Mit der Braumagd durch die einstige Hopfen-Metropole Hornburg

Hornburg.  Neue Themenführung durch die mittelalterliche Fachwerkstadt Hornburgs vermitteln auf lebendige Weise Geschichte.

Braumagd Susanne - in die Rolle schlüpft die Hornburgerin Susanne Kühne - führt die Besucher der Stadt an jene Orte, die von der mittelalterlichen Blüte des Hopfenanbaus um Hornburg zeugen.

Braumagd Susanne - in die Rolle schlüpft die Hornburgerin Susanne Kühne - führt die Besucher der Stadt an jene Orte, die von der mittelalterlichen Blüte des Hopfenanbaus um Hornburg zeugen.

Foto: Jörg Kleinert

Der Hopfen war einst ein Export-Produkt in der über 1000 Jahre alten Fachwerkstadt Hornburg, die im Süden des Landkreises Wolfenbüttel am Fuße des Kleinen Fallstein, eingebettet im Ilsetal liegt.

Für jene Besucher, die mehr über die bewegte Geschichte Hornburgs wissen möchten, bietet die Stadt seit Jahren Themenführungen an. Zum Beispiel zu Clemens II., ein im Jahr 1005 in Hornburg geborener deutscher Papst. Clemens II., dessen weltlicher Name Suitger, Graf von Morsleben und Hornburg war, war Papst von 1046 bis 1047. Nun kommen zwei neu konzipierte Führungen hinzu.

Jüdische Gemeinde in Hornburg

Eine beschäftigt sich mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Hornburg. Eine weitere mit der des Hopfenanbaus im Mittelalter und die noch heute im Stadtbild erkennbaren Spuren, die auf diese wirtschaftliche Blütezeit Hornburgs hinweisen.

Diese Spurensuche übernimmt Braumagd Susanne, verkörpert von der Hornburgerin Susanne Kühne. Im 16. Jahrhundert herrschte um Hornburg reger Anbau und Handel der Frucht. 68 Brauereien gab es in dieser Zeit in der Stadt, die Hopfensteuer füllte das Stadtsäckel. „Vor und nach dem Dreißigjährigen Krieg lebte ganz Hornburg vom Hopfenanbau“, sagt Thomas Dahms. Sprecher der Hornburger Stadtführer. Wer im Mittelalter auf den wichtigen Handels-Achsen durchs Ilsetal etwa von Braunschweig nach Halberstadt wollte, kam an der einstigen Hopfen-Metropole nicht vorbei.

Die Bedeutung des Hopfens fürs Bier

Rund 90 Minute dauere laut Dahms der Rundgang zur Hopfenanbau-Geschichte Hornburgs durch die engen Gassen und verwinkelten Straßen der Stadt. Unter anderem gezeigt werde während der Führung der Hopfenspeicher an der Dammstraße, der derzeit mit 600.000 Euro aus Fördertöpfen saniert wird. Die

Bedeutung des Hopfens für das Bier habe man früh erkannt, verdeutlicht Dahms. „Er diente als Konservierungsmittel des Bieres. Nur so konnte man das Bier über weite Strecken transportieren, ohne dass es kippt. Den bitteren Beigeschmack des Hopfens nahm man schon damals in Kauf.“

Neu ist auch die Themenführung „Mit Amalie Schwabe auf den Spuren jüdischen Lebens in Hornburg“, die der Förderkreis Heimatmuseum Hornburg im Rahmen der jüdischen Kulturtage des Israel-Jacobson-Netzwerkes jetzt erstmals anbot. Amalie Schwabe, für die 90-minütige Führung schlüpft die Hornburgerin Monica Dahms in die Rolle, starb 1923 als letztes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Hornburg. Monica Dahms' Ehemann Thomas trägt das historische Gewand von Bendix Schwabe, Vater von Amelie.

Gestartet wird stets am Rathaus – und schon um die nächste Ecke, direkt am Hornburger Marktplatz, erzählt Amelie Schwabe die ersten Episoden, denn allein sieben Häuser des Fachwerk-Ensembles rund um den Brunnen waren einst in jüdischem Besitz. In vielen dieser Häuser betrieben jüdische Familien Handel – und, so Thomas Dahms: „Den jüdischen Mitbürgern hat Hornburg seine Einzelhandelskultur zu verdanken.“

Hornburg im Dreißigjährigen Krieg

Grundsätzlich, so der Sprecher der Hornburger Stadtführer, seien die jüdischen Bewohner Hornburgs auch gesellschaftlich in der Stadt „unglaublich gut integriert“ gewesen. Die Familie Schwabe etwa, die mehr als 100 Jahre im Haus Wasserstraße 2 lebte, sei sehr spendabel gewesen. Vor allem der Schützenverein habe von den Gönnern profitiert.

Fast 300 Jahre lang, so Thomas Dahms, gab es in Hornburg jüdische Einwohner. Viele ihrer Lebensgeschichten recherchierte die Hornburger Stadtarchivarin Dr. Sybille Heise. Der Erste war Moses Isaak-Schöning, der katholische Truppe versorgte, die im Dreißigjährigen Krieg um die Stadt Wolfenbüttel kämpften. „Er siedelte sich 1642 im Knick 40 an und starb 1672“, weiß Dahms. Beerdigt wurde Isaak-Schöning auf dem jüdischen Friedhof am Hagenberg, insgesamt 87 Grabmäler befinden sich dort noch. Der Friedhof ist eine weitere Station, die frühere jüdische Schule (Dammstraße 20), die 1763 eingerichtet worden war, eine andere.

Wer Lust bekommen hat auf eine der Themenführungen, kann sich beim Amt für Tourismus erkundigen unter: (0 53 34) 9 49 10 oder per E-Mail an tourismus@schladen.de

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