Aus fürs „Chris Inn“ in Mörse ist besiegelt

Mörse.  Wirt Chris Böckermann eröffnet im Frühjahr einen neuen Irish Pub in der Innenstadt. Endet damit die mehr als 100 Jahre lange Gasthaus-Ära in Mörse?

Etwas wehmütig setzt Wirt Chris Böckermann am verwaisten Tresen.

Etwas wehmütig setzt Wirt Chris Böckermann am verwaisten Tresen.

Foto: LARS LANDMANN / regios24

Seit Wochenanfang ist der Irish Pub dicht, wie so viele Gaststätten und Kneipen. Wegen des neuen Corona-Lockdowns. Doch es kann sein, dass das „Chris Inn“ dort überhaupt nicht mehr öffnet. Aber nicht wegen Corona. Die Pandemie hat Wirt Chris Böckermann allenfalls bestärkt in seinen Plänen. Er eröffnet im nächsten Jahr einen neuen Irish Pub an anderer Stelle.

„Das tut weh.“ Der Wirt, der Mitte Januar das Dutzend an Jahren voll gemacht hätte als Pächter, steht im Gastraum vor leeren Wänden. Postkarten, Bilder, alte Werbeschilder, Devotionalien aus Irland und vieles mehr hat er nach der plötzlichen Zwangsschließung bereits in Kisten gepackt. „Ich habe jetzt ja unverhofft mehr Zeit, um meinen Umzug vorzubereiten“, sagt er fast ein wenig trotzig.

Ob er nach dem Lockdown noch einmal öffnet, ist unklar

Allerdings erst zum Jahresende hat Böckermann das „Chris Inn“ gekündigt, er könnte also im Dezember noch einmal für die Gäste öffnen – sofern die Corona-Beschränkungen gelockert werden. „Und ich wollte Heiligabend eigentlich noch einen Frühschoppen machen.“ Nun warte er aber ab und werde prüfen, „ob es sich überhaupt lohnt, noch einmal aufzumachen“.

Hinterm Tresen sieht es noch so aus, als würde er einem Gast gleich einen seiner rund 40 verschiedenen Whiskeys einschenken oder ein Guinness zapfen. Viele Plakate zeugen von den ungezählten Konzerten, die im Laufe der Jahre über die Bühne gegangen sind. Bei einigen hat er selbst mitgespielt, anfangs mit seiner Band „Evergreen Brothers“.

Legendäre Oldie-Night und ein ganz großes Hospiz-Benefizkonzert

Nach der Schließung von Knigges Dorfkrug hatte Böckermann die legendäre Oldie-Night am ersten Weihnachtstag fortgeführt, am vorige Samstag wäre normalerweise Halloween-Party gewesen. Eine der ganz großen Nummern im „Chris Inn“ war das Hospiz-Benefizkonzert im März 2018. Auch für die Vereine im Ort wie Schützen, Siedler und Feuerwehr war das „Chris Inn“ feste Anlaufstelle, ebenso wie für private Feiern. Und bis vor wenigen Jahren probten die beiden Mörser Chöre im Saal.

Seit mehr als 100 Jahren gibt es das alte einstige Dorfgasthaus „Taun olen Mörser“ mit großem Saal. 42 Jahre hatte es Anny Klauenberg bis 2006 geführt, ehe damals eine Pächterin übernahm.

Vermieterin Anny Klauenberg starb vor einem Jahr

Der Wirt berichtet, dass sein Pachtvertrag eigentlich noch ein paar Jahre liefe. Aber nach dem Tod seiner Vermieterin Anny Klauenberg im August 2019 und dem Verkauf des Gebäudes im Frühjahr habe er nicht damit gerechnet, dass der Vertrag noch einmal verlängert wird. Zudem habe sich dann etwas Neues ergeben.

„Also hab ich mir gesagt: Dann mit 51 lieber nochmal ein Neustart – trotz oder gerade wegen Corona. Aber Corona ist nicht der Auslöser“, betont Böckermann. Er hat ab 1. März die Gaststätte im Kleingärtnerverein Wellekamp in der Goethestraße gepachtet. „Dort entsteht das neue ,Chris Inn’.“

Zukunft der Gaststättentradition an dem Standort ungewiss

In Mörse geht also so oder so eine Ära zu Ende: Nach rund zwölf Jahren hört nicht nur Chris Böckermann dort als Wirt auf. Sondern es könnte auch sein, dass damit die Zeiten der Gaststättentradition an dem Standort vorbei sind. Von einem neuen Pächter der Gaststätte ist dem Gastronomen jedenfalls nichts bekannt.

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