Ein Geschäft in Wolfenbüttel für Kleidung und Gardinen öffnet

Wolfenbüttel.  August Denecke eröffnet 1855 in dem Haus ein Geschäft für Damenkonfektion, Weißwäsche und Gardinen.

Blick in die Lange Herzogstraße im Jahr 1910. Links vorn das Geschäft von August Denecke.

Blick in die Lange Herzogstraße im Jahr 1910. Links vorn das Geschäft von August Denecke.

Foto: Privat

Nicht immer lässt sich die Geschichte von Häusern in der Wolfenbütteler Innenstadt so gut zurückverfolgen, wie bei dem Haus Nummer 51 an der Langen Herzogstraße. Der Ortsheimatpfleger Adalbert Kursatzky hat diese Immobilie unter die Lupe genommen. Das viergeschossige Fachwerkgebäude wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut.

Die Geschichte des Hauses an der Langen Herzogstraße beginnt mit Geheimrat Bötticher

Bauherr und Besitzer des Gebäudekomplexes, bestehend aus einem Eckhaus an der Langen Herzogstraße und einem Seitenflügel zur Straße „Am Alten Tore“, sei 1753 der Geheimrat Bötticher gewesen. „Im Verlauf der vielen Jahrzehnte hat dieses Haus mancherlei geschäftlichen Zwecken gedient“, sagt Kursatzky. Bereits im Jahre 1792 wechselte das erste, 1718 in Wolfenbüttel zugelassene und 1719 in der Harzstraße eröffnete Caféhaus, in das Eckhaus der Lange Herzogstraße 51.

Nachdem Herzog August Wilhelm dem Caféhausbetreiber Andreas Steffens am 29. August 1718 das Privileg in Wolfenbüttel ein Caféhaus zu betreiben erteilte, eröffnete dieser 1719 in der Harzstraße das erste selbstständige Caféhaus. Im Jahre 1757 verkaufte Steffens sein Caféhaus an Johann Friedrich Spörl, der eine zusätzliche Konzession für den Betrieb einer Wirtschaft beantragte und sodann das Caféhaus als Gasthof „Zum Wilden Mann“ beziehungsweise „Caféhaus zum Wildenmann“ wieder eröffnete.

Der Kellnerwirt Satzinger ging konkurs und floh über nach nach Ostindien

1788 erwarb dann der Kellnerwirt Johann Heinrich Satzinger aus Königslutter diesen Betrieb, ging damit jedoch bereits 1792 in Konkurs und floh über Nacht nach Ostindien. Das Cafe- und Wirtshaus „Zum Wilden Mann“ wurde danach durch den Weinhändler Johann Heinrich Springmann übernommen, der es in die Lange Herzogstraße 51 verlegte und hier unter dem Namen „Zur Goldenen Traube“ neu eröffnete.

Im Jahre 1835 wurde aus dem Café- und Wirtshaus in der Langen Herzogstraße 51, nach mehr als 50 Jahren ein Kaufmannshaus. Im Adressbuch von 1835 wird als Eigentümer der Kaufmann Reuter und 1855 August Denecke genannt, der hierin ein Geschäft für Damen- und Kinderkonfektion, Anzug- und Kleiderstoffe, Weißwaren, sowie Gardinen und Betten betrieb. Im Jahre 1930 übernahm der Tuchhändler Georg Meyer das Geschäft und führte dies bis zum Jahre 1935.

Arztpraxis und Rechtsanwaltskanzlei ziehen in das Haus ein

Zwischenzeitlich, im Jahre 1925, richtete der prakt. Arzt Dr. med. Mogwitz im hinteren Bereich dieser Liegenschaft (heute „Am Alten Tore 1“) eine Arztpraxis und der Rechtsanwalt und Notar Hoffmeister eine Rechtsanwaltkanzlei ein. Im Jahre 1946 übernahm dann Rechtsanwalt, Notar und Steuerberater Alexis Dony diese Kanzlei. Er warb bei seinen Mandanten mit dem Hinweis „zugelassen auch bei den Militärgerichten“. Im Eckgebäude der Langen Herzogstraße 51 pachtete im Jahre 1932 Dr. med. Hubert Duesberg die 1. Etage und richtete hierin bis zum Jahre 1957 seine Arztpraxis ein.

Auch ist eine Spar- und Darlehenskasse, sowie die Ortsgruppe der NS-Frauenschaft (Innenstadt) und im Jahre 1944 eine landwirtschaftliche Buchstelle von Erich Puth als Pächter, in den oberen Etagen dieses Hauses in alten Adressbüchern zu finden. Und an einen Nachbarschaftskindergarten, der in den 1930er Jahren auf dem Hof betrieben wurde, erinnert sich Heinz Bremer. Er weiß noch genau, wie er an so manchen Tagen durch das Eingangstor an der Langen Herzogstraße in den Hof ging und hier von „Tante Hanne“ (Hanne Meyer) begrüßt und mit einigen wenigen Kindern betreut wurde. Bei „Tante Hanne“ könnte es sich um die Ehefrau des hier ansässigen Tuchhändlers Georg Meyer gehandelt haben. Fortsetzung folgt.

Adalbert Kursatzky freut sich über weitere Informationen, Fotos und Dokumente: (0171)2137049 oder adalbert.kursatzky@gmx.de

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