Phaeno-Chef kündigt an: „Wir verschieben den Geburtstag!“

Wolfsburg.  Das Phaeno-Fest zum 15. Geburtstag soll voraussichtlich im Sommer 2021 und dann auch auf dem Außengelände stattfinden.

Die Eröffnungsfeier am 24. November 2005: Staunende Menschen, ein beeindruckendes Feuerwerk und dazwischen ein Traum aus Beton in allen Farben des Regenbogens.

Die Eröffnungsfeier am 24. November 2005: Staunende Menschen, ein beeindruckendes Feuerwerk und dazwischen ein Traum aus Beton in allen Farben des Regenbogens.

Foto: Klaus Helmke

Zum großen Geburtstagsinterview besuchte vergangenen Dienstag WN-Redakteur Hendrik Rasehorn den Phaneo-Chef Michel Lange.

Herr Junge, wäre nicht Corona und ein normaler Öffnungstag im November, was wäre im Phaeno los?

Der Besucherzuspruch im November war im Vergleich zu anderen Monaten immer schwächer. Ich würde damit rechnen, dass vormittags Kitas und Schulklassen mit rund 400 bis 500 Kindern kommen, einige aus Wolfsburg, viele von außerhalb zum Beispiel aus Hannover oder Hildesheim. Diese Gruppen würden mehrere Stunden bleiben, bis circa 15 Uhr, ehe sie fahren. Sie würden die Zeit im Phaeno richtig nutzen wollen.

Heute, ist das Phaeno bis auf ein paar Arbeiter menschenleer. Wie ist das für Sie, so ganz ohne Trampeln, Rufen und Lachen?

Es gibt ein Wort, dass die Atmosphäre derzeit beschreibt: Grabesstille. Es ist nicht einfach nur traurig, es ist bedrückend. Uns allen im Phaeno fehlt ein Stück weit die Daseinsberechtigung. Als wir nach dem ersten Shutdown am 16. Mai den ersten Öffnungstag hatten, war es ein unglaublich schöner Moment, als plötzlich wieder Kinderlachen im ganze Haus zu hören war. Da ging mir das Herz auf. Manche mögen die Zeit vor Corona als Hamsterrad empfunden haben. Für uns ist die Zeit seit Corona ein Hamsterrad im Overdrive. Wir müssen unser Hygienekonzept den aktuellsten Bestimmungen anpassen oder uns über Förderprogramme, deren Grundlagen sich täglich ändern, informieren. Das Stresslevel ist viel höher als im Normalbetrieb. Meine Mitarbeiter leiden unter der Unsicherheit, wie es weitergeht. Um das Phaeno mache ich mir aber keine Sorgen. Es wird weiter existieren und wenn wir die Türen eines Tages wieder öffnen, werden die Menschen zurückkehren. Die Neugierde und der Austausch mit anderen Menschen darüber ist ein ganz tiefsitzender Antrieb in uns allen. Genau darum geht es auch beim Phaeno.

...und dass schon seit 15 Jahren. Am 21 und 22. November sollte die große Geburtstagsfeier sein. Wie hätte das Fest ausgesehen?

Wir planten für den 15. Geburtstag etwas richtig Großes. Das war im März aber schon alles zunichte, als absehbar war, dass unsere finanziellen Mittel in diesem Jahr zusammenschmelzen werden. In diesem Jahr kamen wir bislang nur auf 100.000 Besucher. Der Durchschnitt der vergangenen Jahre liegt bei jährlich 250.000 Besuchern. Das Phaeno konnte sich deshalb auch immer mehrheitlich selbstfinanzieren – das schaffen nicht viele Kultur- und Bildungseinrichtungen! Dieses Jahr werden wir es nicht schaffen, der Wegfall der Einnahmen ist dramatisch. Das Geburtstagsfest schrumpfte sukzessive, dabei hielten wir aber weiterhin an freiem Eintritt an zwei Tagen und einem schönen runden Programm fest – wobei wir uns schon sorgten, wenn viele Besucher an den zwei Tagen gekommen wären, wie wir das mit den Schlangen am Eingang und den Corona-Schutzbestimmungen händeln sollten. In der zweiten Herbstferienwoche war für uns dann absehbar, dass das alles nichts wird.

Das Jubiläum fällt komplett aus?

Nein! Wir verschieben den Geburtstag!

Welchen Termin sollen sich die Besucher im Kalender eintragen?

Das Fest soll dann steigen, wenn wir sicher sind, dass die Exponate von den Besuchern benutzt werden dürfen. In dem Rahmen, in dem wir uns das vorstellen, wird das wahrscheinlich erst im Sommer 2021 stattfinden. Das hat jedoch den Vorteil, dass wir im Außenbereich des Phaeno neue Dinge ausprobieren können, was an den bisherigen Geburtstagen noch nie möglich war. In diesem Sommer haben wir gute Erfahrungen gesammelt, etwa mit dem Mobilen Musik-Museum oder den Science-Shows in der Cone-Hall – die ist dafür ein idealer Ort. Wir überlegen jetzt schon, wie wir die Shows im nächsten Sommer wiederholen können.

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