VW-Elektroflotte hat die Pole Position erobert

Wolfsburg.  Die neuen Hybridmodelle könnten die Flaute im Stammwerk in Wolfsburg beenden: Gegen Ende des Jahres war jeder dritte bestellte Golf ein Hybrid.

Der Golf GTE ist sehr beliebt bei den Kundinnen und Kunden von Volkswagen.

Der Golf GTE ist sehr beliebt bei den Kundinnen und Kunden von Volkswagen.

Foto: Volkswagen AG (Archiv)

2020 könnte als Jahr der Trendumkehr in die Geschichte der Automobilbranche eingehen. Die massiv geförderte Elektromobilität hat in einem um 20 Prozent geschrumpften deutschen Markt deutlich zugelegt. Autos mit reinem Elektroantrieb legten beispielsweise um 206 Prozent im Vergleich zu 2019 zu. Alle alternativen Antriebe zusammen machten nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) ein Viertel aller Neuzulassungen des Vorjahres aus. Auf der anderen Seite stehen zum Teil dicke Minuszeichen vor den Absatzzahlen von Benziner- und Dieselmodellen. Das betrifft bei den Modellen der Kernmarke VW insbesondere den Absatz von Golf, Tiguan und Touran, die allesamt im Wolfsburger Stammwerk produziert werden.

Der Golf kämpft sich mühsam aus dem Absatz-Tief

Auch im letzten Monat des vergangenen Jahres mussten die drei Wolfsburger Modelle Rückgänge verkraften. Am höchsten waren sie mit 21 Prozent beim Geländewagen Tiguan. Der Van Touran lag bei einem Minus von 15,2 im Vergleich zum Dezember 2019. Hier ist klar erkennbar, dass das Segment der Vans insgesamt immer weiter an Attraktivität einbüßt. Insgesamt wurden in dieser Fahrzeugklasse 43,2 Prozent weniger Einheiten verkauft. Der Golf konnte das Absatzminus zwar im Dezember verringern. Aber 13.496 verkauften Einheiten waren dennoch 12,1 Prozent weniger als im Dezember 2019.

Die neuen GTE-Modelle machen Hoffnung

Hoffnung macht das inzwischen deutlich erweiterte Angebot der Antriebsarten bei Golf und auch der neue Hybrid Tiguan GTE. Die nun dem Kunden zur Verfügung stehenden und mit Prämien geförderten Hybridmodelle müssten sich eigentlich positiv auf den Absatz auswirken. Denn: Die von der Bundesregierung und den Herstellern erhoffte Initialzündung durch die massive Förderung von Elektroautos, Hybriden und entsprechender Ladeinfrastruktur zahlt sich aus, wie ein Sonderbericht des KBA unterstreicht. So sollte es VW im Stammwerk möglich sein, die rund dreijährige Phase bis zur Produktion des reinen Stromers mit dem Arbeitstitel Aeroliner zu überbrücken.

VW-Chef Brandstätter gibt sich selbstbewusst

Das stimmt auch VW-Vorstandschef Ralf Brandstätter optimistisch. Er zog Ende der Vorwoche mit Blick auf die europäischen Absatzzahlen insbesondere des Golf ein positives Fazit eines dennoch insgesamt sehr schwierigen Jahres. Erst im zweiten Halbjahr hätte die Entwicklung sich wieder dynamischer für VW entwickelt. „Die Ikone der Marke Volkswagen Pkw - der Golf - hat volle Fahrt aufgenommen, seit im Herbst 2020 alle acht Derivate des Golf verfügbar waren. Er war im vergangenen Jahr erneut das meistverkaufte Auto Europas mit rund 312.000 Auslieferungen.

Auch in Deutschland war das Wolfsburger Aushängeschild im abgelaufenen Jahr mit rund 133.900 Auslieferungen an Kunden wieder das meistverkaufte Fahrzeug", heißt es in einer Unternehmensmitteilung ungeachtet der realen Absatzeinbrüche. „Der Golf steht auch in 2020 da, wo er hingehört", gibt sich auch Brandstätter selbstbewusst.

Erfreulich ist in der Tat, dass die Kernmarke ihre Marktanteile nahezu überall stabilisiert oder sogar ausgebaut hat. Zur Spitzenposition beigetragen habe die starke Nachfrage nach Hybrid-Modellen. So war gegen Ende des Jahres jeder dritte bestellte Golf ein Hybrid. „Wie dynamisch die zweite Jahreshälfte war zeigt auch, dass von den europaweit rund 312.000 ausgelieferten Golf-Modellen allein etwa 179.000 im zweiten Halbjahr auf die Straßen kamen. Am Jahresende lag der Golf in Deutschland mit weitem Abstand an der Spitze der Zulassungsstatistik, gefolgt von den zwei weiteren Volkswagen Modellen Tiguan und Passat. Erst an vierter Stelle der Verkaufsliste steht ein Auto des Wettbewerbs", schreibt das Unternehmen. Tatsächlich zahlt sich nun wohl aus, dass der Konzernchef den Schwenk zu Elektroautos und Hybriden so konsequent wie kaum ein anderer deutscher Automobilhersteller vorangetrieben hat. Ohne die Prämien vom Steuerzahler und den Rabatten der Unternehmen wäre die Entwicklung bei Stromern und Hybriden allerdings wohl kaum so fulminant verlaufen.

„In der Mitte der mobilen Gesellschaft angekommen“

„Die E-Mobilität ist in der Mitte der mobilen Gesellschaft angekommen. Positive Nutzererfahrungen verlässliche Technologien und ein wachsendes Angebot erleichtern den Umstieg in die E-Mobilität. Bei einem anhaltenden Zulassungstrend der Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben von rund 22 Prozent wie im letzten Quartal 2020 kann das von der Bundesregierung formulierte Ziel von 7 bis 10 Millionen zugelassenen Elektrofahrzeugen in Deutschland bis zum Jahr 2030 erreicht werden“, prognostiziert KBA-Präsident Richard Damm in einer Mitteilung des Amtes. Und die aktuellen Zahlen seines Hauses untermauern diese Aussagen.

Die beliebtesten Stromer sind Kleinwagen

13,5 Prozent aller in Deutschland neu zugelassenen Pkw haben einen elektrischen Antrieb (batterieelektrisch, Plug-In, Brennstoffzelle). Kleinwagen mit batterieelektrischem Antrieb stellten mit 29,9 Prozent das stärkste Segment bei den Neuzulassungen des Jahres 2020 dar. Auf das Segment der SUV mit batterieelektrischem Antrieb entfiel knapp ein Fünftel (19,9 %) des Neuzulassungsvolumens. Die Kompaktklasse erreichte mit 19,6 Prozent bei dieser Antriebsart einen ähnlich hohen Anteil.

VW fährt an der Spitze der Elektroflotten

Insgesamt wurden in 2020 394.940 Neuwagen mit elektrischem Antrieb neu zugelassen. Pkw der Marke VW erreichten davon mit 17,4 Prozent den höchsten Anteil (+608,6 % im Vergleich zum Vorjahr), gefolgt von Mercedes (14,9 % / +499,8 %) und Audi (9,0 % / +607,9 %). Bei den insgesamt 194.163 batterieelektrisch angetriebenen Pkw entfiel der größte Neuzulassungsanteil mit 23,8 Prozent ebenfalls auf die Marke VW, gefolgt von Renault (16,2 % / +233,8 %) und Tesla (8,6 % / +55,9 %). Bei den batterieelektrisch angetriebenen Pkw machten die privaten Neuzulassungen mit 48,8 Prozent bereits beinahe die Hälfte aller Neuzulassungen aus, so das KBA. Im Bestand der Pkw mit elektrischem Antrieb erreichte VW mit 16 Prozent den größten Anteil vor BMW (12,3 %) und Mercedes (12,1 %). Bei den rein elektrischen Pkw liegt VW mit einem Anteil am Bestand von 20,2 Prozent vor Renault (18,1 %), Smart (11,6 %) und Tesla (11,1 %).

Rund 70 Prozent des Bestandes der batterieelektrischen Pkw waren den Segmenten Kleinwagen (33 %), Kompaktklasse (19,6 %) und Mini (17,3 %) zuzuordnen. Der Bestand der batterieelektrischen Pkw im zulassungsstarken Segment der SUVs erreichte einen Anteil von 14,4 Prozent.

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