Simon und Jan spielen in Wolfsburg böse Lieder auf Gitarren

Wolfsburg.  Das Comedy-Duo aus Oldenburg schont bei seinem Auftritt auch das Publikum im Hallenbad nicht. Es kritisiert die Kultursituation in Corona-Zeiten.

Spitzbübisch auftreten und so nett sein, wie ihre Melodien harmonisch sind – das ist das Markenzeichen von Simon und Jan.

Spitzbübisch auftreten und so nett sein, wie ihre Melodien harmonisch sind – das ist das Markenzeichen von Simon und Jan.

Foto: Helge Landmann / regios24

So wenig Zuhörer wie 2016 im „Sauna-Klub“ waren es diesmal nicht. So viele, wie möglich, auch nicht: das Hallenbad besetzte aufgrund der Corona-Regeln nur einen kleinen Teil der Plätze im Nichtschwimmer-Becken. Ein Thema, das Simon und Jan am Samstagabend perfide aufgriffen.

„Dies ist unser siebtes Konzert seit Februar“. Aber sie seien zufrieden, „weil wir noch von unseren ersten zehn Jahren zehren“. Nun gut, so prima findet das Duo die Lage nicht: die Kultur habe keine starke Lobby. Während Flugzeuge wieder in die Lüfte aufstiegen, seien Theater teils immer noch geschlossen. Die deutsche Kulturlandschaft, „um die uns viele Länder beneiden“, gehe kaputt. Klarer Fall, das Publikum applaudierte. Es amüsierte sich über die niederträchtigen Schlüsse und Kommentare der beiden Musikkabarettisten – live auf der Bühne. Da spielen sie sprachlich wie mimisch ihr ausgereiftes Können aus.

Klimakrise, AfD, Reiselust und Lobbyisten sind verarbeitete Themen

Jan Traphan sitzt auf einem Stuhl, die Schiebermütze in die Stirn gezogen, die Gitarre auf dem Schoß. Er spielt sie. Oder er erzählt. So lieb, so brav und doch so böse: hinterhältig karikiert er wie in den Songtexten das soeben Gesagte: „Ihr habt hier schöne Ecken – aber Urlaub?“ Im Lied lässt er Leute aus Essen reisen nach Hessen, um zu sehen: „Die haben es auch nicht besser“. Die beiden kommen aus Oldenburg. Simon Eickhoff sieht ihn dabei an – mit Unschuldsmiene. So, als fasse er nicht, was sein Partner sage und wolle.

Simon Eickhoff singt die zweite Stimme, ist der zweite Gitarrist, spielt zudem ein wenig Schlagzeug. So nebenbei. So wie Jan Wiederholungen eingespielt hat, mittels Loop in Schleifen abspielen lässt. Wie den tröstenden, aufrichtenden Titel „Alles wird gut“. Hört man ihre ironischen Lieder, sind daran starke Zweifel angebracht. Die Klimakrise, die AfD, die Neonazis, die Reiselust, die Lobbyisten sind aktuelle Themen. Sie sind, wie ein Kritiker schrieb „clowneske Chronisten unserer Zeit“.

Ihre Lieder triefen vor Ironie

Das Publikum bleibt keineswegs verschont, wird ertappt und entlarvt. Als hätte es die Facebook-Accounts gelesen. Es ist schließlich Teil einer Gesellschaft, an deren Zuständen die beiden satirisch Kritik üben – ohne parteipolitisch zu argumentieren. Naja, eben abgesehen von der AfD im Song „Ham wir schon gemacht“. Da heißt es „Männer an die Macht. Frauen an den Herd. Ist zwar lecker, aber hat sich nicht bewährt“. Aber ihr Stil hat sich bewährt: Spitzbübisch auftreten, so nett sein, wie die Melodien harmonisch sind. Dazu keineswegs harmlose Lieder singen, sprachlich ausgereift, triefend vor Ironie. Das Publikum feiert die beiden, fordert Zugabe um Zugabe.

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