstatten möchten und gleichzeitig die Nachfrage auch international bei Behörden und Firmen gestiegen ist, sind erste Modelle nicht mehr lieferbar“, sagt Oliver Hellmold, Chef des großen Computerversenders notebooksbilliger.de.

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Seit Pandemiebeginn setzen auch stationäre Händler vermehrt auf Online-Shops

Der Lockdown führt zudem dazu, dass die Waren zum Teil am falschen Ort liegen – etwa im Innenstadtgeschäft statt im Versandzentrum einer Online-Plattform. Anbieter, die Filialen und eine starke Digitalsparte haben, mussten diese Trennung überwinden. „Unsere Mitglieder haben im ersten Shutdown in ihren Filialen Pakete gepackt und konnten so ihre Mitarbeiter dort beschäftigen“, sagt Groß-Albenhausen.

Im Vorteil sind jene Läden, die sich ein Online-Standbein aufgebaut haben. „Stationäre Händler setzen zunehmend auf Online-Shops“, beobachtet der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS). Der Online-Anteil am Gesamtmarkt mit Spielwaren sei sprunghaft gestiegen. Das heißt aber auch, dass traditionelle Geschäfte in den Fußgängerzonen in ihrer Existenz bedroht sind.

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Deutsche Online-Händler profitieren vom Boom

Doch zumindest die größeren deutschen Online-Shops zeigen sich durchaus wettbewerbsfähig. „Wir sind wieder ein Spieler, den es lohnt, ernst zu nehmen“, sagt Bernhard Düttmann, der Chef der Ceconomy AG, zu der die Elek­troketten Mediamarkt und Saturn gehören.

In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten waren die Ketten hinter die Online-Anbieter wie Amazon und notebooksbilliger.de zurückgefallen. „Wir waren von der Spur abgekommen“, gibt Düttmann zu. Seitdem hat das Unternehmen jedoch kräftig in den Aufbau guter Online-Shops investiert.

Elektroketten können Corona-Lockdown durch Online-Geschäft gut bewältigen

Die Generalüberholung der Digitalsparte von Ceconomy wurde gerade rechtzeitig vor Beginn der Pandemie abgeschlossen. Die Gruppe konnte somit vom Trend der Neuanschaffungen von Elek­tronik voll profitieren. Auch der neue Lockdown schreckt Mediamarkt-Saturn nicht.

„Wir sind heute viel besser vorbereitet als im Frühjahr“, sagte Düttmann. „Mit unserem starken Online-Geschäft können wir die Situation gut bewältigen.“ Lieferengpässe gebe es in seinem Haus nicht. Das Unternehmen ist in Deutschland der drittgrößte Online-Händler nach Amazon und Otto.

Hermes: Paketsendungen retten in der Pandemie gegen Einsamkeit

Tatsächlich haben die mittelgroßen europäischen Anbieter dieses Jahr gezeigt, was sie können. Ihre Aktienkurse sind sogar noch stärker gestiegen als der von Amazon, wie der Wirtschaftsdienst Bloomberg feststellt. Als Beispiel nennt er Westwing, einen Online-Anbieter von Möbeln und Dekoartikeln aus München.

Der Online-Handel ist aber auch eine Rettung – ohne ihn ginge in der Branche fast nichts mehr. Der Versender Hermes sieht aber noch einen weiteren Vorteil der digitalen Möglichkeiten. „Paketsendungen werden in der Krise zum Retter gegen Einsamkeit und Social Distancing.“ Viele Bürger sitzen jetzt alleine zu Hause, Feiern und Feste fallen aus. Da bekomme das Päckchen mit dem Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk eine ganz neue Bedeutung.

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