Wolfenbütteler Eltern wünschen sich Rückkehr in Präsenzunterricht

Schöppenstedt.  In Schöppenstedt befindet sich die komplette IGS im Homeschooling. Stadtelternratsvorsitzende ärgert sich über Probleme mit „IServ“.

Viele Wolfenbütteler Schüler müssen derzeit am heimischen Schreibtisch lernen.

Viele Wolfenbütteler Schüler müssen derzeit am heimischen Schreibtisch lernen.

Foto: Ulrich Perrey / dpa

Am Montag hat in Niedersachsen der Schulunterricht wieder begonnen – allerdings für die meisten Schüler am heimischen Schreibtisch. In der ersten Woche befinden sich nur die Abschlussklassen im sogenannten Szenario B mit Wechselunterricht in geteilten Klassen. Alle anderen sollen auf Distanzunterricht werden. Wolfenbüttels Kreiselternratsvorsitzender Henning Ahrens findet die Wiederaufnahme des Unterrichts für vernünftig.

„Wir können nicht bis April oder Mai warten, bis das Wetter wieder besser wird und die Grippewelle abebbt. Unseren Kindern fehlt dann ein halbes Jahr Unterrichtsstoff. Das kann man nur schwer wieder aufholen“, sagt Ahrens im Gespräch mit unserer Zeitung.

Abschlussklassen im Wechselunterricht

Seit Montag, 11. Januar, befinden sich die meisten Schüler in ganz Niedersachsen im sogenannten Szenario C. Der Unterricht findet auf Distanz und digital statt. Nur die Abschlussklassen gehen in die Klassenräume, um sich auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten. Dazu gehört der Abiturjahrgang sowie die Klassen 9 und 10. Grund- und Förderschüler gehen ab Montag, 18. Januar, in den Wechselunterricht (Szenario B).

Henning Ahrens findet, dass gerade die Abschlussklassen und Grundschüler wieder schnell in den Präsenzunterricht zurückkehren sollten. „Die älteren Schüler müssen sich auf ihren Abschluss vorbereiten. Das geht nur mit Unterstützung der Lehrer und Mitschüler. Die Grundschüler brauchen die Lehrer an ihrer Seite. Zwar können viele Eltern den jüngsten Schülern auch helfen, jedoch nicht bei jedem Thema.“

Störungen bei „IServ“

Ahrens spreche da aus eigener Erfahrung: „Wir haben zwei Kinder im Grundschul- und zwei Kinder im Kindergartenalter. Die einen müssen lernen, die anderen beiden wollen bespaßt werden. Das ist schon anstrengend, aber derzeit noch machbar.“

Das es für viele Mütter und Väter seit Corona anstrengender ist, kann auch Wolfenbüttels Stadtelternratsvorsitzende Silke Brüggemann bestätigen. „Wenn dann noch die Technik versagt, ist es zudem noch ärgerlich“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Gemeint ist die landesweite Störung der Schulplattform „IServ“. Am Montag war der Server teilweise nicht erreichbar gewesen. Über Iserv werden unter anderem Videokonferenzen und Chats abgewickelt. „Auch am Dienstag hat es noch Probleme gegeben. Konferenzen konnten nicht stattfinden und Aufgaben für das Homeschooling nicht abgerufen werden. Das ist sehr unsäglich“, ärgert sich Brüggemann.

Schulkindern fehlt sozialer Kontakt

Die Idee des Niedersächsischen Kultusministeriums, dass jeder Schüler von Zuhause aus arbeiten könne, sei zwar sehr schön, findet Brüggemann, jedoch müsse die Infrastruktur dafür stimmen. Brüggemanns Wunsch ist es, dass die Schüler nach und nach in den Präsenzunterricht zurückkehren können oder zumindest wieder Wechselunterricht stattfindet. „Ich habe das selbst bei meinen Kindern gemerkt. Als sie alle zwei Wochen die Schule besucht haben, waren sie viel ausgeglichener. Sie konnten sich austauschen und hatten soziale Kontakte. Das fehlt, glaube ich, vielen Kindern.“

Auch die Schüler der IGS Schöppenstedt haben schon länger nicht mehr das Schulgebäude von innen gesehen. Bereits vor den Weihnachtsferien mussten alle Schüler aufgrund eines Corona-Falls in das Szenario C wechseln, berichtet Schulleiter Ulf Blanke. „Dadurch hatten wir natürlich etwas mehr Vorlauf, um uns auf das derzeit geltende Szenario vorzubereiten. Die Schüler und Lehrer wussten, womit sie es zu tun hatten“, so Blanke.

Komplette Schule lernt Zuhause

An der IGS Schöppenstedt befinden sich aktuell alle 250 Schüler im Homeschooling, da es nur die Jahrgänge fünf bis acht gibt. „Ein großer Vorteil für Schüler und Lehrer ist es, dass alle mit digitalen Medien vertraut sind. Alle Schüler und Lehrer haben ein Tablet – weit vor Corona – zur Verfügung gestellt bekommen und wissen, wie man damit arbeitet. Deswegen fällt vielen die aktuelle Situation nicht schwer“, sagt der Schulleiter.

Auch von der Störung bei „IServ“ sei die Schule nur minder betroffen gewesen. Seit zwei Jahren nutzt die IGS Schöppenstedt eine weitere Plattform, um digital zu lernen und zu lehren. „Ich glaube, dass viele mit der Situation gut zurecht kommen, auch wenn der Präsenzunterricht natürlich viel schöner ist. Auch die Betreuungssituation sei noch nicht bedenklich, so zumindest sind die Rückmeldungen“, sagt Blanke. Das Angebot einer Notbetreuung an der IGS sei derzeit noch nicht genutzt worden.

Landkreis berät beim Thema Corona

Wer Hilfe oder einen Rat zum Thema Familie und Corona braucht, kann sich auch an die Beratungsstelle des Landkreises Wolfenbüttel wenden. Der Landkreis teilt mit, dass die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche weiterhin von montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie montags bis donnerstags von 14 bis 16 Uhr unter (05331) 84 186 erreichbar ist. Auch die zusätzliche Telefon-Sprechstunde unter (05331) 84 194 für spezielle Fragen zum Thema „Kinder, Familie und Corona“ ist zu diesen Zeiten erreichbar. Hier werden Anregungen und Hilfen für die Zeit der Pandemie und den damit verbundenen Kontakteinschränkungen angeboten.

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