Wolfsburger Impfzentrum: Woher soll das Personal kommen?

Wolfsburg.  Schon bald soll Wolfsburgs Corona-Impfzentrum startklar sein. Mit eigenen Mitarbeitern könnte die Kommune sparen. Jedoch zu Lasten der Bürger.

Im Congress-Park soll bis zum 15. Dezember das Wolfsburger Corona-Impfzentrum aufgebaut werden.

Im Congress-Park soll bis zum 15. Dezember das Wolfsburger Corona-Impfzentrum aufgebaut werden.

Foto: Congress-Park (Archiv)

Die Eindämmung der Coronapandemie wird für die Kommune auch in den kommenden Monaten eine enorme finanzielle und personelle Belastung darstellen. Während das Land Niedersachsen just mit einer Überweisung von mehr als 100 Millionen Euro einen Großteil des Gewerbesteuerausfalls dieses Jahres ausgeglichen hat, stehen mit dem Aufbau eines Impfzentrums erneut schwierige Entscheidungen an.

Kämmerer Andreas Bauer informierte den Finanzausschuss am Freitag darüber, dass für Verwaltung, Empfang und Telefondienst je nach Auslastung rund 50 Mitarbeiter ohne medizinische Ausbildung benötigt werden. Oberbürgermeister Klaus Mohrs erläuterte, dass es nun zwei Möglichkeiten gibt: Entweder wirbt die Stadt Wolfsburg externes Personal an – oder aber sie stellt Dutzende Verwaltungsmitarbeiter für das Impfzentrum ab. „Damit würde man sehr viel Geld sparen“, erklärte Mohrs. Einige Kommunen hätten sich für den Einsatz eigener Mitarbeiter entschieden, weil das Land in diesem Fall 100 Prozent der Kosten erstatte.

Aus dem Kultur- oder Veranstaltungsbereich könnten Mitarbeiter abgezogen werden

Möglich wäre laut Mohrs Ausführungen auch in Wolfsburg, Mitarbeiter etwa aus dem Kultur-, Veranstaltungs- und Repräsentationsbereich ins Impfzentrum zu versetzen. Sehr begeistert ist der OB allerdings nicht von dieser Variante. Die Personaldecke sei ohnehin dünn, es müssten also Angebote für die Bürger ausgedünnt werden, und es seien auch schon eine Menge Mitarbeiter abgezogen worden. „Ich würde gerne eher weniger abziehen“, so Klaus Mohrs.

Peter Wagner sieht das genauso. „Wir unterstützen, was der Oberbürgermeister gesagt hat“, stellte der Gesamtpersonalratsvorsitzende klar. Das Impfzentrum sei eine größere Nummer, und das städtische Personal decke jetzt schon viel ab: im Gesundheitsamt und bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen. Der befristete Einsatz externer Mitarbeiter scheint Wagner da das kleinere Übel: „Prekäre Arbeitsverhältnisse sind nicht unsere Präferenz, aber in diesem Fall wird es nicht anders gehen.“

Szenarien der Stadt Wolfsburg sehen bis zu sechs „Impfstraßen“ vor

Der finanzpolitische Sprecher der SPD, Ralf Krüger, sieht durchaus Vorteile in der Abstellung internen Personals: Die Verwaltungsmitarbeiter seien vertrauenswürdig und eng in die Verwaltungsstrukturen eingebunden. Auch werde das Impfzentrum nur für eine gewisse Zeit benötigt. Kämmerer Bauer rechnet damit, dass das Impfzentrum ein halbes oder auch ein ganzes Jahr offenbleibt und dass die Kommune ein bis zwei Millionen Euro dafür aufbringen muss. Verschiedene Szenarien sähen bis zu sechs „Impfstraßen“ vor.

Ebenfalls in der Sitzung des Finanzausschusses gab es gute Nachrichten für Mitarbeiter der Stadt Wolfsburg: Sie sollen Corona-Sonderzahlungen in Höhe von insgesamt fast 900.000 Euro erhalten.

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